Halbes Happy-End

Halbes Happy-End

Alter Jongleur: Immerhin Trainer Julian Nagelsmann machte eine gute Figur, der Rest der Hoffenheimer tat sich dagegen schwer beim VfL.

(Foto: Peter Steffen/dpa)

Das 2:2 in Wolfsburg bietet das nächste Spektakel in einer Partie mit der Beteiligung von Hoffenheim und dem Video-Beweis. Diesmal profitiert das Team von Julian Nagelsmann –
und bleibt zum siebten Mal in Serie ungeschlagen.

Die TSG Hoffenheim und der Videobeweis – das ist in dieser Saison ein Dauerthema. Am Samstag verhalf die so kontrovers diskutierte Technik dem Champions-League-Teilnehmer zu einem 2:2 (1:2) beim VfL Wolfsburg. Wäre es nach dem Schieds- und Linienrichter im Stadion gegangen, hätte der Ausgleichstreffer von Andrej Kramaric in der 71. Minute nicht gezählt. Beide entschieden zunächst auf Abseits, ehe sie per Funk einen Hinweis von ihrem Assistenten am Bildschirm erhielten: Alles in Ordnung, das Tor war korrekt. “Dafür haben wir die Männer in Köln”, sagte TSG-Trainer Julian Nagelsmann. “Die Schiedsrichter haben heute einen guten Job gemacht.”

Das war bei den Spielen der Hoffenheimer bekanntlich nicht immer so. Schon am ersten Spieltag verloren sie dank eines hochumstrittenen Elfmeters mit 1:3 beim FC Bayern München. Damals griff der Videoassistent zu Nagelsmanns Empörung nicht ein. Zuletzt beim 1:1 gegen Schalke 04 wurde es dann vor einer Woche besonders kontrovers: Ein Strafstoß für Schalke wurde zurückgenommen, ein möglicher für Hoffenheim nicht überprüft.

Den Punktgewinn in Wolfsburg allein dem Videobeweis zuzuschreiben, würde dem Auftritt der TSG allerdings nicht gerecht werden. Schon in der vierten Minute gingen die Gäste durch einen schönen Volleyschuss von Ishak Belfodil in Führung. Und als die “Wölfe” dieses Spiel innerhalb von nur zwei Minuten zu drehen drohten – zunächst wuchtete der Hoffenheimer Ermin Bicakcic den Ball per Kopf ins eigene Netz (29.), dann fälschte der unglückliche Verteidiger einen Schuss Daniel Ginczek (31.) per Hinterkopf entscheidend ab -, ging Nagelsmann mit seinen Einwechselungen ein hohes Risiko ein: Fünf Hoffenheimer Stürmer standen zum Zeitpunkt von Kramaric’ Ausgleich auf dem Platz. “Viel offensiver ging es nicht mehr”, sagte der Trainer. “Am Ende bin ich zufrieden, die Mentalität hat gestimmt.”

Zwei Langzeitverletzte kehren zurück

In der Fußball-Bundesliga ist seine Mannschaft nun schon seit sieben Spielen ungeschlagen. (Die vergangenen drei endeten nach Führung unentschieden.) In der Champions League hat sie am Mittwochabend im schweren Auswärtsspiel bei Manchester City zumindest eine theoretische Chance, noch Gruppendritter zu werden und sich für die K.o.-Phase der Europa League zu qualifizieren. Dass Kerem Demirbay in Wolfsburg einen Schlag auf den Oberschenkel bekam und schon in der ersten Halbzeit ausgewechselt werden musste, spielt vor dem Duell mit dem Team von Pep Guardiola keine Rolle. Denn der Confed-Cup-Sieger ist am Mittwochabend gesperrt.

Das Spiel in Wolfsburg war auch ein Tag der Comebacks. Hoffenheims Verteidiger Benjamin Hübner bestritt am Samstag sein erstes Spiel in dieser Saison. Der 29-Jährige hatte im Sommer eine Gehirnerschütterung erlitt und danach lange mit den Folgen zu kämpfen. “Für mich persönlich ist das heute positiv”, sagte er. “Aber für uns als Mannschaft war hier am Schluss ein Sieg drin.” Die Wolfsburger wurden zum ersten Mal seit mehr als drei Monaten wieder von ihrem Kapitän Joshua Guilavogui aufs Spielfeld geführt. Der Franzose hatte sich am ersten Spieltag beim 2:1-Sieg gegen Schalke 04 das Kreuzband im Knie gerissen. “Nach dem Spiel gegen Hannover (1:2) hätte keiner gedacht, dass wir sieben Punkte gegen drei Mannschaften aus der Champions League und der Europa League holen würden”, sagte er. “Heute haben wir wieder nicht verloren.” Er klang fast traurig, als er hinzu fügte: “Wir müssen akzeptieren, dass ein Punkt schon in Ordnung ist.”