Donald Trump in Großbritannien: “Theresa May hat den Brexit verbockt”


US-Präsident Donald Trump ist am Donnerstag vom Nato-Gipfel in Brüssel nach Großbritannien geflogen, am Abend empfing ihn Premierministerin Theresa May zu einem Galadiner in Blenheim Palace in der Nähe von Oxford. Sie erinnerte dabei an die enge und lange Freundschaft beider Staaten. "Lassen Sie uns im Interesse unserer Völker für eine Zukunft in größerem Wohlstand zusammenarbeiten", sagte sie. Kurz darauf veröffentlichte die britische Zeitung "Sun" erste Auszüge aus einem Interview, das sie mit Trump geführt hatte – und da war von Freundschaft eher weniger die Rede.

Er habe May Ratschläge dazu gegeben, auf welche Weise Großbritannien die EU verlassen solle, sagte Trump demnach. May habe diese jedoch ignoriert. "Ich hätte das ganz anders gemacht", sagte Trump. "Ich habe Theresa May gesagt, wie sie es machen soll, aber sie hat nicht auf mich gehört."

Ein weicher Brexit – wie von May geplant – dürfte nach Einschätzung von Trump die Chancen auf ein bilaterales Handelsabkommen zunichtemachen. "Wenn sie so einen Deal machen, würden wir mit der Europäischen Union einen Deal machen anstatt mit dem Vereinigten Königreich", sagte er der Zeitung. "Das wird vermutlich den Deal killen." Die Brexit-Verhandlungen nannte Trump insgesamt "sehr unglücklich", sie dauerten "zu lange".

May will Großbritannien nach dem Brexit in eine Freihandelszone mit der EU führen. In am Donnerstag veröffentlichten Vorschlägen heißt es, dass dies für Waren gelten soll. In einem Punkt rückte Mays Regierung von der bisherigen Linie ab. So sollen für den im Königreich wichtigen Finanzsektor künftig andere Regeln gelten können. In vielen anderen Bereichen will Mays Regierung dagegen die Vorschriften der EU übernehmen. Wegen der Pläne traten die Brexit-Hardliner David Davis und Boris Johnson von ihren Ministerämtern zurück.

Offenbar zum Bedauern von Trump. Der fand in dem Zeitungsinterview lobende Worte für den ehemaligen britischen Außenminister: Er hoffe, Johnson werde wieder in die Regierung eintreten. Er sei ein guter Repräsentant für Großbritannien und "wäre ein großartiger Premierminister", sagte Trump. Über May sagte er, sie sei eine "nette Person", er komme mit ihr "sehr gut" klar.