Raus aus der Komfortzone

Wenn sich jemand bei Eintracht Frankfurt der Folgen der beeindruckenden Auftritte dieser Saison nicht bewusst sein sollte, dem sei geraten, diese Worte genau zu studieren: Die Hessen seien „der Riesenfavorit“, dazu natürlich auch „die Überraschungsmannschaft der Saison“. Gesagt hat das der kommende Gegner, genauer der gegnerische Trainer Pal Dardai. Der ansonsten immer so ein bisschen knorrige Fußballlehrer von Hertha BSC geriet vor der heutigen Partie (18.30 Uhr) im Berliner Olympiastadion geradezu ins Schwärmen, als er über die Gäste aus Frankfurt sprach. Noch ein Beispiel gefällig? Bitte schön. „Die Eintracht spielt eine starke Saison und hat vorne richtig gute Spieler, da müssen wir 90 Minuten lang aufpassen.“ 

Eintracht Frankfurt, das ist klar, hat sich Respekt bei der Konkurrenz erspielt, der Tabellenfünfte der Fußball-Bundesliga wird bei der Rückkehr an den Ort seines Pokaltriumphs sicher nicht unterschätzt – vor allem nicht nach der wortgewaltigen Lobhudelei des Berliner Trainers. Wenngleich sie natürlich nicht unberechtigt war. 

Denn das Team von Trainer Adi Hütter spielt eine außerordentlich gute Runde, eine Überraschungsmannschaft ist die Eintracht nach ihrem schwachen Start und der starken Reaktion ohnehin. „Die Erwartungshaltung hat sich verschoben. Ich spüre, dass wir wahrgenommen und respektiert werden“, sagte Hütter gestern bei der Pressekonferenz kurz vor der Abreise nach Berlin und fügte noch schnell an: „Damit fühlen wir uns ziemlich wohl.“

Während die Berliner ihre erste Formdelle der Saison gerade überwunden haben – auf ein 3:3 gegen Hoffenheim folgte zuletzt der souveräne 2:0-Erfolg in Hannover –, kassierte die Eintracht im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (1:2) die erste Niederlage seit dem 26. September. Ein Dämpfer, der sich, geht es nach Trainer Hütter, in der Hauptstadt nicht wiederholen soll: „Die Mannschaft hat in der Trainingswoche einen guten Eindruck hinterlassen. Ich habe nicht gesehen, dass sie verunsichert ist. Die Mannschaft ist stabil.“ 

Klare Worte, die nicht nur den 3200 nach Berlin mitreisenden Eintracht-Anhängern Hoffnung machen dürften, sondern natürlich auch dem Trainer selbst. Gegen Wolfsburg habe es vor allem an der nötigen taktischen Disziplin gehapert, so Hütter, der die zu großen Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen monierte. „Da haben wir in dieser Woche den Hebel angesetzt.“ 

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