Kovacs Zweckoptimismus vor dem Topspiel

Betont gelassen geht Bayerns Trainer Kovac das womöglich auch für ihn schon vorentscheidende Spiel bei Tabellenführer Dortmund an. Wie es um seinen Rückhalt im Klub wirklich bestellt ist, dürfte sich vor allem im Falle einer herben Niederlage zeigen.

Niko Kovac am 22.10.2018 in Athen
Niko Kovac

Quelle: ap

Niko Kovac schaute überrascht, als er mit den jüngsten und vermeintlich kleinlauten Aussagen von Uli Hoeneß konfrontiert wurde, wonach der FC Bayern nicht untergehen werde, falls der Meistertitel verpasst werden sollte.

“Hat er das gesagt?”, fragte der Trainer die Medienvertreter am Freitag erstaunt und entschloss sich danach, die nicht zum Selbstverständnis des Vereins passenden Zitate des Präsidenten als Rückendeckung umzudeuten. “Das zeigt, was ich gesagt habe: Dass ich das absolute Vertrauen des Klubs spüre”, befand Kovac.

Er weiß aber natürlich, dass auch seine Vorgesetzten nicht erfreut sind, wie die Mannschaft in den vergangenen anderthalb Monaten aufgetreten ist, trotz der zuletzt überwiegend gewonnenen Spiele.

Wie es um die Befindlichkeiten der Vereinsführung und um den Rückhalt für Kovac wirklich bestellt ist, wird sich womöglich nach dem Topspiel der Bundesliga an diesem Samstag zwischen Tabellenführer Borussia Dortmund und dem FC Bayern zeigen – vor allem im Falle einer herben Niederlage, die den Münchner Plan ins Wanken bringen könnte, vorerst weiter auf Kovac zu setzen.

Der Trainer weiß zwar: “Es geht für uns um doch sehr viel.” Aber er behauptet zugleich: “Mir geht’s gut.” Und: “Ich verspüre keinen Druck.” Man wolle das Spiel in Dortmund vor allem “genießen” und möglichst “gewinnen, dafür muss jeder alles geben”. Allen wenig verheißungsvollen Vorzeichen zum Trotz, zumal Arjen Robben wegen seiner Kniebeschwerden ausfällt.

Und falls es erstmals seit dem 19. November 2016 eine Liganiederlage gegen den BVB setzen sollte? Damit beschäftige er sich nicht, weil er positiv denke, sagte Kovac, aber er weiß auch: “Sieben Punkte Rückstand wären viel, ein Punkt wäre wenig.” Das dritte Szenario wäre bei einem Remis der Bestand des aktuellen Rückstands von vier Zählern auf Lucien Favres Mannschaft, die Kovac wie Hoeneß als Favorit bezeichnet. Dem Präsidenten widersprechen? “Niemals”, sagte Kovac und lächelte.

So betont gelassen sich der 47 Jahre alte Kroate gibt, so wenig kann ihm die derzeitige Situation behagen. Als sich der FC Bayern und Borussia Dortmund zuletzt am 31. März in der Bundesliga gegenüberstanden, wurde der BVB mit einer 6:0-Packung nach Hause geschickt.

Seit Kovac das Traineramt von Jupp Heynckes im Sommer übernommen hat, gab es nur einen bayerischen Kantersieg, das 5:0 im ersten Pflichtspiel im Supercup bei Eintracht Frankfurt. Es folgten sechs Siege, dann vier sieglose Spiele, danach fünf Arbeitssiege und zwischendurch das ernüchternde 1:1 gegen Freiburg vor einer Woche.

Vor allem aber folgte dem guten Start viel Unzufriedenheit in der Belegschaft, garniert von durchgesteckten Interna über den wiederholt renitenten James Rodríguez und einem Beitrag von Thomas Müllers Frau Lisa, die Kovac bei Instagram diskreditierte.

Zwei Maulwürfe vermutet Kovac derweil in seiner Mannschaft, wenngleich er diese Aussage als Versprecher abtat. Sicher ist nur, dass schon deutlich mehr Spieler ihren Unmut über die Spielweise zum Ausdruck brachten, immerhin öffentlich und nicht anonym hintenrum.

Selbst loyale Kräfte wie Kapitän Manuel Neuer bezeichneten die zuletzt stets dürftigen Darbietungen samt des knappen 2:1-Pokalsieges beim Viertligisten SV Rödinghausen als “nicht Bayern-like”.

Nach dem 2:0 gegen Athen am Mittwoch in der Champions League sagte Neuer, es sei “auf jeden Fall eine schwierige Zeit”. Andere maßgebliche Stimmen, wie die Defensivspieler Joshua Kimmich und Mats Hummels, beklagten öffentlich mehrfach die Ideenarmut.

“Es ist nicht so, dass wir so viele Chancen versemmelt haben. Wir hatten einfach keine. Wir müssen uns schon Gedanken machen, wie wir Chancen kreieren können”, sagte Kimmich beispielsweise nach der 0:3-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach. Hummels ergänzte: “Wir sind mit zu vielen Spielern in den ungefährlichen Räumen. Das heißt, wir haben zu wenige Leute da, wo es dem Gegner weh tut.”

Ein bisschen wirkt es dabei aber auch, dass Kovac zumindest von Teilen seiner Mannschaft im Stich gelassen wird. In Dortmund sollte sich dieser Eindruck wohl besser nicht wiederholen. Denn Meister werden möchte Kovac trotz allen Understatements durchaus. Grundvoraussetzung dafür wäre, dass er bis zum letzten Ligaspieltag am 18. Mai 2019 im Amt bleibt. Sicher, das weiß auch Kovac, ist das nicht.

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