Nahostkonflikt: Tote im Gazastreifen angeblich vor allem Hamas-Mitglieder


Es war der Tag mit den meisten Todesopfern seit dem Gazakrieg 2014: Am Montag waren bei Ausschreitungen im Gazastreifen an der Grenze zu Israel mehrere Dutzend Menschen ums Leben gekommen, mehr als 2400 wurden zudem verletzt. Bei den Todesopfern handelte es sich offenbar vor allem um Mitglieder der Hamas. Das teilte ein Sprecher der radikalislamischen Palästinenserorganisation selbst mit.

50 der rund 60 getöteten Palästinenser seien Hamas-Mitglieder gewesen, sagte Salah Bardawil, ein Vertreter der Organisation, im palästinensischen Fernsehen. Er erläuterte nicht, ob es sich bei den Toten um Mitglieder des bewaffneten oder des politischen Hamas-Flügels handelte. Auch machte er keine Angaben dazu, was die Opfer gerade taten, als sie getötet wurden. Bardawil sprach von "offiziellen Zahlen".

Hamas spricht von "friedlichem Protest"

Die übrigen Toten seien "aus dem Volk" gewesen, sagte Bardawil. Hamas-Sprecher Fausi Barhum bestätigte die Angaben nicht. Er sagte lediglich, die Hamas bezahle die Begräbnisse der 50, unabhängig von ihrer Beziehung zur Hamas. Ein weiterer ranghoher Hamas-Vertreter, Bassem Naim, sprach lediglich von der Hamas als einer "großen Bewegung" mit großem Rückhalt in der Bevölkerung. Natürlich seien bei derartigen Protesten entsprechend viele Hamas-Anhänger anwesend. Naim sagte, die Getöteten hätten "friedlich" protestiert.

Seit Wochen kommt es im Gazastreifen immer wieder zu gewaltsamen Unruhen. Israel feiert derzeit den 70. Jahrestag seiner Staatsgründung, die Palästinenser begehen in diesem Zusammenhang den Tag der "Nakba" (Katastrophe), mit dem sie an die Vertreibung Hunderttausender Menschen erinnern.

Hinzu kam, dass am Montag, parallel zu den Ausschreitungen, die US-Botschaft in Jerusalem eröffnet wurde. Die Entscheidung von Präsident Trump, die Botschaft aus Tel Aviv dorthin zu verlegen und damit Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen hatte große Kritik ausgelöst. Der endgültige Status Jerusalems ist einer der größten Streitpunkte im Nahostkonflikt. Die Palästinenser beanspruchen den 1967 von Israel besetzten und 1980 annektierten Ostteil Jerusalems als künftige Hauptstadt des von ihnen angestrebten eigenen Staates (mehr Details zu dem Thema finden Sie hier).

Israelischer Regierungssprecher: "War ein Einsatz der Hamas"

Die Hamas-Angaben zu den Todesopfern wertet Israel nun als Beleg dafür, dass es sich nicht um friedliche Proteste gehandelt hat. "Wir nehmen ihn beim Wort, das war kein friedlicher Protest", schrieb Armeesprecher Jonathan Conricus bei Twitter. Regierungssprecher Ofir Gendelman twitterte, Bardawil habe die "Wahrheit offengelegt". "Das war keine friedliche Demonstration, sondern ein Einsatz der Hamas."

Der israelische Parlamentspräsident Juli-Joel Edelstein sagte, die Proteste hätten wenig mit der US-Botschaftsverlegung nach Jerusalem zu tun gehabt: "Das war eine wohl überlegte Aktion der Hamas, die die Bevölkerung, darunter Frauen, Kinder und Jugendliche, als menschliche Schutzschilde einsetzt."

In der Nacht zum Donnerstag flog Israel einen Luftangriff auf Ziele der Hamas im Gazastreifen. Es handle sich um einen Vergeltungsangriff für den Beschuss israelischer Soldaten und der Stadt Sderot vom Vortag, erklärte das Militär.