Eine neue Perspektive auf Lauterbach


LAUTERBACH (tsz). Flache Dächer, weiße Fassaden und große Fensterfronten: Das sind einige der Hauptmerkmal des Bauhaus-Stils. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Stils bietet die Stadt Lauterbach zum Weltgästeführertag eine besondere Stadtführung unter dem Thema „BAUeinHAUS – BauHausElemente in Lauterbach“ an.

Man denke 100 Jahre zurück: Was so manch einem sofort einfallen dürfte, ist der Januar- oder Spartakusaufstand und die Ausrufung der Weimarer Republik fast gleichzeitig durch Philipp Scheidemann und Karl Liebknecht am 9. November 1918. Weniger bekannt dürfte dabei der Name Walter Gropius sein. Dennoch: Vor 100 Jahren gründete er in Weimar eine Kunstschule, deren Einfluss auf Kunst und Architektur nun ihr 100 jähriges Jubiläum feiert.

Passend dazu hat sich der Bundesverband der Gästeführer in Deutschland das Thema für ihren diesjährigen Weltgästeführertag ausgesucht. Unter dem Motto „BAUeinHAUS“ finden um den 21. Februar in viele Städten Deutschlands Führungen zum Thema statt. Auch die Stadt Lauterbach ist dabei, trotz dass die Gästeführer keine Mitglieder des Vereins sind. Das gelingt durch die Zusammenarbeit mit der Stadt Fulda. „Wir sind natürlich dankbar, dass wir unter Fulda da mitmachen dürfen“, freute sich Hannelore Schlitt vom Tourist-Center über die Zusammenarbeit mit den Fuldaer Kollegen.

Die Historie gibt die Tiefe

Aus diesem Grund veranstaltet das Tourist-Center am 24. Februar, also dem Sonntag nach dem offiziellen Weltgästeführertag, eine besondere Stadtführung. Zum Thema „BauHausElemente in Lauterbach“ geht es auf die Suche nach Elementen der vergangenen Epoche im Lauterbacher Stadtbild. Besonders interessant sei dabei die Geschichte: „Oft sind bei den Menschen die Elemente mehr verankert als die Idee. Würfel, Flachdach und so weiter. Wenn man die Geschichte hinter dem Bauhaus kennt, ergibt sich aber für die Gebäude eine ganz andere Tiefe“, erklärt der Architekt Stephan Mölig im Pressegespräch.

Und genau darauf wolle man sich fokussieren: Einen Bogen spannen über Gebäude der Stadt, die man vielleicht so gar nicht im Blick habe. „Der Blick auf die Stadt wird sich dadurch verändern“, ergänzte Mölig.

v.l.n.r.: Hannelore Schlitt, Heinrich Meyer, Stadtarchivar Prof. Dr. Karl August Helfenbein, Architekt Stephan Mölig, Geschäftsführer des Stadtmarketings Erwin Fauß und Erster Stadtrat Lothar Pietsch.

Die Führung beginnt um 14 Uhr im Studienzentrum Lauterbach, das als Altes Amtsgericht bekannt ist. Nach einem kurzen Vortrag im Hörsaal geht es dann mit einem Bus zu den verschiednen Gebäuden der Stadt, an denen es einen Einblick in die Historie und die architektonischen Besonderheiten gibt. Die Teilnehmerzahl für die Führung ist begrenzt, eine Anmeldung beim Tourist-Center ist deswegen vorher erforderlich.

Die Herkunft und der politische Kontext

Hinter dem Stil steckt eine Menge Geschichte: Geprägt wurde der Begriff und der Stil des Bauhauses von Walter Gropius, der 1919 in Weimar die gleichnamige Kunstschule gründete. Dort widmete man sich der Zusammenführung von Kultur und Zivilisation, von Kunst und Handwerk und versuchte sich dabei an neuen Dingen und Materialen. „Eine sinnvolle und schlichte Siedlungs- und Raumgestaltung sollte erschwinglichen und sozialen Wohnraum für die arbeitende Bevölkerung schaffen. Die Fachwerkbauweise wurde abgelöst von Stein, Beton und Glas“, erklärte Heinrich Meyer.

Die Offenheit des Grundgedankens des Bauhauses spiegelte dabei auch die politische Landschaft Weimars wieder, in dem erstmals eine parlamentarische Demokratie in Deutschland bestand. Das Bauhaus stand seiner Zeit im Widerspruch zum aufkommenden, nationalsozialistischen Gedankengut, da es als „links“ und „international“ angesehen wurde. Aufgrund von Etatkürzungen nach einer Veränderung der Machtverhältnisse in Thüringen musste das Bauhaus deswegen 1925 nach Dessau umziehen.

Dort entstanden die ersten Möbel und die Zusammenarbeit mit der Industrie begann. Auch startete eine Bauhaus-Buchreihe und eine vierteljährliche Zeitschrift seit Dezember 1926.

Das Studienzentrum in Lauterbach, geplant durch den Architekten Stephan Mölig, zeigt einige Elemente des Bauhaus.

Nachdem die NSPAD 1931 die Gemeindewahl in Dessau gewann, wurde ein Jahr später die Schließung des Bauhauses beschlossen. Man versuchte, durch einen Umzug nach Berlin als private Einrichtung das Bauhaus fortzuführen, jedoch wurde auch dieses durch die Nationalsozialisten aufgelöst. 1945 wurde das Gebäude des Bauhauses in Dessau teilweise zerstört.

Die Nachwirkungen des Bauhaus-Stils sind dabei noch heute zu spüren: Das flache Dach, die weiße Fassade stehen für Reinheit und die großen Fensterfronten, um das Außen mit dem Innen zu verbinden, sind dabei nur wenige der bekannten Merkmale.