Vom Schmerz, der nicht verjährt

Unterhaltung


Wie kann man den Mörder festnageln? Bukow und Pöschel sind ratlos.

Wie kann man den Mörder festnageln? Bukow und Pöschel sind ratlos.(Foto: © NDR/Christine Schroeder)


Samstag, 10. November 2018



Auch 30 Jahre nach dem Mord an ihrer Tochter Janina kommt Ursula Stöcker nicht zur Ruhe. Neue Hoffnung auf Vergeltung bringt ein DNA-Test, der den Hauptverdächtigen von einst endlich überführen soll. König und Bukow schwanken zwischen Recht und Rache.

Mit dem Herbst kommt seit einigen Jahren auch äußerst verlässlich die alljährliche Themenwoche in der ARD. “Woran glaubst du?” war das Motto im Vorjahr, das sich in zahlreichen TV-Beiträgen dem Glauben und seiner Vielfalt in Deutschland auf verschiedenen Ebenen näherte. In diesem Jahr nun lautet die inhaltliche Klammer vom 11. bis zum 17. November “Gerechtigkeit” – in puncto Justiz, beim Thema Renten, in Sachen Gleichberechtigung im Job und einiges mehr.

Auch der sonntägliche 20.15-Uhr-Klassiker im Ersten reiht sich traditionell ein. Im Vorjahr ermittelten Sieland und Gorniak im MDR-Tatort “Level X”, diesmal geht der Blick gen Rostock, wo Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) in einer neuen “Polizeiruf 110”-Folge mit einem Fall aus dem Jahr 1988 konfrontiert werden. Damals ermittelte ihr heutiger Chef, Henning Röder (Uwe Preuss), als Kommissar in der Mordsache Janina Stöcker. Das junge Mädchen war auf dem Rückweg von einem Konzert vergewaltigt und ermordet worden.

Einen dringend Tatverdächtigen gab es auch, doch der Mann hatte ein, wenn auch nicht vollends überzeugendes, so doch für die Richter ausreichendes Alibi und wurde freigesprochen.

Katrin König rettet die lebensmüde Ursula Stöcker.

Katrin König rettet die lebensmüde Ursula Stöcker.(Foto: © NDR/Christine Schroeder)

Doch die Zweifel blieben, und das über Jahrzehnte. Nicht nur bei Röder, sondern auch und vor allem bei Janinas Mutter. Als Ursula Stöcker (Hildegard Schmahl) einen letzten Versuch unternimmt, den Ermittler von damals noch einmal auf die Sache anzusetzen, wird Katrin König hellhörig. Zusammen mit ihrem Team übernimmt sie den Fall, der aufgrund neuer, noch genauerer DNA-Untersuchungsverfahren nun endlich gelöst werden könnte.

Doch so einfach, wie es zunächst scheint, ist die Sache natürlich nicht. Guido Wachs (Peter Trabner), damals verdächtig, heute ein Familienvater mit drei Kindern, könnte kein zweites Mal für dieselbe Tat vor Gericht gestellt werden – es sei denn, er gesteht. Oder König und Co. wären in der Lage, ihm eine zweite, bislang unaufgeklärte Tat nachzuweisen.

“Für Janina” ist der 18. gemeinsame Fall des hitzköpfigen, problembeladenen Duos aus der Hansestadt Rostock und wie schon beim ersten Einsatz anno 2010 – und ein halbes Dutzend weitere Male danach – sitzt Eoin Moore im Regiestuhl. Zusammen mit Anika Wangard hat er auch das Drehbuch verfasst. Den im Kern ja durchaus überschaubaren Fall umspinnen die beiden mit reichlich Nebenkriegsschauplätzen. Im Prozess um Königs vermeintliche Notwehr aus einem vorangegangenen Fall (“Angst heiligt die Mittel”) steht das Urteil an. Bukows Familienverhältnisse sind geklärt, aber längst nicht zufriedenstellend gelöst, auch Königs Karriere-Abbieger Richtung LKA sorgt nach wie vor für Häme und Misstrauen.

Wie so oft ist es der Fall selbst, der für Tunnelblick und radikalste Ansätze bei den beiden sorgt. Und auch wenn die Storylines von Moore und Wangard mit Bruce Springsteen und Bob Dylan, Bukows Jungfernschaft und Autohehlerei, Königs Klamotten und ihrem kapriziösen Verhältnis zu Recht und Unrecht – Hallo, Themenwoche! – Richtung Überfrachtung zu kippen drohen, bleibt es dabei: In Rostock geht es stets unterhaltsamer, expliziter, radikaler – und auch liebenswerter zu – als andernorts am Sonntagabend. Einschalten!


Quelle: n-tv.de

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