Bayern-Boss Rummenigge kritisiert Sky – Sender wehrt sich

Zur besten Sendezeit im Fußballprogamm zeigt das ZDF am Mittwochabend einen Krimi. Die Königsklassen-Fußball rollt woanders, bei den Bezahlangeboten von Sky und DAZN. Gerade in dieser Woche, bei den deutsch-englischen Duellen, werden sich viele Fans darüber ärgern.

Nun springt Karl-Heinz Ruemmenigge den Fans bei. Der Bayern-Boss setzt sich in einem Interview der Sport-Bild für eine Rückkehr der Champions League ins Free-TV ein. Man müsse bei der Europäischen Fußball-Union Uefa alles in die Waagschale legen, damit in Deutschland ab der nächsten Rechteperiode 2021 bis 2024 wieder mindestens ein Livespiel, idealerweise ein Topspiel, im Free-TV zu sehen sei: „Dies ist im Interesse der Fans, und das müssen wir stärker berücksichtigen.“ Laut Sportbild brachen die Zuschauerzahlen am Mittwochabend um 84 Prozent ein.

Sky wehrt sich gegen die Kritik

Seit dieser Saison brauchen Fans der Champions-League-Teilnehmer, die alle Spiele sehen wollen, zwei Abos: eins des Pay-TV-Senders Sky und eins des Streamdienstes DAZN. “Die Problematik hat Sky kreiert”, kritisiert Rummenigge. “Sie haben Rechte in Sublizenz an DAZN vergeben, die sie wohl auch ans ZDF hätten vergeben können. Aber offensichtlich wollte man das Free-TV ganz bewusst aussparen.”

Gegen diese Kritik wehrt sich Sky und verweist darauf, dass die Uefa die Medienpakete an den Meistbietenden verkauft habe. “Die jeweiligen Rechteinhaber sind verantwortlich für die Ausschreibung und die angebotenen Pakete. Die Ausschreibung der Uefa war – auf starken Druck der Spitzenklubs – eindeutig: Das meiste Geld gewinnt – ohne Wenn und Aber. Sky das Ergebnis jetzt vorzuwerfen und die Voraussetzungen dafür selbst geschaffen zu haben, ist abwegig“, teilt Sky-Marketingchef Jacques Raynaud auf Nachfrage mit.

Auch zu den Zuschauerzahlen äußert sich Sky: Der Sender erreichte in der Champions League in der Gruppenphase an jedem Spieltag 4,6 Millionen TV-Zuschauer (Sky Sport und Free-TV-Berichterstattung auf Sky Sport News HD).

Bayern München profitiert von TV-Geldern

Vor allem Bayern München profitiert von den gestiegenen TV-Einnahmen. In der Vorsaison kassierte der Rekordmeister von der Uefa 70,494 Millionen Euro. Weit dahinter lagen RB Leipzig (34,519 Millionen Euro) und Borussia Dortmund (27,339 Millionen).

Das ZDF wollte sich zu den Aussagen Rummenigges nicht äußern. Der öffentlich-rechtliche Sender soll noch im Abschnitt 2015 bis 2018 rund 50 Millionen Euro pro Saison gezahlt haben, konnte danach aber offensichtlich nicht mehr im Poker um die TV-Rechte mithalten. In der aktuellen Periode bis 2021 fallen für Sky und DAZN pro Saison insgesamt 200 Millionen Euro an. Das ZDF bezifferte seinen jährlichen Sportetat für die Jahre 2013 bis 2016 mit 243 Millionen Euro, 191 Millionen entfielen dabei für Nutzungsrechte – auch für andere Sportarten wie Handball.

DAZN drängt auf den Markt

Die Konkurrenz wird immer stärker und kurbelt den Preis für die begehrten Fußballrechte an. Neben Discovery, das mit dem Eurosport-Player die Freitagsspiele der Bundesliga überträgt, drängt vor allem DAZN auf den Rechtemarkt. Den Streamingdienst gibt es erst seit 2016 in Deutschland. Zugang erhält der Kunde per Internet-Streaming auf mobile Geräte wie Laptop, Smart-TVs, Smartphones oder Tablets.

Geldgeber ist die britische Perform Group, ein globales Sport-Medien-Unternehmen, das Leonard Blavatnik als Mehrheits-Eigner gehört. Der Russe hat durch diverse Beteiligungen an Ölfirmen ein geschätztes Vermögen von über 15 Milliarden Euro. Seither investiert die Perform Group in Sportrechte. „Wir wollen die Art, wie Live-Sport konsumiert wird, innerhalb von zehn Jahren verändern“, sagte Marketing-Direktor Benjamin Reiniger kurz nach dem Erwerb der Champions-League-Rechte in 2017. Das Sportportal hat aktuell auch die Europa League, sowie alle großen europäischen Fußballigen im deutschen Raum im Angebot. Zudem gibt es Zusammenfassungen aller Bundesliga-Spiele 40 Minuten nach Abpfiff.

DAZN macht keine Angaben zu Zuschauerzahlen

Wie viele Menschen in Deutschland DAZN nutzen, ist nicht bekannt. Die Perform Group hat seit dem rund zweieinhalbjährigen Bestehen von DAZN keine Einschaltquoten oder Kundenzahlen veröffentlicht. Einen Hinweis lieferte Marketing-Chef Benjamin Reiniger mal im Jahr 2017: „Es ist möglich, dass wir 2020 schon Geld verdienen.“