Den USA geht es um Marktanteile

Berlin / Igor Steinle
14.01.2019

Zuerst versuchten die Amerikaner es mit dem Argument, Europa würde durch die Gaspipeline Nord Stream 2 zu stark abhängig von russischem Gas. Einer genaueren Betrachtung hielt dieses Argument jedoch nicht stand. Denn bei der russisch-europäischen Energiepartnerschaft handelt es sich um eine Beziehung gegenseitiger Abhängigkeit – in der Russland mehr zu verlieren hat als der Westen. Während Deutschland und Europa jederzeit auf andere Lieferanten zurückgreifen könnten, etwa über Flüssiggasterminals oder Erdgas aus Norwegen, würde für Russland ein Verzicht auf den europäischen Absatzmarkt einen herben Einschnitt in den Staatshaushalt bedeuten.

Nun torpedieren die Amerikaner das Projekt über die geopolitische Schiene: Durch Nord Stream 2 würde die Ukraine an sicherheitspolitscher Bedeutung verlieren, was die Gefahr russischer Interventionen erhöhen würde. Auch dieses Argument wirkt bemüht, hat der Gastransit durch die Ukraine die Russen auch bisher nicht davon abgehalten, weite Teile des Landes de facto abzuspalten.

Beide Argumente sind vorgeschoben. US-Botschafter Grenell geht es weniger um die Sicherheit Europas als um die Marktanteile amerikanischer Unternehmen. Sein Verhalten ist somit Ausdruck typisch trumpistischer Handelspolitik.

Seit dem Fracking-Boom sind die USA vom Gasimporteur zum -exporteur aufgestiegen und drängen mit ihrem Produkt nun auf den Weltmarkt. Um dieses eindeutig wirtschaftliche Interesse durchzusetzen, ist man ganz offensichtlich bereit, jegliche diplomatische Zurückhaltung aufzugeben. Deutschland wäre gut beraten, dem nicht nachzugeben.