US-Migrantenkrise: Diese Firmen verdienen Millionen mit Trumps Kinderknästen


Kennen Sie Alex Azar? Macht nichts, das geht vielen Amerikanern ganz ähnlich. Dabei ist der US-Gesundheitsminister, ein früherer Pharma-Lobbyist, seit sechs Monaten im Amt. Sein Vorgänger war über einen Korruptionsskandal gestürzt – inzwischen fast schon ein Routinefall im Kabinett von Präsident Donald Trump.

Plötzlich aber geistert Azar durch die TV-Kanäle – als neues Gesicht der US- Migrantenkrise. Diese schönzureden war der Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen spektakulär misslungen, weshalb die Aufgabe nun bei Azar gelandet ist, einem stillen Technokraten. Seine Behörde ist für die Versorgung der deutlich mehr als 2000 Kinder zuständig, die ohne Eltern weiter in teils menschenunwürdigen Haftlagern festsitzen.

Trotzdem verpasste das Ministerium auch die jüngste Gerichtsfrist, wenigstens alle Kinder unter fünf Jahren mit ihren Familien wiederzuvereinigen, von denen sie an der Grenze getrennt worden waren. Mit zwei Tagen Verspätung teilte das Amt mit, von 103 betroffenen Kindern habe man bisher nur 57 an Eltern oder Pfegeeltern übergeben. Die anderen 46 seien "nicht berechtigt" – weil die Erwachsenen sich als verdächtig, wenn nicht gar kriminell entpuppt hätten.

Alex Azar (l.) mit Donald Trump

REUTERS

Alex Azar (l.) mit Donald Trump

Azar allerdings verkehrt selbst diese andauernde humanitäre Katastrophe in dreistes Eigenlob. "Was wir für diese unbegleiteten Kinder tun, die in unser Land geschmuggelt werden", sagte er im TV-Sender CNN, "ist ein tolles Beispiel amerikanischer Großzügigkeit und Nächstenliebe."

Doch während die Familien zwischen den Fronten von Politik, Justiz und Bürokratie zerbrechen, profitieren andere kräftig von Trumps unmenschlicher Politik: Etliche US-Firmen verdienen im Auftrag der Regierung am Bau und Betrieb der mehr als 100 Lager für Migranten und ihre Kinder. Es ist ein Milliardengeschäft, das bereits unter Trumps Vorgänger Barack Obama boomte, nun aber explodiert: mehr Inhaftierte, mehr Lager – mehr Geld.

Einige Firmen haben Verbindungen zu den US-Republikanern und Trumps Zirkel. Hier sind die wichtigsten.

GEO Group

Der größte private US-Gefängnisbetreiber profitierte schon vom Zulauf regulärer Häftlinge durch Trumps neue Law-and-Order-Politik. Zugleich ist der Konzern der Top-Partner der US-Deportationstruppe Immigration and Customs Enforcement (ICE), mit Aufträgen im Wert von fast einer halben Milliarde Dollar – knapp ein Drittel des externen ICE-Budgets, das unter Trump stark angestiegen ist. GEO managt eines der zwei bekannten "Family Centers" für Migranten in Texas sowie weitere Einwanderungshaftlager, darunter in Colorado, Kalifornien und Florida.

Das Unternehmen spendete im Wahlkampf 556.000 Dollar an Trump, steuerte 250.000 Dollar zu dessen Vereidigungsfeiern bei und hielt seine letzte Cheftagung in Trumps Golfklub Doral in Florida ab. 330.000 Dollar gingen an andere Republikaner. Brian Ballard, der GEO-Cheflobbyist für Einwanderungsfragen in Washington, arbeitete früher als Lobbyist für Trump.

CoreCivic

Das Eloy Detention Center

AP

Das Eloy Detention Center

CoreCivic managt mehr als 70 Anstalten, darunter das zweite "Family Center" für Migranten in Texas und das berüchtigte Eloy Detention Center in Arizona, den "tödlichsten Einwanderungsknast der USA". Damit machte CoreCivic im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden Dollar Umsatz und fuhr im ersten Quartal 2018 noch mal 441 Millionen Dollar ein, dank zwei neuer Regierungsaufträge. Im Juni kam ein weiterer hinzu, für eine Haftanstalt in Mississippi mit bis zu 1350 Insassen.

Dabei stand der Konzern schon oft in die Kritik. Im Juni klagten 37 Migranten aus einem CoreCivic-Lager in San Diego – von denen einige von ihren Kindern getrennt worden waren – in einem offenen Brief über die "horrenden Zustände". Im Wahlkampf spendete CoreCivic 254.000 Dollar an die Republikaner, weitere 250.000 Dollar flossen in die Kasse von Trumps Vereidigungsfeierlichkeiten.

General Dynamics

Ein Lager für Migrantenkinder in Florida

AFP PHOTO /US Department of Health and Human Services/Hand-Out

Ein Lager für Migrantenkinder in Florida

Der Rüstungskonzern war 2017 mit 15 Milliarden Dollar an Regierungsdeals der größte US-Vertragspartner überhaupt. Auch er profitiert von der Inhaftierung von Migrantenkindern, wenn auch "nur" auf bürokratischer Seite, indem er Training, Verwaltung und Technik bereitstellt. General Dynamics spendete im Wahlkampf 2016 mehr als 1,1 Millionen Dollar an Republikaner-Kandidaten. US-Verteidigungsminister Jim Mattis saß zuletzt bis zu seiner Berufung im Aufsichtsrat des Unternehmens.

MVM

Der Rüstungskonzern aus Virginia verdiente in den vergangenen Jahren mehr als 300 Millionen Dollar, indem er unbegleitete Migrantenkinder durchs Land flog. Ein aktueller ICE-Vertrag für den "Kindertransport" beläuft sich angeblich auf 162 Millionen Dollar. Seit Beginn der "Null-Toleranz-Politik" Trumps hat MVM auf der Suche nach neuen Mitarbeitern zahlreiche Anzeigen geschaltet.

Stellenbeschreibung: "Die schnelle Entwicklung" von "Lagern für unbegleitete Kinder".