YB zieht in Nachspielzeit Kopf aus der Schlinge

Beinahe stellt Thun seinem grossen Bruder im Spitzenkampf ein Bein. YB behält aber die Nerven und entscheidet das Derby in der Nachspielzeit – dank Guillaume Hoarau. Der Abstand zu Verfolger Thun wächst auf 21 Punkte an.

Das Spiel: Wieder dreht YB in der Schlussphase eine Partie. Guillaume Hoarau steht in der 92. Minute am richtigen Ort, köpfelt den Meister zum Sieg. Dabei siehts über längere Phasen nach einem Überraschungssieg der Oberländer aus. So zum Beispiel nach dem wunderschönen Führungstreffer von Spielmann vor der Pause. Oder nach dem eher glücklichen Führungstreffer von Bigler in der 69. Minute. Insgesamt verdient sich YB den Sieg aber durch mehr Spielanteile und mehr Chancen. Auch wenn dieser durch das Eigentor von Thun und den entscheidenden Treffer in den letzten Sekunden keinesfalls souverän ausfällt.

Die Tore:
39., 0:1, Marvin Spielmann:
Der Torschütze verschafft sich Raum, indem er Aebischer vernascht. Dann schlenzt er ihn von ausserhalb des Strafraums wunderschön ins Netz. Spielmanns 7. Saisontor ist ein Kunstschuss!

56., 1:1, Miralem Sulejmani: Nach einem überragenden Zuspiel von Aebischer steht der Serbe plötzlich alleine vor dem Tor und schiebt locker zum Ausgleich ein. Doch: War das nicht Abseits? Eine knifflige Entscheidung. Obwohl Thuns Rodrigues fernab von Sulejmani zu langsam reagiert, hätte das Spiel eher abgepfiffen werden müssen.

69., 1:2, Kevin Bigler: Was für eine Geschichte! Bigler kommt nach sechs Spielen ohne Einsatz wieder einmal zum Zug, wird in der 57. Minute für Fatkic eingewechselt. Gut zehn Minuten später zieht er einfach mal ab – YB-Camara lenkt den Ball unhaltbar ins eigene Tor ab. Es ist Biglers erstes Super-League-Tor in seinem 58. Spiel.

84., 2:2, Eigentor Rodrigues: Ein Geschenk für den Meister kurz vor der YB-Viertelstunde: Nach einer Sanogo-Flanke springt der Ball von Miguel Rodrigues’ Schienbein in den eigenen Kasten.

92., 3:2, Guillaume Hoarau: Der Star kommt als Joker in die Partie. Doch auch so wird er zum entscheidenden Mann: In der zweitletzten Nachspiel-Minute verwertet «Air France» einen Sulejmani-Freistoss. Natürlich per Kopf.

Das gab zu reden: Fünf gelbe Karten innert 15 Minuten, zwischen Minute 9 und 24. Da war Ref Jaccottet kurzzeitig vom Gelbfieber infiziert worden. Immerhin: Er hatte das Spiel danach im Griff. Und Gelbrot musste er dennoch nie zücken.

Das Startelf-Debüt: Anstelle des gesperrten Nati-Spielers Kevin Mbabu stellt YB-Trainer Seoane Youngster Léo Seydoux als Rechtsverteidiger auf. Der 20-Jährige spielt nach zuvor 9 Einzsatz-Minuten zum ersten Mal in der Super-League-Startelf.

Der Beste: Miralem Sulejmani strotzt nur so vor Spielfreude, obwohl er in Stefan Glarner einen exzellenten Gegenspieler hat. Bucht das 1:1 und schlägt in der Nachspielzeit die entscheidende Flanke auf Hoarau.

Der Schlechteste: Also, wenn er den so gewollt hätte – es wäre ihm wohl nicht gelungen. Technisch perfekt schlenzt Miguel Rodrigues Sanogos Flankenball zum 2:2 ins eigene Netz.

So gehts weiter: Cristiano Ronaldo kommt ins Stade de Suisse! Auf YB wartet zum Champions-League-Abschluss am Mittwoch (21 Uhr) mit Juventus Turin ein Leckerbissen. Die letzte Runde in der Super League vor der Winterpause findet dann nächstes Wochenende statt: YB spielt am Sonntag in Neuenburg (16 Uhr), Thun empfängt am Samstag GC (19 Uhr).

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YB – Thun 3:2 (0:1)

Stade de Suisse
27’314 Fans

SR: Jaccottet

Die Tore: 39. Spielmann (Karlen) 0:1, 56. Sulejmani (Aebischer) 1:1, 69. Bigler (Sorgic) 1:2, 84. Rodrigues (Eigentor, Sanogo) 2:2, 92. Hoarau (Sulejmani) 3:2.

YB: Von Ballmoos; Seydoux, Lauper, Camara, Benito; Fassnacht, Aebischer, Sanogo, Sulejmani; Assalé, Nsame.

Thun: Faivre; Glarner, Gelmi, Rodrigues; Hediger; Tosetti, Fatkic, Karlen, Joss; Spielmann, Sorgic.

Einwechslungen: YB: Hoarau (70. für Nsame), Ngamaleu (73. für Assalé), Bertone (79. für Aebischer). Thun: Bigler (57. für Fatkic), Facchinetti (71. für Joss), Salanovic (77. für Spielmann).

Bemerkungen: YB ohne Wüthrich, Lotomba, Sow, Von Bergen (verletzt), Mbabu (gesperrt). Thun ohne Costanzo, Righetti, Hunziker (verletzt), Stillhart, Sutter (gesperrt), Ruberto (krank).

Gelb: 9. Hediger. 19. Lauper. 20. Tosetti. 23. Spielmann (alle Foul). 24. Sulejmani (Schwalbe). 67. Karlen (Foul).