CDU-Politiker bei „Illner“ – „Wir schaffen das“ würde Merkel nicht mehr sagen

Talkshow-Kritik auf BILD: Jauch, Anne Will, Maischberger, Maybrit Illner, Plasberg

Da zoffen sich zwei wie Hund und Katze, und ganz Deutschland guckt gebannt zu. „Maybrit Illner“ fragt besorgt: „Seehofer gegen Merkel – zerreißt der Streit die Regierung?“

Malu Dreyer (57, SPD): Die Mainzer Ministerpräsidentin hält noch nicht mal Seehofers geplante neue „Ankerzentren“ für Migranten für notwendig.

► Tobias Hans (40, CDU): Der saarländische Ministerpräsident ist voll auf Merkel-Kurs, lehnt „nationale Alleingänge“ bei den von Seehofer geforderten Zurückweisungen an den Grenzen ab.

► Stephan Mayer (44, CSU): Seehofers Staatssekretär geriet im BAMF-Skandal mächtig unter Druck.

► Albrecht von Lucke (50): Der Politologe und Journalist beklagt „das Vordringen vieler AfD-Positionen in die Kernbestandteile der bürgerlichen Parteien“.

► Robin Alexander (43): Der „Welt“-Journalist warnt: „Migration“ oder „Islam“ werden „rechte“ Themen, „wenn die Mitte keine Antworten hat, die ihre Wähler verstehen“.

Hier droht Zoff nicht nur, hier ist er der Kern der ganzen Veranstaltung. Bleibt nur noch die Frage:

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In der Sendung: Malu Dreyer (SPD)Foto: ZDF

Sehr hoch! Und es geht auch gleich los: Als erster schiebt „Welt“-Chefreporter Alexander an: Wenn Horst Seehofer am Montag tatsächlich seinen Masterplan umsetze, orakelt er, dann „muss die Kanzlerin das entweder hinnehmen oder ihn entlassen.“

Saarland-Hans sieht es nicht ganz so dramatisch: „Es ist nichts Schlechtes, wenn ein Bundesinnenminister Pläne macht“, sagt Hans etwas gönnerhaft, warnt aber vor „Schnellschüssen“. Klarer Fall von Zeitspiel!

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Er verteidigte die Position der CSU: Innen-Experte Stephan MayerFoto: ZDF

CSU-Mayer macht Tempo: „Fast täglich Übergriffe“ von Flüchtlingen und Asylbewerbern, „Tumulte in Unterkünften, Vergewaltigungen“. Es gehe „um die Rückgewinnung von Vertrauen in der Bevölkerung“.

Dafür rührt sich aber keine Beifallshand.

Applaus gibt es stattdessen reichlich für das überall außerhalb Bayerns beliebte Lederhosen-Bashing. SPD-Vize Dreyer drückt gleich die ganze Kraftwort-Tube leer: „Skandalöser Vorgang! Die CSU riskiert die Stabilität der Regierung! Keinerlei Kompromissbereitschaft! Unterirdisch! So geht man mit Menschen nicht um!“

Von Lucke eilt ihr im gehobenen Professoren-Sprech zu Hilfe: Seehofer verursache einen „multiplen Schaden“.

„Was hat man denn erwartet, was in Seehofers Masterplan steht?“ spottet Alexander. „Töpferkurse für Migranten?“

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Bissige Anmerkungen: „Welt“-Reporter Robin AlexanderFoto: ZDF

Der „Welt“-Journalist will die SPD-Politikerin aufs Glatteis locken: „Auch Sie haben Horst Seehofer zum Innenminister mitgewählt!“ hält er ihr in kühner Auslegung der Vorgänge bei der Regierungsbildung vor.

Die SPD-Vizechefin ist pikiert: „Ich habe Seehofer nicht zum Innenminister gewählt!“ Das sei allein eine Entscheidung der Unionsfraktion gewesen. Aber: Mitreden will sie als Mitglied einer Koalitionspartei natürlich trotzdem. 

„Die Zahlen zeigen, dass Dublin nicht funktioniert“, sagt Mayer über die Verteilung der Flüchtlinge. „Wir sind in Europa weit von einer Einigung entfernt!“

„Wir sollten nicht über europäische Lösungen fantasieren, an die keiner mehr glaubt“, gibt sogar Hans zu. 

„Zurückweisung an der Grenze, das macht Macron schon lange“, sagt Alexander über den zentralen Streitpunkt. Nicht weniger als 85 000 Migranten aus Italien habe Frankreichs Präsident schon abgeblockt: „Seltsam, dass das für uns europarechtlich nicht möglich sein soll!“

„Inhaltlich ist die CDU bereits zur CSU übergelaufen“, behauptet der Journalist. Außer Mayer scheint das niemanden zu freuen.

„Alle Parteien, die an der Regierung beteiligt sind, haben massiv Vertrauen verloren bei der letzten Bundestagswahl“, stellt Hans nüchtern fest. „Deswegen muss man jetzt alles daran setzen, dieses Vertrauen zurückzugewinnen!“

Dann folgt ein Lob für den CSU-Chef: „Es sind ja nicht bloß die Allerbesten zu uns gekommen“, sagt der Saarländer über die Migranten der letzten Jahre. „Deshalb ist es sehr gut, dass der Innenminister sehr, sehr früh gesagt hat: Wir setzen jetzt den Koalitionsvertrag um. Zum Beispiel die Ankerzentren!“

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Maybrit Illner (v.l.) mit Stephan Mayer (CSU), Malu Dreyer (SPD) und Albrecht von LuckeFoto: ZDF

Der Saarländer sieht seine Chefin bereits leiden wie Jesus bei Pilatus: „Die Bundeskanzlerin kann in Europa besser verhandeln, wenn wir sie jetzt völlig geißeln in dieser Frage!“ warnt er.

Doch sein CSU-Partner malt mitleidlos ein Menetekel an die Wand: „Ich sehe überhaupt keine realistische Chance, in 14 Tagen zu bilateralen Abkommen mit vielen Ländern zu kommen!“ sagt Mayer kurz und bündig. Europa werde wieder mal „kläglich versagen“.

SPD-Dreyer bleibt trotzdem auf Merkel-Kurs: „Wir können es uns als Deutschland nicht leisten, dass wir eine nationale Lösung anstreben!“

Die Talkmasterin will wissen, warum das, was Frankreich und Italien machen, nicht auch bei uns möglich sei? Damit erwischt sie die Genossin voll auf dem falschen Fuß: „Da bin ich jetzt nicht so richtig à jour“, murmelt Dreyer.

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Der Polit-Forscher Albrecht von LuckeFoto: ZDF

Wissenschaftler von Lucke hat sich inzwischen mal wieder in Rage geredet: „Es geht der CSU nur um die Landtagswahl in Bayern!“ ruft er wütend in die Runde.

„Das ist ein ganz billiges Argument“, hält Mayer dagegen.

„Wir wollen Flüchtlinge nicht selber zurückweisen und legen das in die Hände von Leute, die wir nicht mögen“, sagt Alexander über Erdogan, Orban und Co.

Dreyer setzt ihr Weltschmerzgesicht auf: „Es gruselt mich, wenn ich die Namen dieser Potentaten lese, die alle nur nationale Interessen vertreten“, klagt sie. Diese Leute würden „Europa über die Wippe springen lassen.“

Illner will Formulierungshilfe leisten: „Über die Wupper!“ verbessert sie. War da nicht eher „über die Klippe“ gemeint? Jetzt geht es jetzt drunter und drüber, bis von Lucke im Niveaukeller den Schlussgong schlägt: Wenn Seehofer sich durchsetze, sei die Kanzlerin „faktisch kastriert“.

„Ich glaube, Frau Merkel würde diesen Satz heute nicht mehr sagen!“ (Hans über das berühmte Kanzlerinnenwort „Wir schaffen das“)