So klingt das Grollen des Windes auf dem Mars

«Es klingt wirklich ausserirdisch»: Auf dem Roten Planeten verhält sich Schall anders als auf der Erde, wie Aufzeichnungen der Mars-Sonde InSight belegen.

Wie klingt es auf einem fremden Planeten? Diese Frage treibt nicht nur die Macher von Science-Fiction-Filmen um, sondern auch Wissenschaftler der Nasa. Letztere können nun zumindest für den Mars eine Antwort geben: Die Mars-Sonde InSight hat erstmals den Wind auf dem Roten Planeten aufgezeichnet. Wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilt, wurde der über die Solarmodule der Sonde wehende Wind von einem Luftdrucksensor und einem Seismographen an Bord aufgenommen.

Deutlich zu hören ist auf diesem Material ein dumpfes Grollen. Nach Angaben der Nasa hatten die aufgezeichneten Windböen eine Geschwindigkeit von fünf bis sieben Metern pro Sekunde. Auf der Erde entspräche diese Windgeschwindigkeit einer schwachen bis mässigen Brise. Der Wind wehte demnach zunächst aus nordwestlicher und dann aus südöstlicher Richtung.

Aufzeichnung war nicht geplant

InSight hat am 26. November auf dem Mars aufgesetzt. Der Landung war eine fast siebenmonatige Reise der Sonde durch den Weltraum vorausgegangen. InSight ist ein 360 Kilogramm schwerer Roboter, der nicht rollt, sondern an einem Ort bleibt. Die insgesamt rund 650 Millionen Euro teure Mission ist auf zwei Jahre angelegt.

Zu den Experimentiergeräten an Bord der Landeplattform zählt eine in Deutschland gebaute Rammsonde, die auf der Marsoberfläche ein bis zu fünf Meter tiefes Loch hämmern soll. Mit InSight wollen die Wissenschaftler erstmals das Innere des Mars und seinen Aufbau untersuchen. Dabei sollen mögliche Erschütterungen und Beben des Planeten gemessen werden.

Die Wissenschaftler hoffen auf Erkenntnisse unter anderem darüber, wie der Mars vor Milliarden von Jahren entstand. Die Aufzeichnung des Mars-Winds war nach Angaben von Missionsleiter Bruce Banerdt ein «ungeplantes Vergnügen».

«Es klingt wirklich ausserirdisch»

Der Wissenschaftler Thomas Pike vom Imperial College London sagte, das Grollen erinnere ihn an eine Fahne, die im Wind weht. «Es klingt wirklich ausserirdisch, und genau das ist es ja auch.»

Mit Geräuschen auf der Erde sind die Aufzeichnungen vom Mars allerdings ohnehin schwerlich zu vergleichen. Phänomene wie Gewitter, Sandstürme oder Beben, die auf der Erde sehr laut sind und sich auf dem Mars ebenfalls ereignen, würde ein Mensch dort kaum hören. Denn entscheidend für die Ausbreitung von Schall ist die jeweilige Zusammensetzung der Atmosphäre eines Planeten. Sie ist der Träger, durch den sich Schall ausbreitet. Die Marsluft wirkt aufgrund ihrer Zusammensetzung wie ein Schalldämpfer.

Das bedeutet, dass man einen Schrei, der auf der Erde noch einen Kilometer weit zu hören wäre, auf dem Mars schon nach wenigen Metern nicht mehr wahrnehmen würde. Die Ausbreitung von Schall auf dem Mars wurde bisher mit Simulationen untersucht. Wie akustische Kommunikation auf dem Nachbarplaneten aussehen könnte, ist für zukünftige Missionen durchaus relevant.

Im Weltraum, also ausserhalb der Atmosphäre eines Planeten, gibt es übrigens gar keine Geräusche. Dort herrscht vollkommene Stille.
(afp/kjan/csi)

Erstellt: 08.12.2018, 18:43 Uhr