Boca gegen River Das größte Hass-Duell des Fußballs

Bams

Titel, Tore, Tritte – und Tote.

Kein Spiel auf der Welt löst solche Leidenschaft aus wie die Begegnung zwischen River Plate und Boca Juniors, den beiden Klubs aus der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Aber kein Derby versinkt so oft in Gewalt und Chaos wie der „Superclásico“.

Aktuell stehen sich die beiden Mannschaften im Finale der Copa Libertadores gegenüber – zum ersten Mal in der Geschichte der südamerikanischen Champions League. Das Hinspiel am 11. November im Boca-Stadion endete 2:2.

Das Rückspiel, geplant für den 24. November, wurde nach dem gewalttätigen Angriff von River-Fans auf den Boca-Mannschaftsbus erst verschoben, dann zwischenzeitlich abgesagt und schließlich verlegt. Auf einen anderen Kontinent!

Heute (20.30 Uhr, DAZN live) wird es nachgeholt – in Madrid, knapp 10 000 Kilometer von Buenos Aires entfernt.

Beide Vereine durften je 5000 Tickets an die eigenen Fans verkaufen, rund 3000 Eintrittskarten wurden zurückgegeben. Trotzdem riskiert die Polizei in Spanien nichts – 5000 Sicherheitskräfte werden rund um das Spiel im Einsatz sein. Aus Argentinien kommen 20 szenekundige Beamte dazu.

Sorgen machen vor allem die Barras Bravas, die Ultras-Vereinigungen der beiden Klubs. Viele ihrer Mitglieder sind gewaltbereit, haben Kontakte zur organisierten Kriminalität. Sie handeln mit Drogen, Waffen – und Tickets.

Als sich der BamS-Reporter im September für eine Eintrittskarte für den Superclásico interessierte, wurde ihm in Buenos Aires ein Ticket angeboten: für 500 Euro, Begleitschutz ins Stadion inklusive.

Kurz vor der Attacke auf den Boca-Mannschaftsbus beschlagnahmte die Polizei bei Héctor „Caverna“ Godoy, einem der Anführer der River-Ultras, 300 nicht übertragbare Karten für das Finale und umgerechnet mehr als 200 000 Euro Bargeld. Zum Spiel nach Madrid darf er trotzdem reisen.

Beide Vereine stammen aus demselben Stadtteil, wurden im Hafenviertel Boca gegründet. Schon in den 20er-Jahren zog River allerdings in einen reicheren Bezirk. Der Konflikt zwischen den „Bosteros“ („Müllsammler“) und den „Millionarios“ („Millionäre“) war geboren.

★ 1968 starben beim Spiel gegen Boca mindestens 74 Menschen bei einer Massenpanik im Stadion von River Plate. Die Schuldfrage wurde nie abschließend geklärt.

★ 1994 verlor Boca das Duell 0:2. Kurz darauf wurden zwei River-Fans in Buenos Aires erschossen aufgefunden. Lapidarer Kommentar eines Boca-Fans im Fernsehen: „Empatamos“ („Wir haben ausgeglichen“).

★ Miguel Barrita (Spitzname: „Der Großvater“) leitete in den 90ern die Boca-Ultras „La 12“ („Der zwölfte Mann“), organisierte Überfälle auf Fankneipen von River. Barrita soll auch für die Ermordung zweier River-Fans 1996 verantwortlich gewesen sein.

★ 2007 starb ein 14-jähriger Fan bei Auseinandersetzungen. Daraufhin schlossen die Hooligans beider Seiten den „Frieden in den Stadien“.

Heute ist davon nicht mehr viel übrig. Viele in Buenos Aires befürchten, dass der brüchige Frieden nur noch bis heute Abend hält – und dass nach Abpfiff des Spiels in den Straßen der argentinischen Hauptstadt endgültig wieder der Fan-Krieg tobt.