Die Abenteuer des braven Supersoldaten Artjom

Mit dem Zug durchs postnukleare Russland: In Metro Exodus darf Soldat Artjom nach Jahren in der Finsternis endlich Hoffnung schöpfen. Neben Tageslicht erwarten ihn im Actionspiel von 4A Games wunderschöne und interessant gestaltete Umgebungen und eine tolle Handlung.

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Einer der Soldaten in Metro Exodus (Artjom selbst ist auch im Fotomodus nicht zu sehen)
Einer der Soldaten in Metro Exodus (Artjom selbst ist auch im Fotomodus nicht zu sehen)
(Bild: Deep Silver/Screenshot: Golem.de)

Artjom hat immer daran geglaubt, dass es irgendwo da draußen in den Weiten Russlands noch andere Überlebende gibt. Bei Wind und Wetter hat er die Gänge der Untergrundbahn von Moskau verlassen und ist mit seinem Funkgerät nach oben geklettert – nur, um zuerst nichts als Rauschen und gleich darauf den Spott seiner Kameraden zu ertragen. Bis da eines Tages eben doch etwas war …

Inhalt:
  1. Metro Exodus im Test: Die Abenteuer des braven Supersoldaten Artjom
  2. Verfügbarkeit und Fazit

Um es kurz zu machen: In Metro Exodus befinden wir uns als Artjom nach dem Auftakt, in dem wir, wie in den beiden ersten Metro-Actionspielen, in und unter Moskau unterwegs sind, gemeinsam mit Kameraden und unserer Frau Anna auf der Aurora, einer alten Dampflock. Gemeinsam rumpeln wir durch das postnuklear verwüstete Russland in Richtung Ural. Was auf dieser Reise alles geschieht, erzählt das Programm in seiner je nach Spielweise und Schwierigkeitsgrad (es gibt fünf, jederzeit wechselbar) rund 20 bis 30 Stunden langen Kampagne.



Natürlich verläuft die Reise nicht friedlich. Nach ein bis zwei Stunden Spielzeit steht die Aurora erstmals still, weil die Gleise blockiert sind. Also machen wir uns als Artjom mit dem Sturmgewehr in der Faust daran, das Problem zu lösen. Dieser erste sehr große Abschnitt besteht aus einer Karte, auf der unser jeweils nächstes Hauptziel markiert ist. Wie wir dorthin gelangen, bleibt uns überlassen.

Auch wann wir losziehen, dürfen wir selbst entscheiden: Metro Exodus verfügt über einen dynamischen Tag- und Nachtwechsel. Solange die Sonne scheint, treffen wir tendenziell eher auf Banditen und die menschlichen Angehörigen der anderen Fraktionen. Nach Einbruch der Dunkelheit haben wir es überwiegend mit Monstern und Mutanten zu tun. Wer etwa nur bei Tag spielen möchte, kann die Zeit in speziellen Unterkünften durch Schlafen schneller bis zum nächsten Morgen ablaufen lassen.

Außerdem können wir beim Erreichen der Zielmarkierung probieren, den kürzesten Weg zu nehmen. Oder wir suchen das Gelände weiträumig ab, um an zusätzliche Munition oder Zubehör für Waffen zu gelangen. Dazu kommen noch freiwillige Nebenquests. In Metro Exodus bekommen wir die teils nur so nebenbei erteilt, indem uns etwa einer der Kameraden von einer gestohlenen Gitarre erzählt und uns fragt, ob wir die nicht wiederbeschaffen könnten.

Durch diese Aufgaben und durch die Handlung kommen immer mehr Markierungen auf der Übersichtskarte hinzu, die wir entweder abarbeiten oder uns auf das Hauptziel konzentrieren können. Beim Test hat es uns Spaß gemacht, auf der Suche nach Extras die Karte abzusuchen. Dadurch sind wir in interessant gestaltete Kellersysteme gelangt, haben uns auf riesige Öltanks mit toller Aussicht gewagt und Fabrikhallen durchstöbert.

Die größte Herausforderung in Metro Exodus sind die Gefechte mit den menschlichen oder mutierten Gegnern. Im Normalfall laufen die Schusswechsel eher kurz und heftig ab: Mit der Schrotflinte oder der Maschinenpistole schalten wir Feinde auf meist kurze und mittlere Distanz aus. Es gibt zwar auch ein Zielfernrohr, mit dem wir auf sehr große Entfernung kämpfen können, aber in der Praxis funktioniert das unter anderem wegen der spürbaren Streuung nicht so gut.

  • In der Kaspischen Wüste greifen uns Mutanten an. (Bild: Deep Silver/Screenshot: Golem.de)

In der Kaspischen Wüste greifen uns Mutanten an. (Bild: Deep Silver/Screenshot: Golem.de)



Immer wieder haben wir es mit relativ vielen Gegnern zu tun, manchmal sind wir von einem halben Dutzend Angreifern umzingelt. Spätestens dann machen sich gelegentlich kleinere Probleme mit dem Aiming bemerkbar, sprich: Die Steuerung ist uns dann ein wenig zu schwammig und wir haben nicht mehr das Gefühl, völlige Kontrolle über die Waffe zu haben. In Metro Exodus ist das kein ganz großes Problem, durch das wir uns vom Spielen abhalten lassen würden – aber dezent störend finden wir es doch.

Es gibt noch mehr zu beachten. So können wir uns relativ oft vor Monstern – von denen die meisten keine Distanzwaffen haben – in herumliegenden Autowracks oder ähnlichen Objekten verschanzen und die Biester dann in aller Seelenruhe und ohne allzu viel verschwendete Munition abknallen. Das mag irgendwie glaubwürdig sein, im Spiel fühlt es sich für uns aber nicht stimmig an, und richtig Spaß macht es auch nicht.

Unterm Strich finden wir die Kämpfe in Metro Exodus ganz okay bis gut, vor allem mit den später ausgebauten Waffen. Trotzdem wäre hier noch etwas mehr drin gewesen. So ganz scheinen übrigens auch die Entwickler dem System nicht zu trauen: Es kommt immer wieder vor, dass nach einigen ersten Schüssen und Toten der Rest einer Banditenbande plötzlich aufgibt, die Waffen auf den Boden legt und sich mit erhobenen Händen hinkniet – dann haben wir gewonnen und können ungefährdet weiterziehen. Praktisch, aber eigentlich hätten wir an einigen dieser Stellen ganz gerne noch weitergekämpft.


Allerdings gibt es in Metro Exodus sowieso nicht ständig Dauerfeuer. Den Großteil der Zeit verbringen wir mit dem Suchen des Weges: Welche Möglichkeit gibt es, einen See mit einem riesigen Monster in der Mitte zu überqueren? Finden wir einen Weg am Ufer entlang, können wir uns mit dem Ruderboot auf das Gewässer trauen und hoffen, dass das Biest uns nicht bemerkt, oder sausen wir besser an einem Seil vom Industriekran in der Nähe darüber hinweg? Aber wo finden wir den Aufgang zum Kran, und sind da oben irgendwo Feinde?

Viel Zeit geht auch für das Sammeln von Ressourcen und Ausrüstung drauf sowie dafür, Munition und bessere Waffen herzustellen – was an Werkbänken über gut gemachte Menüs funktioniert. Außerdem gibt es immer wieder längere Abschnitte mit Handlung. Teils laufen diese Szenen direkt im Spiel als Dialog zwischen anderen Figuren, teils über sehr gut gemachte Zwischensequenzen ab.



Im Verlauf der Story kommen wir immer wieder in teils wunderschöne Umgebungen wie die Kaspische Wüste, in deren orangerot durch Feuer illuminierten Tälern wir bei Nacht den blauen Sternenhimmel über uns bestaunen können. An anderer Stelle sehen wir fast bis zum Horizont alte Fabrikanlagen, dazu kommen viele Gewässer und Gebäude – alles ist enorm abwechslungsreich von Hand gebaut, Wiederholungen sind uns nicht aufgefallen.

Neben den offenen Umgebungen unter freiem Himmel kommen wir übrigens auch durch Innenräume, etwa ein verlassenes Kontrollzentrum mit Hunderten von flackernden Bildschirmen, das fast an Sciencefiction-Filme der 60er Jahre erinnert. Ein anderer der größeren Innenlevel ist übrigens sehr krass, was makabre Details und Horror angeht – und mehr als Grund genug, beim Spielen von Metro Exodus besser keine Kinder zugucken zu lassen.

Die Grafik macht einen sehr guten Eindruck. Es gibt wunderschöne Licht- und Schatteneffekte, detailreiche Texturen, schöne Farben und mehr. Auch die meisten Gegner finden wir gelungen – merkwürdigerweise gibt’s zwischendurch ab und zu Feinde, deren Gestaltung sichtbar abfällt und die fast wie aus der vorletzten Generation an Spielen wirken.

  • In einem Innenlevel machen wir grauslige Entdeckungen... (Bild: Deep Silver/Screenshot: Golem.de)

In einem Innenlevel machen wir grauslige Entdeckungen… (Bild: Deep Silver/Screenshot: Golem.de)



Allerdings: Die Ladezeiten sind teils sehr lang! Beim Laden einer der großen Karten müssen sich Konsolen-Spieler durchaus mal zwei bis vier Minuten gedulden. Immerhin geht es schneller, wenn wir sterben und einfach nur der letzte Spielstand geladen wird, aber auf 20 bis 30 Sekunden müssen wir uns da auch einstellen. In den nächsten Tagen widmen wir uns in einem zweiten Test noch ausführlicher der Technik von Metro Exodus, vor allem der PC-Version.

Metro Exodus erscheint am 15. Februar 2019 für Windows-PC, Xbox One und Playstation 4 zum Preis von rund 60 Euro. Die PC-Fassung des von 4A Games entwickelten Actionspiels ist als Download nur noch über den Epic Games Store erhältlich und muss dann auch dort registriert werden. Das Spiel ist vollständig lokalisiert, die deutsche Sprachausgabe klingt professionell, aber wie in den meisten anderen Games etwas steril. Das Programm enthält keinen Multiplayermodus und keine Mikrotransaktionen. Von der USK hat Metro Exodus eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten.

Fazit

Wenn wir mit Artjom nicht so ein spannendes Abenteuer erleben dürften, würde uns der arme Kerl leidtun. Endlich verlassen wir mit ihm den dunklen Tunnel aus den Vorgängern, nur um dann mit dem Zug von einer Krise in die nächste zu fahren. Aber mal ganz ernsthaft: Metro Exodus schafft es hervorragend, die Geschichte einer fast hoffnungslosen Reise zu erzählen und durch Elemente wie Annas unerschütterliche Liebe oder die wackeren Kumpels eben doch Optimismus zu verbreiten.

Die über weite Strecken hervorragend erzählte Handlung voller unfassbarer Überraschungen ist die größte Stärke des Spiels. Uns gefallen aber auch die halboffenen Umgebungen sehr. Egal ob Eisseen, Kannibalenkeller oder Kaspische Wüste: Alles wirkt stimmig, sieht über weite Strecken sehr gut aus und bietet viel Platz zum freien Erforschen. Den Verzicht auf klassisch aufbereitete Missionen wünschen wir uns nicht in jedem Spiel, aber hier wirkt es frisch.

Auch das gelungene Ausrüstungs- und Waffensystem gefällt uns. Wir dürfen ein bisschen tüfteln, das Ganze hat spürbare Auswirkungen – aber es verliert sich nicht in Details. Allerdings hat uns irgendwann das Absuchen und Einsammeln von Ressourcen etwas genervt. Noch etwas mehr hat uns die stellenweise etwas zu hüftsteife Steuerung und die nicht ausreichend flüssige Bewegung in Kämpfen gestört. Einsteiger werden es zwar kaum bemerken – aber wer auf höheren Schwierigkeitsgraden antritt und flott ausweichen muss, ärgert sich manchmal eben doch über das schwammige Aiming.

Trotzdem, alles in allem hat Metro Exodus die hohen Erwartungen erfüllt. Auch, weil dem Programm nicht die Puste ausgeht und es konstant interessant bleibt. Wer Actionspiele mit langen und spannend aufbereiteten Geschichten mag, sollte für die Abenteuer von Artjom auf der Aurora eine Fahrkarte kaufen.