Shiffrin stiehlt Vonn die Show

Vor dem Rennen stand einmal mehr Lindsey Vonn im Mittelpunkt – auch wenn die exaltierte Amerikanerin nur verkündete, ihr Comeback noch einmal um eine Woche verschieben zu wollen. Und damit auch ihren schon lange verkündeten Angriff auf den Weltcupsiege-Rekord des großen, schweigsamen Schweden Ingmar Stenmark. Der steht bei 86 Siegen. Vonn hat bislang 82 vorzuweisen. Und die 34-Jährige steht vermutlich vor ihrer letzten Saison.

Auf der Piste in St. Moritz stellte dann aber einmal mehr ihre junge Landsfrau Mikaela Shiffrin alle in den Schatten. Die gerade mal 23 Jahre junge Alleskönnerin auf Skiern gewann auch den zweiten Super-G der Saison. Auf der Piste Engiadina kam sie nach 1:11,30 Minuten ins Ziel. Auf die frisch verheiratete Schweizer Lokalmatadorin Lara Gut-Behrami hatte sie 0,28 Sekunden Vorsprung. Tina Weirather (Liechtenstein/+0,42) folgte auf dem dritten Podestrang.

Gesamtweltcupsiegerin Shiffrin hat damit im achten Rennen des Winters bereits ihren vierten Sieg eingefahren, insgesamt war es der 47. Weltcup-Erfolg ihre eigentlich noch jungen Karriere. Sie überholte damit die Österreicherin Renate Götschl (46) in der ewigen Bestenliste bei den Frauen und rückte auf Rang vier vor. Nur Vreni Schneider (Schweiz/55), Annemarie Moser-Pröll (Österreich/62) und eben Lindsey Vonn (USA) liegen noch vor ihr. Von den Männern sind es neben Stenmark nur noch der Italiener Alberto Tomba (50) und die beiden Österreicher Hermann Maier (54) und Marcel Hirscher (60), der einzige noch aktive Konkurrent, der angesichts seines ebenfalls enormen Siegeswillens wohl ihr größter Rivale auf der Jagd nach Rekorden sein wird.

„Always be faster than the boys“ lautet das Mantra von Shiffrin, dass sie als Buchstabenkombination ABFTTB auch auf ihrem Helm verewigt hat. Doch im Grunde genommen könnte sie es ändern in „Always be faster than everybody.“

Hat mehr Grund zum Strahlen als alle anderen: Mikaela Shiffrin


Für Viktoria Rebensburg endete der Tag in St. Moritz mit einer leichten Enttäuschung. Deutschlands beste Skirennfahrerin kam mit einem Rückstand von 1,58 als Achte ins Ziel. Damit war sie nicht zufrieden. „Es ist für mich etwas schwer zu sagen, was das Problem heute war“, bekannte sie der ARD. Sie habe sich „eigentlich gut gefühlt“. Nach einem „gefühlt guten Start“ hatte sie aber im oberen Teil schon sechs Zehntel verloren. „Das ist mir ein Rätsel.“

Auch Mikaela Shiffrin behauptete wieder einmal in ihrer fröhlich-schlagfertigen Art, sich selbst ein Rätsel zu sein. Dass die eigentliche Slalomspezialistin wenige Tage nach ihrem ersten Super-G-Sieg – womit es ihr als erster Skiläuferin überhaupt gelungen war, Weltcuprennen in allen alpinen Disziplinen für sich zu entscheiden – gleich den zweiten hinterher schob, kommentierte sie wie immer mit strahlendem Erstaunen: „Ich habe das nicht erwartet, aber ich freue mich sehr.“