Ministerium warnt vor Hanta-Virus-Epidemie

Stuttgart / Simon Wagner
09.11.2018

Rötelmäuse übertragen das Hanta-Virus. Weil die Mäuseart viel Essen findet, wird die Zahl der Ansteckungen 2019 steigen.

Rotbraunes Rückenfell, sieben bis 13 Zentimeter lang und im Herbst mit einem gewaltigen Appetit auf Pilze, Samen und Früchte: Das ist die Rötelmaus, und der Tisch für sie ist gerade reich gedeckt. 2018 ist ein Mastjahr, Eichen und Buchen tragen besonders viele Früchte. Früher dienten die dem Vieh zur Mast. Aber auch  den Rötelmäusen sind sie  willkommen. Die Maus ist Wirt und Überträger des Hantavirus.

Wenn es genug Nahrung gibt, klappt die Fortpflanzung. Die Rötelmaus-Population dürfte im kommenden Jahr deshalb deutlich zunehmen. Grund für das Landesgesundheitsamt, Alarm zu schlagen für 2019 wegen ver­mutlich erhöhter Hantavirus-Aktivität. „Die Erfahrungen haben gezeigt, dass Hantavirus-Ausbrüche regelmäßig nach Buchenmast-Jahren auftreten“, so Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne).

Steiler Anstieg ab April?

Für 2019 rechnet das Ministerium landesweit mit mehr als 1300 Fällen, in denen das Virus von der Maus auf den Menschen übertragen werden könnte. Zum Vergleich:  Bisher wurden 2018 landesweit nur 36 Fälle von Hantavirus-Erkrankungen bekannt. Nach der Buchenmast 2016 registrierte man im Folgejahr 935 Hantavirus-Patienten. 2012 waren es, ebenfalls nach einem Buchenmastjahr, mehr als  1700 Fälle.

Hanta-Epidemien beginnen in der Regel mit einem leichten Anstieg der gemeldeten Hantavirus-Infektionen ab Dezember, der sich im Frühjahr  fortsetzt. Ab April kommt es zu einem steilen Anstieg der Fallzahlen bis in den Sommer, sagt Ministeriumssprecher Markus Jox.

Besonders in den eichen- und buchenreichen Wäldern im nördlichen Landesteil und in einem Streifen vom Rand des Schwarzwaldes entlang der Schwäbischen Alb erwartet das Ministerium viele Infektionsfälle. Ein Brennpunkt ist immer der Kreis Reutlingen, wo der hohe Buchenwaldanteil die Verbreitung der Rötelmaus und damit des Virus befördert.

Im Kreis Heidenheim, als zweiter Brennpunkt, liegt die Prognose bei vergleichsweise geringen 90 Infektionen. Ausgespart bleiben in der Gefahrenprognose der Kreis Ravensburg sowie der Mittel- und Südschwarzwald, Gegenden mit vielen Nadelbäumen.

Vorsichtsmaßnahmen treffen

Um der Ausbreitung des Hantavirus schon jetzt entgegenzuwirken, rät Gesundheitsminister Lucha Gartenbesitzer dazu, abgeladenen Sperrmüll oder etwa Altreifenstapel aus ihren Gärten zu verbannen. In kleinen Nischen und Spalten richten sich die Nager bevorzugt ein. Nistmöglichkeiten suchen sie auch in Garagen, Schuppen und Häusern. Mögliche Schlupflöcher an Gebäuden, rät das Ministerium, sollten abgedichtet werden, um die Wahrscheinlichkeit eines Kontakts mit der Maus und ihren Ausscheidungen zu minimieren.

Die infizierten Nagetiere scheiden die Viren Zeit ihres Lebens über ihren Speichel, Urin und Kot aus. Die Hinterlassenschaften können dabei über mehrere Tage infektiös bleiben, selbst wenn sie bereits getrocknet sind.

Eine Hantavirus-Erkrankung ist beim Menschen begleitet durch grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. In manchen Fällen kann es zu einem vorübergehenden Nierenversagen kommen. Beim kombinierten Auftreten entsprechender Symptome sollte ein Hausarzt konsultiert werden.

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