Rostocker Ermittler brechen beim "Tatort" das Gesetz

Ein Mädchen wird auf dem Heimweg von einem Rockkonzert vergewaltigt und erwürgt – doch ihr Mörder läuft immer noch frei herum. Dabei gibt es einen Verdächtigen, der sogar verurteilt wurde und anderthalb Jahre im Gefängnis saß. Doch Guido Wachs (Peter Trabner) wurde in einem Revisionsverfahren freigesprochen und lebt 30 Jahre später mit Frau und drei Kindern in einer Rostocker Einfamilienhaussiedlung. Bis sich das Team um Fallanalytikerin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Hauptkommissar Alexander Bukow (Charly Hübner) den Fall noch einmal vornimmt – und mittels DNA-Analyse feststellt, dass Wachs die 17-jährige Janina Stöcker im Juni 1988 ermordet hat.

Gemäß der deutschen Strafprozessordnung ist eine Wiederaufnahme des Verfahrens aber nicht möglich, da Wachs bereits wegen des Mordes vor Gericht stand und freigesprochen wurde. Die Geschichte erinnert an den realen Fall der Schülerin Frederike von Möhlmann, die 1981 vergewaltigt und ermordet wurde. Ein Angeklagter wurde zunächst verurteilt, dann aber freigesprochen und erst viele Jahre später durch eine DNA-Probe überführt. Er ist bis heute frei.

Wie ungerecht, denkt man da fast automatisch – und genauso empfindet es auch das Rostocker „Polizeiruf“-Team. „Wir müssen hier Gerechtigkeit herstellen“, sagt König und findet im Zwiegespräch mit Wachs heraus, dass dieser noch ein weiteres Mal gemordet hat. Jetzt setzen die Ermittler alles daran, den zweiten Fall zu finden und Wachs zu überführen. „Nicht wegen Janina“, sagt Mordkommissionsleiter Henning Röder (Uwe Preuss), „aber für sie“, ergänzt die Mutter des Mordopfers (eindringlich: Hildegard Schmahl).  Immer wieder hat die alte Dame den damaligen Hauptermittler Röder an den Fall erinnert, ist beinahe am Tod der Tochter zerbrochen. Und auch den erfahrenen Kommissar Röder, das gesamte Team und den Zuschauer nimmt der Fall mit. Schlüssig erzählt und gut gespielt ist er obendrein. Besonders bei Bukow und König, deren ambivalente Beziehung auch in dieser Folge wieder eine größere Rolle spielt, merkt man, dass Drehbuchautor Eoin Moore schon von Beginn an dabei ist und die Figuren kontinuierlich weiterentwickelt.

Wie sich die Ermittler im Namen der Gerechtigkeit über Recht und Gesetz hinwegsetzen, irritiert aber bisweilen. Um an die DNA-Probe von Wachs zu kommen, lügen sie ihm etwas von einer Einbruchserie vor. Währenddessen steigt einer der Kommissare in den Waschkeller der Familie ein und am Ende kommt es auch noch zu einer Rangelei. Dazu verrät Kommissar Pöschel (Andreas Günther) Ursula Stöcker die Adresse des Mörders ihrer Tochter. Zwischendurch dreht Bukow noch einen krummen Deal, um an Geld zu kommen. Trotzdem überzeugt der „Polizeiruf“ aus Rostock – wie so oft. Das liegt auch an Bukow und König, die sich diesmal beinahe prügeln und am Ende doch fast schon zärtlich miteinander umgehen. Wie es mit diesem ungleichen Ermittlerduo weitergeht, ist beinahe so spannend wie die Fälle selbst. 2019 kommt die nächste Folge.

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