Wird er der neue Juncker?

Die Sozialdemokraten haben ihren Wunschkandidaten für die Spitze der EU-Kommission bestimmt: Den Niederländer Frans Timmermans.

Die Europäischen Sozialdemokraten haben am Samstag den früheren niederländischen Aussenminister Franciscus Cornelis Gerardus Maria Timmermans – oder kürzer: «Frans» Timmermans – zum Spitzenkandidaten für die Europawahl 2019 bestimmt. Die rund 1000 Delegierten eines Parteitags in Lissabon bestätigten ihn per Akklamation.

Der 57-Jährige ist Vizepräsident der EU-Kommission und will dem Luxemburger Jean-Claude Juncker als Chef der mächtigen Behörde nachfolgen. Damit ist er Rivale des CSU-Politikers Manfred Weber, der den Posten für die Europäische Volkspartei erobern will.

«Leidenschaftlicher Europäer»

Der deutsche Aussenminister Heiko Maas (SPD) würdigte den Niederländer als «ausgewiesenen Fachmann und leidenschaftlichen Europäer». Timmermans sei «ein Mann, der alle Freiheiten verteidigt», sagte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez.

In vielen Ländern der EU befinden sich die Sozialdemokraten derzeit in einem ausgeprägten Stimmungstief. Populisten sind vielerorts im Aufwind. Umfragen lassen für die Europawahl im kommenden Mai derzeit ein schwaches Abschneiden der Sozialdemokraten erwarten.

«Ich bin mir der Bürde, die auf meinen Schultern lastet, bewusst», sagte Timmermans nach seiner Nominierung. «Aber mit einer solchen politischen Familie hinter mir kann ich nicht vom richtigen Weg abkommen.»

imageTimmermans am Parteitag der Europäischen Sozialdemokraten in Lissabon. (8. Dezember 2018) Bild: Miguel A. Lopes/EPA via Keystone

Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE) Sergej Stanischew aus Bulgarien rief die Sozialdemokraten in Lissabon dazu auf, sich auf den politischen Gegner zu konzentrieren. «Wir sind eine selbstkritische Familie», sagte er. «Aber lasst uns aufhören, uns zu beschweren und zu sagen, dass wir schwach und nicht zum Wandel fähig sind.» Die Wahl sei «bei weitem noch nicht entschieden».

Der frühere niederländische Aussenminister Timmermans war nach dem Rückzug seines slowakischen Konkurrenten Maros Sefcovic der einzige Bewerber für die Spitzenkandidatur. Weber war bereits vor einem Monat von der Europäische Volkspartei (EVP) zu ihrem Spitzenkandidaten bestimmt worden.

(mch/sda)

Erstellt: 08.12.2018, 22:33 Uhr