Qualcomms Offensive für 2019: Abteilung Attacke

Auf dem Snapdragon Tech Summit 2018 hat Qualcomm drei Tage einzig und allein seinen Snapdragon-Chips gewidmet und den über 300 anwesenden Journalisten eine ganze Menge Neuheiten und Bestmarken präsentiert. Bei Smartphones der Luxusliga dürfte im kommenden Jahr kaum ein Weg am neuen Snapdragon vorbei führen. Und Qualcomm hat ja noch mehr zu bieten, eigene Chips für Smartwatches und Laptops, schnelle Modems, Technologie für Autos und vieles mehr. Für 2019 ist der US-Konzern ziemlich gut aufgestellt.

Und die anderen? Bei Smartphones sind das vor allem Huawei und Samsung, andere Chipfabrikanten spielen auf dem Markt keine Rolle mehr. Die beiden Firmen sind technisch ähnlich gut aufgestellt wie Qualcomm und haben ähnlich leistungsfähige Chips zu bieten – die sie aber nur selber nutzen. Es gibt keine anderen Hersteller, die ein Smartphone mit Kirin- oder Exynos-Prozessor herstellen. Samsung setzt in einigen Märkten wie den USA zudem ohnehin auf Snapdragon-Prozessoren. Auch wenn Samsung und Huawei die beiden größten Fische im Teich der Android-Hersteller sind: Qualcomm hat die Herstellervielfalt auf seiner Seite.

Bei Huawei kommen noch die Schwierigkeiten hinzu, die das lange Zeit unaufhaltsam scheinende Unternehmen in ernste Gefahr bringen können. In den USA spielt Huawei nicht nur bei Smartphones keine Rolle, die US-Regierung arbeitet sogar aktiv daran mit, die Netztechnologie auch bei anderen Staaten auf die schwarze Liste setzen zu lassen. Gerade erst wurde Huaweis Finanzchefin Meng Wanzhou, die Tochter des Firmengründers Ren Zhengfei, in Kanada verhaftet. Wenn es Huawei nicht schnellstens gelingt, hier gegenzusteuern, wird es richtig ungemütlich, und das wäre gut für Qualcomm.

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Der Snapdragon soll den Kirins und Exynos das Fürchten lehren. / © Qualcomm

Intel hat sich auf den Lorbeeren ausgeruht

Doch Huawei ist nicht der einzige Konkurrent, der schwächelt. Im PC-Markt, den Qualcomm mit dem Snapdragon 8cx anpeilt, gilt die klassische Wintel-Kombination, also die Verbindung von Intel-Prozessoren mit Microsofts Windows, als das Maß aller Dinge. Die die enorme Geschwindigkeit, die bei der Entwicklung der Mobile-Prozessoren seit Jahren zu beobachten ist, kann Intel schon lange nicht mitgehen.

Intel steht weiter bei 14-Nanometer-Fertigung, während Qualcomm und Co. bereits in 7 Nanometer produzieren. Das bringt merkliche Vorteile vor allem bei der so entscheidenden Energiebilanz der Chips. Und 7 Nanometer kommt mit dem Snapdragon 8cx eben auch in die Windows-Welt.

Qualcomm hat noch weitere Vorteile gegenüber Intel, die vor allem den Laptop-Nutzern zugute kommen dürfen. Die X24- und X50-Modems sind leistungsfähig und bieten schnelle Verbindungen in so ungefähr alle Netze. Wenn die Performance des Snapdragon 8cx tatsächlich so gut ausfällt, wie die ersten Tests das vermuten lassen, und dann noch die Portabilität und extrem lange Akkulaufzeit hinzu kommt, wird es zumindest bei den Laptops und Ultrabooks ein spannendes Duell.

Es wird trotzdem kein Spaziergang

Der Zeitpunkt für eine Offensive von Qualcomm ist also tatsächlich günstig, doch ein Selbstläufer wird es trotzdem nicht. Das liegt zumindest teilweise auch an Qualcomm selbst und dem eigenen Geschäftsmodell. Die Lizenzierung seiner Technologien lässt sich der Chip-Hersteller nämlich arg teuer bezahlen, nach Ansicht vieler Partner und von Kartellrechtlern sogar deutlich zu hoch. Apple verzichtet deshalb bereits komplett auf Qualcomm-Technologie im iPhone und baut etwa lieber schwächere Modems von Intel ein.

Selbst wenn man gute Produkte hat, an denen die Konkurrenz nicht vorbei kommt und die einem quasi aus den Händen gerissen werden, darf man den Bogen nicht überspannen. Da muss Qualcomm wohl einen kleinen Schritt auf seine Partner zu machen, um die Beziehungen zu pflegen.

Und natürlich bedeuten gute Chips auch nicht automatisch, dass bald überall ein Snapdragon den Takt angibt. Da gibt es langfristige Veträge, gewachsene Partnerschaften und unzählige unterschiedliche Ansprüche und Konzepte, für die nicht unbedingt immer die Snapdragon-Chips die richtigen sein müssen. Unter dem Strich hält Qualcomm aber momentan ziemlich gute Karten in der Hand – die müssen jetzt klug ausgespielt werden, um am Ende den Jackpot abzukassieren.

Was glaubt Ihr, kann Qualcomm sich dauerhaft gegen Intel und Co. behaupten?