Darum spielen Schweizer Radios den aktuell erfolgreichsten Song nicht

Serge Gainsbourg, trinkfester Starkraucher, hatte sein Chanson 1967 zunächst mit seiner Verflossenen aufgenommen, Brigitte Bardot. Doch BB bekam kalte Füsse, weil sie inzwischen mit Gunter Sachs verheiratet war. Ein Glücksfall, denn besser ist jene Version, die Gainsbourg im Februar 1969 mit seiner neuen Flamme einspielte, der wunderhübschen Jane Birkin. Die 22-Jährige flüsterte, hauchte und stöhnte mehr, als dass sie sang, in feinen hohen Tönen. Genial.

«Je t’aime … moi non plus» wurde schnell zur Begleitmusik für schmachtende Schwärmereien und schlüpfrige Träume. So also hört sich «Liebemachen» an. An Abschlussabenden von Klassenlagern war das Lied unvermeidlich, und es befeuerte samstägliche Kellerpartys, damals seltsamerweise «Fez» genannt. Auch anderweitig sorgte der Song für heisse Köpfe. Einige Radiostationen, darunter natürlich Radio Vatikan, weigerten sich, die «Orgasmus-Platte» abzuspielen.

So weit ging unser one and only Radio Beromünster nicht, blendete dafür das Lied jeweils vor dem Kulminationspunkt («… maintenant viens …») sanft aus. Eine Art Coitus interruptus.

Uns wars egal. Seine Musik hörte man damals eh auf Radio Luxemburg.
Und für das, was einem – manchmal heimlich – gefiel, hat man Sackgeld geopfert.
In der lange nicht angerührten Beige habe ich jetzt die Vinyl-Single wieder gefunden. Jane auf dem Cover. Die Scheibe, 50 Jahre alt, hat weit weniger Kratzer als vermutet. Möglicherweise war halt doch alles nur halb so wild damals. Missen aber möchte ich auch dieses Halbwilde nicht. Hans Graber