Guardiolas Trotz-Analyse: "Wir ärgern uns über manche Siege mehr"

08.12.2018, 23:48





Erste Niederlage, Platz eins verloren – doch nach dem 0:2 bei Chelsea lobt Pep Guardiola seine Mannschaft für eine “herausragende” Leistung. War das Trotz oder die Wahrheit?

Pep Guardiola nach dem Schlusspfiff an der Stamford Bridge

Die Anmerkung überraschte Pep Guardiola so sehr, dass er sie erst einmal als Gegenfrage wiederholen musste. “Ein schlechter Tag? Wenn Sie das glauben, haben Sie das Spiel nicht gesehen”, entgegnete der Katalane, als ihn ein BBC-Reporter am Samstagabend an der Stamford Bridge fragte, ob es Chelseas Klasse war, derentwegen Manchester City mit 0:2 verloren hatte – oder eben ein eigener schlechter Tag.

Schlecht fand Guardiola an der Leistung seiner Mannschaft so viel, wie er von vors Tor geschlagenen Ecken hält: nichts. “Wir waren insgesamt fantastisch”, bilanzierte er ganz undiplomatisch nach der ersten Premier-League-Niederlage seit April, dem Beleg, dass sein Team auch national nicht unbesiegbar ist. “Ich bereue gar nichts. Wir ärgern uns über manche Siege mehr.”

“Wir haben bis zur letzten Minute alles richtig gemacht”

Vor allem die erste Hälfte fand der Meistertrainer “unglaublich, herausragend”, eigentlich sogar das ganze Spiel “abgesehen von fünf bis acht Minuten” – was nur sein Abwehrchef noch steigerte: “Wir haben bis zur letzten Minute alles richtig gemacht”, erklärte John Stones. War das Trotz oder doch die Wahrheit?

Beeindruckend war in der Tat, wie selbstverständlich ManCity Chelsea auch ohne Kevin De Bruyne und Sergio Aguero sein Spiel aufdrückte, obwohl Trainerkollege Maurizio Sarri wie Guardiola den Ballbesitzfußball liebt; wie wenig seine Mannschaft dabei zuließ; wie mechanisch und geduldig sie sich an den Matchplan hielt. Und trotzdem wurde sie erstmals in dieser Saison geknackt, und das war durchaus verdient.

Der 106-Tore-Meister bleibt im 23. Pflichtspiel zum zweiten Mal torlos

Weil sich Chelsea – überraschend mit Eden Hazard im Sturmzentrum – fast keine gefährlichen Fehler im eigenen Ballbesitz leistete und die Außenbahnen abdichtete, konnte ManCity kaum einmal mit Tempo auf die Abwehrkette zustürmen oder hinter sie gelangen. Die erste Großchance nach der Pause hatte Guardiolas Elf in der Nachspielzeit – und das war dann vielleicht doch zu wenig, um die Leistung “insgesamt fantastisch” zu nennen. Der Pragmatismus, mit dem Chelsea verteidigte und vorne traf, fehlte City an diesem Abend.

“Das war eine gute Lektion”, wusste immerhin auch Guardiola, “das war Champions-League-Niveau: Sie hatten eine Chance und haben ein Tor geschossen.” Und während Chelsea danach auch noch seine erste Ecke kühl zum 2:0 nutzte, entfachten Citys 13 keine Torgefahr. Im 23. Pflichtspiel der Saison blieb der amtierende 100-Punkte- und 106-Tore-Meister zum zweiten Mal ohne Treffer, auch damals passierte es auswärts bei einem nationalen Titelkonkurrenten: dem FC Liverpool (0:0), der jetzt in der Tabelle vorbeigezogen ist.

“Die Leute haben gesagt, wir seien unbesiegbar, perfekt und würden schon im Februar Meister werden”, sagte Guardiola noch. “Aber ich habe das nie gesagt.”

jpe