Böse Bescherung: Chemiekonzern Bayer: 650 Stellen in Wedding gestrichen

Berlin –

Für die Beschäftigten der Bayer AG in Berlin ist die Vorweihnachtszeit alles andere als besinnlich. „Die Belegschaft ist komplett geschockt“, sagt Betriebsratschef Robert Gundlach. Denn nachdem der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern erst vor gut einer Woche die Streichung von weltweit 12.000 Stellen angekündigt hatte, wurden jetzt auch die Auswirkungen eines bereits im Sommer angekündigten Umbaus der Konzern-Forschung bekannt.

„Super Bowl“ heißt das Programm, hinter dem viele Mitarbeiter schon lange einen Super-Gau vermuten. Jetzt ist es offenbar konkret: 650 Stellen sollen in Berlin wegfallen. Diese Zahl hatte der Leiter Forschung und Entwicklung des in Berlin angesiedelten Pharma-Bereichs des Konzerns am Donnerstag in einer Videokonferenz genannt. 

Von Unternehmensseite wollte das am Freitag jedoch niemand offiziell bestätigen. Laut Unternehmenssprecher Oliver Renner sei tatsächlich zwar geplant, weltweit 900 Stellen im Bereich Forschung zu streichen. „Eine konkrete Zahl für Berlin gibt es aber nicht“, sagte er dem Berliner Kurier.

Jede dritte Stelle im Forschungsbereich wäre betroffen

Dort, an der Müller Straße in Wedding, von wo aus die gesamte Pharma-Division des Leverkusener Konzerns geführt wird und wo rund 5200 Menschen arbeiten, ist man dennoch alarmiert und beunruhigt. „Berlin ist von den Streichungen massiv betroffen“, sagt Betriebsratschef Robert Gundlach.

Aber darüber werde noch zu verhandeln sein. Er will für die Kollegen rausholen, was rauszuholen ist. Schließlich seien laut interner Zukunftsvereinbarung betriebsbedingte Kündigungen bis 2025 ausgeschlossen.

Kommt es tatsächlich zu Stellenstreichungen in genanntem Umfang, wäre etwa jede dritte Stelle im Bereich Forschung und Entwicklung in Berlin betroffen. Im Gegenzug will Bayer offenbar vermehrt Forschungsaufträge nach außen vergeben, was intern für das Unternehmen äußerst risikoreich betrachtet wird. 

Börsenwert schrumpft um 50 Milliarden Euro

Wenngleich man sich bei Bayer bemüht, Bezüge des Sparprogramms zur 63 Milliarden teuren Übernahme des US-Unternehmens und Glyphosat-Herstellers Monsanto zu vermeiden, so sind diese doch offensichtlich.

Denn der Deal kostet mehr als den Kaufpreis. Immerhin sind in den USA noch über 8000 Glyphosat-Klagen anhängig, die Anleger beunruhigen. So kostet eine Bayer-Aktie heute nur noch halb so viel wie im Juni vergangenen Jahres. Der Börsenwert schrumpfte um 50 Milliarden Euro.

Vor diesem Hintergrund sorgt man sich auch in Berlin, dass die Pharmasparte wegen der Monsanto-Übernahme zu kurz kommen könnte. Zumal in dieser Bayer-Division gerade von der Forschung viel erwartet wird.

Berliner Standort sei nicht gefährdet

Zwar hat der Konzern im Pharma-Bereich einige Kassenschlager im Programm, doch fehlte laut Expertenmeinung ausreichend Nachschub, um die Umsätze oben halten, wenn für die Bestseller die Patente ablaufen.

Unternehmenssprecher Oliver Renner versucht es indes mit Zuversicht. Der Berliner Standort von Bayer sei in keiner Weise gefährdet. „Das gilt auch für den Forschungsstandort.“