Kraftfahrtbundesamt irritiert mit Brief an Diesel-Besitzer

Das Kraftfahrtbundesamt ist wegen eines Briefs an Besitzer älterer Diesel in die Kritik geraten. Nach dem Verbraucherzentrale Bundesverband warf auch der ADAC der Behörde vor, die Verbraucher zu irritieren.

Hinweis auf deutsche Hersteller

In dem Brief werden nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums Halter älterer Diesel darüber informiert, dass ihr Wagen in einer Region zugelassen ist, in der ein Jahresmittelwert von 50 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft überschritten wird und ihr Wagen nicht der neuesten Abgasnorm entspricht. Es handele sich um ein “reines Informationsschreiben”.

Die Halter werden darin auch auf Umweltprämien und Hardware-Nachrüstungen in besonders belasteten Regionen hingewiesen. Zugleich werden Hotlines und Internetauftritte von BMW, Daimler und VW genannt. Es heißt aber auch: “Es bleibt ihnen unbenommen, sich auch bei anderen Herstellern über laufende Umtauschaktionen zu informieren.”

Keine neutrale Beratung laut ADAC

Der ADAC warnte nun, viele Betroffene verstünden die Briefe des Kraftfahrtbundesamts als “einseitige Werbeaussage zugunsten der genannten Hersteller”. ADAC-Technikchef Reinhard Kolke schrieb an den Vorsitzenden des KBA-Beirats, Karsten Lemmer, einige Halter hätten den Brief so verstanden, dass man drohende Fahrverbote nur durch Umtausch des Autos bei BMW, Mercedes oder VW vermeiden könne.

Kolke kritisierte, mit der Nennung der drei deutschen Hersteller werde keine neutrale Beratung zur Ausgestaltung von Prämien oder eine Vergleichsmöglichkeit gewährleistet. Das KBA sollte neutral über Maßnahmen aller Hersteller informieren.

Besonders belastete Städte 2017

Besonders belastete Städte in Deutschland im Jahr 2017.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Müller: KBA macht keine gute Figur im Abgasskandal

Zuvor hatte bereits der Verbraucherzentrale Bundesverband erklärt, die Hinweise des Kraftfahrtbundesamts auf Umtauschaktionen von Autoherstellern lasse die nötige Distanz zur Industrie vermissen. Der Brief zeige keine Lösungen für viele von Fahrverboten bedrohte Verbraucher.

Vorstand Klaus Müller sagte, Betroffene erwarteten vom KBA neutrale Informationen, wann es sinnvoll sei, seinen Wagen zu tauschen oder auf die Hardware-Nachrüstung zu warten. Die Behörde sollte deshalb eine Hotline einrichten, an die sich Verbraucher mit ihren Fragen wenden könnten. Müller betonte, die Flensburger Behörde habe abermals keine gute Figur im Abgasskandal gemacht.

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