Detroit Motor Show: Schwere Zeiten für die Auto-Industrie

„Motor City“ wird Detroit auch genannt, nur dass der Spitzname früher voller Bewunderung und heute eher mit Mitgefühl ausgesprochen wird. Vor rund 100 Jahren war die Stadt am Lake Michigan eines, wenn nicht sogar das wichtigste Zentrum der Automobilindustrie. Ford, Chrysler, General Motors – die drei großen amerikanischen Autohersteller hatten in der Stadt oder wenigstens in der Nähe ihren Sitz. Die Automesse, deren diesjährige Auflage am Montag beginnt, war Pflichttermin für jeden wichtigen Auto-Hersteller.

Heute sprechen Auto-Experten wie Ferdinand Dudenhöffer davon, die Messe ähnele eher einem „Beerdigungskonvent“. Viele große Marken wie BMW, Mercedes, Porsche und Audi bleiben der Veranstaltung fern. Sie ist damit ein Spiegelbild der Region. Denn auch bei den drei großen Herstellern häufen sich die Probleme, die auch den Rest des Landes beziehungsweise sogar der Welt treffen. Chrysler wurde inzwischen von der italienischen Marke Fiat aufgekauft, zuletzt musste das italienisch-amerikanische Unternehmen mehrere Hundert Millionen Dollar Strafe wegen Abgasschummeleien zahlen. Konkurrent General Motors kündigte im November ein massives Sparprogramm an, bei dem 15 Prozent aller Jobs in Nordamerika und fünf Fabriken wegfallen sollen. Ford wiederum macht hohe Verluste und will nun in Europa Stellen streichen. Alles kommt auf den Prüfstand.

Es sind nur drei Beispiele für den tiefgreifenden Wandel, der gerade die Automobil-Industrie erfasst hat. Nachdem der weltweite Automarkt (und speziell der in China) in den vergangenen Jahren stark gewachsen war, kühlt die Nachfrage nun laut Prognosen merklich ab. „Berücksichtigt man, dass im chinesischen Markt mit kontinuierlichem Wachstum von jährlich fünf Prozent geplant wurde, ergibt sich für 2019 eine Überkapazität von nahezu fünf Millionen Neuwagen“, schreibt Ferdinand Dudenhöffer in einer Analyse. Gleichzeitig erfordern Trends wie das autonome Fahren oder die Elektromobilität milliardenschwere Investitionen, während bei den klassischen Verbrennungsmotoren immer mehr Emissionen eingespart werden müssen, um den Vorgaben der Regulierer gerecht zu werden. Milliarden-Investitionen für E-Mobilität und Überkapazitäten in China müssten gleichzeitig geschultert werden, sagt Dudenhöffer: „Der ,doppelte’ Margendruck lässt sich an Gewinnwarnungen und dem Rückgang der Aktienkurse ablesen.“

Wer in dieser Situation nicht gut aufgestellt ist, bekommt Probleme. Zum Beispiel Ford: Während der Autohersteller in Europa die Entwicklungskosten für seine Fahrzeuge überwiegend alleine stemmen muss, setzen die anderen Hersteller seit Jahren auf Plattformen. So übernahm der französische PSA-Konzern den deutschen Hersteller Opel von General Motors, um anschließend sofort massiv die Kosten beim Bau und der Entwicklung der Fahrzeuge zu senken, indem man die Deutschen in das eigene Plattformsystem integrierte.

Schnelle Umschwünge sind genauso wie politische Unsicherheit Gift für die Industrie, die ihre Planung für Jahre im Voraus machen. Der ungewisse Ausgang des Brexits und der Handelskrieg der USA mit China verschärfen die Situation momentan zusätzlich. Und so trifft die Krise auch andere Unternehmen. Der Roboterhersteller Kuka, dessen Maschinen in den Werken beim Fahrzeugbau helfen, kappte bereits seine Geschäftsprognosen und will nun auch am Hauptsitz in Augsburg Stellen streichen. Man sei durch die rückläufige Nachfrage dazu gezwungen, sagte Kuka-Chef Peter Mohnen. Der Umbruch ist überall angekommen.