Der Druck des US-Schieferöls auf die Opec zeigt seine Wirkung

Es ist eine schwere Geburt gewesen. Nachdem am Donnerstag die Gespräche unter den Mitgliedern der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ergebnislos geendet hatten, kam es am Freitag in Wien doch noch zu einer Einigung zwischen der Opec und anderen Petro-Staaten, die von Russland angeführt werden. Die Erdölminister der verschiedenen Länder einigten sich auf eine gemeinsame Drosselung der Förderung um 1,2 Mio. Fass Rohöl pro Tag. Die Produktionskürzung soll im neuen Jahr beginnen und zunächst für sechs Monate gelten.

Die Ankündigung liess den Preis für die Nordsee-Erdölsorte Brent um mehr als 5% auf knapp 63 $ pro Fass steigen. In den zwei Monaten zuvor war die Erdölnotiz um rund 30% von mehr als 85 $ auf weniger als 60 $ gefallen. Die Petro-Staaten möchten mit der Drosselung einen neuerlichen Preisanstieg erwirken. Im Vorfeld hatte es geheissen, dass die Fördermenge um mindestens 1,3 Mio. bis 1,5 Mio. Fass Erdöl je Tag gekürzt werden müsse, um Angebot und Nachfrage wieder in Einklang zu bringen.

In den vergangenen Tagen gab der saudische Erdölminister Khalid al-Falih jedoch zu verstehen, dass die Förderung wohl nur um 1 Mio. Fass gedrosselt werde – wenn überhaupt. Weil das Ergebnis des Opec-Treffens jetzt über diesen Erwartungen lag, zog der Erdölpreis zunächst kräftig an. Denn die Forderung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, die Erdölhähne offen zu lassen, wurde nicht erhört.

Die Staaten vereinbarten, dass die Opec-Mitglieder ihre Fördermenge um insgesamt 0,8 Mio. Fass kürzen, die übrigen Petro-Staaten übernehmen den Rest. Als Grundlage wird die Produktionsmenge im Oktober genommen. Die Opec-Mitglieder Iran, Venezuela und Libyen dürften Ausnahmeregelungen erhalten haben. Besonders um die Rolle Irans, das unter Sanktionen der USA steht, wurde gestritten. Saudiarabien, der Rädelsführer in der Opec, wollte dem regionalen Konkurrenten Iran offenbar keine Ausnahme zugestehen. Erst unter Vermittlung von Moskau kam es nach langwierigen Verhandlungen zu einer Einigung.

Saudiarabien versuchte diesmal, nicht allzu dominant aufzutreten. Das Dilemma von Riad bestand darin, dass es wegen des gefallenen Erdölpreises unter wirtschaftlichem Druck steht. Gleichzeitig möchten die Saudi Präsident Trump nicht verprellen, der einen niedrigen Erdölpreis gefordert hat. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman ist Trump zudem zu Dank verpflichtet, weil der US-Präsident an seinem Verbündeten festhielt, trotz der mutmasslichen Verstrickung des Kronprinzen in den Mord am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi. Die Verhandlungen dürften auch länger gedauert haben, weil Saudiarabien die anderen Petro-Staaten überzeugen musste, einen grossen Teil der Last zu übernehmen.