Verpatzter Start in Jahresendspurt: Gießen unterliegt Vechta

GIESSEN – Die Giessen 46ers sind nach der Länderspielpause mit einer Niederlage in den Jahresendspurt gestartet: In einer ausverkauften Sporthalle Ost unterlag die Mannschaft von Headcoach Ingo Freyer Aufsteiger Rasta Vechta mit 83:84 (40:40). Das Duell entschied sich in letzter Sekunde. Für die Mittelhessen war es nach der Niederlage gegen den FC Bayern München die zweite Niederlage in Serie, Vechta setzt indes seine starke Runde als Liga-Neuling zunächst fort. “Es war das erwartet schwere Spiel. Vechta steht nicht umsonst dort, wo sie stehen – das wussten wir, das hatte ich jedem gesagt. Am Ende entscheiden in solch einem engen Spiel Kleinigkeiten, und davon gab es heute eine ganze Menge. Eine knappe Niederlage tut immer besonders weh”, sagte Freyer, der auf den verletzten Max Montana (Bänderriss) verzichten musste.

Die Giessen 46ers, die mit Siyani Chambers, Benjamin Lischka, Larry Gordon, Brandon Thomas und John Bryant in das Duell mit Vechta gingen, erwischten Anfangsminuten zum Vergessen. Vechta, in dessen Reihen man Rückkehrer Austin Hollins mit jeder Faser anmerkte, dass er richtig große Lust darauf hatte, an alter Wirkungsstätte Gas zu geben, führte schnell mit 10:4, nach sechs Minuten stand es gar 18:4 für den Liga-Neuling. Die Gäste schlugen anfangs die Hausherren mit den eigenen Waffen: Tempo, aggressive Defensive und erfolgreiche Transition. Gießen fand zunächst keinen Weg, Center Bryant einzubinden, unter dem Korb war der Gegner auf der Hut. Auf der anderen Seite des Parketts war der Rangsiebte aber ebenso erfolgreich, gleich acht der ersten neun erfolgreichen Würfe kamen aus der Zone. Seth Hinrichs und Jung-Nationalspieler Philipp Herkenhoff, der am vergangenen Montag gegen Estland sein Debüt im DBB-Dress gab, überzeugten.

Freyer baute um, nahm dabei auch Bryant früh auf die Bank, doch Vechta blieb am Drücker. Dass es lediglich mit einem 15:23-Rückstand ins zweite Viertel ging, hatten die 46ers vor allem David Bell zu verdanken, der von der Bank kommend acht Punkte markierte. Und auch die ersten Minuten des zweiten Abschnitts gehörten den Niedersachen, Hollins erhöhte mit zwei Treffern aus der Distanz auf 29:17 (12.). Die Zuschauer in der Sporthalle Ost, darunter auch die Meistermannschaften des MTV 1846 von 1968 (Herren- und Junioren-Titel) und 1978, mussten sich fragen: Wie kann man diesem frechen und vor Selbstvertrauen strotzenden Aufsteiger beikommen? Und: Wird Vechta dieses Tempo halten können? Ein erster Lichtblick: In der 15. Minute traf Max Landis von jenseits der Dreierlinie zum 27:31, Gäste-Coach Pedro Calles bat zum Timeout. Die Niedersachsen, in deren Spiel mit Max DiLeo auch der Bruder des ehemaligen Gießeners Anthony „TJ“ eine gewichtige Rolle spielt, gaben die Führung zwar auch in der Folge nicht ab, doch die Dominanz der Anfangsviertelstunde war nun deutlich weniger ausgeprägt. Die 46ers merkten: Gegen diesen Aufsteiger wird es nur über harte Arbeit gehen. Zum Kabinengang stand es dann aus Sicht der 46ers dann immerhin ausgeglichen 40:40, der Rückstand war wettgemacht. Ein Gesprächsthema in der Halbzeitpause: Bryant stand bei null Punkten – Zählbares für ihn folgte in der 26. Minute, nach Freiwürfen. Bell und Thomas kamen für Gießen auf je elf Zähler, Vechtas Hollins zur Pause auf 18.

Ein Novum an diesem Abend dann in der 22. Minute: Nach Punkten von Thomas führten erstmals die Hausherren, beim 46:40, erneut durch Gießens Nummer 33, hatte das Rasta-Trainergespann Redebedarf. Für die 46ers hatte das vorerst zur Folge: wie gewonnen so zerronnen, Josh Young drehte den Spieß wieder um (46:49/25.). Es blieb dabei: kein Schützenfest – durchaus mal gewohnt von Partien in der Osthalle –, keine große Basketball-Party, sondern harte Arbeit auf allen Positionen (60:62/30.). Und einem 46ers-Kapitän Bryant, der gemischte Signale sendete – zwar inzwischen mit neun Punkten, aber eben doch in gewisser Weise eingeengt und eingeschränkt. Nach 40 Minuten standen aber dennoch wieder 17 Punkte und zehn Rebounds für ihn zu Buche.

Es blieb eine Partie auf Messers Schneide, Läufe wurden verhindert, da beide Mannschaften stets in der Liga waren, auf Nadelstiche zu reagieren. Zwischenzeitlich setzte sich etwa Vechta mal leicht auf 77:71 ab, doch Bryant verkürzte wieder (37.). Für Gießen waren es in einer spannenden Schlussphase die Routiniers Bryant und Bell, die auf 83:82 stellten. Doch Young zog erfolgreich zum 84:83, Gießens finale Dreierversuche zum Sieg sprangen wieder heraus.

Punkte Giessen 46ers: Chambers 4, Landis 14, Lischka 8, Gordon 6, Thomas 18, Bell 16, Bryant 17

Punkte Rasta Vechta: DiLeo 2, Young 14, Nash 14, Herkenhoff 14, Hollins 18, Hinrichs 20, Christen 2