Jetzt löst Schuhen Lomb im Tor ab

Von Wolfgang Brück

Sandhausen. Marcel Schuhen reckte das Kinn, die Augen blitzten. “Schauen Sie mich an, wenn Sie mit mir reden”, blaffte der Torwart nach seinem allerersten Zweitliga-Spiel für den SV Sandhausen im Sommer vor einem Jahr in Kiel. Es ist das Selbstbewusstsein, ob echt oder aufgesetzt, das sie am 25-jährigen Westerwälder schätzen.

Aber auch dies kennzeichnet den Torwart. Als er vor einem Jahr nach mehreren Fehlgriffen in die Schusslinie geraten war, blieb der erwartete Gegenangriff aus. “Ich mag Kritik, denn sie bringt mich weiter”, erklärte, souverän und sympathisch, der Schlussmann.

Am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) beim Auswärtsspiel des SV Sandhausen in Bielefeld steht Marcel Schuhen im Tor. Wie schon am letzten Sonntag, als er bei der 1:2-Heimniederlage gegen den 1. FC Heidenheim beim Ausgleichstreffer nicht gut aussah. Doch Trainer Uwe Koschinat hat beschlossen, das Wechselspiel zu beenden. Vorerst. Bis zur Winterpause ist Schuhen die Nummer eins.

Das war er auch zu Saisonbeginn, doch zwei Blackouts beim 0:3 gegen den Hamburger SV kosteten ihn den Stammplatz. In den darauf folgenden 14 Spielen stand Niklas Lomb im Tor. Ein netter Mensch. Ruhig, sachlich, nicht extrovertiert wie sein Rivale. Viel falsch machte der ebenfalls 25-Jährige nicht, groß auszeichnen konnte er sich aber auch nicht. In einer Mannschaft, in der eher zu viel als zu wenig Harmonie herrscht, entschied sich Uwe Koschinat für den mit der größeren Klappe.

Wer auf die Idee kommt, das Wechselspiel würde auf ein Torwart-Problem hinweisen, erntet Widerspruch. “Von einem Torwart-Problem kann keine Rede sein”, sagt Koschinat, “im Gegenteil, wir haben mit Marcel Schuhen, Niklas Lomb und Rick Wulle drei starke Torleute.”

Das ist gut, obgleich eine klare Nummer eins – wie zum Beispiel in Bielefeld mit Stefan Ortega – häufig besser ist. Auf Kontinuität setzt man beim kommenden Gegner auch in der Trainerfrage. Zumindest bislang. Trotz acht siegloser Ligaspiele, darunter vier Heim-Niederlagen in Folge, und dem Absturz bis auf den fünft letzten Platz , widerstanden die Ostwestfalen dem Reflex, dem Beispiel von Hamburg, Dresden, Duisburg, Ingolstadt, Magdeburg und Sandhausen zu folgen und sich vom Trainer zu trennen.

Jeff Saibene hat Kredit. Er bewahrte die Arminia bei seinem Feuerwehr-Einsatz in der Saison 16/17 vor dem Abstieg und wurde letzte Saison Vierter. Der 50-jährige Luxemburger ist ein ausgesprochen sympathischer Mann und sehr beliebt bei den Fans. Das Plakat in der Fankurve “Jeff bleibt Chef” soll ihn zu Tränen gerührt haben.

Zum Heulen ist auch die Bilanz des SV Sandhausen in Bielefeld. Einem Sieg und zwei Unentschieden stehen drei Niederlagen gegenüber. Der einzige dreifache Punktgewinn liegt fast sieben Jahre zurück. Am 4. Februar 2012 gewannen die Kurpfälzer, damals noch in der Dritten Liga, mit 3:1. Danny Blum, Julian Schauerte und Marco Pischhorn, die mittlerweile bei DU Las Palmas, dem AS Eupen und dem Sport- und Gesangverein Freiberg ihr Geld verdienen, erzielten die Tore.

Apropos Geld, Der SV Sandhausen zählt zu den Vereinen, die von der WM-Teilnahme eines ihrer Spieler profitieren. Der Weltverband überweist insgesamt 19 Millionen Euro. Davon gehen für den Isländer Rurik Gislason 118.860 Dollar an den Zweitligisten.

Das ist die gute Nachricht, es gibt auch eine schlechte, was den 30-jährigen Angreifer betrifft. Seine Oberschenkel-Zerrung lässt einen Einsatz am Sonntag nicht zu. Ob er in den restlichen Spielen gegen Regensburg und Fürth dabei ist, konnte Uwe Koschinat am Freitag noch nicht abschätzen.