Eisbären werden Giessen 46ers nur zeitweise gefährlich

GIESSEN/BREMERHAVEN – Ein hartes Stück Arbeit, mit dem man anfangs nicht unbedingt gerechnet hatte, und letztendlich eine geglückte Revanche für die knappe Hinspielniederlage: Die Giessen 46ers haben sich in der 1. Basketball-Bundesliga (BBL) mit 101:92 (50:47) gegen die Eisbären Bremerhaven durchgesetzt und gehen mit einem guten Gefühl in die nun zweieinhalbwöchige Pause. Am 2. März geht es mit einem Heimspiel gegen Bamberg weiter. Bester Werfer im Team von Headcoach Ingo Freyer war Brandon Thomas (22 Pkt.), der auch für den “Hunderter” sorgte.

Eisbären Bremerhaven –
Giessen 46ers 92:101

Als David Bell in der 13. Minute auf 40:22 für Gießen erhöhte und Bremerhavens Headcoach Dan Panaggio erwartungsgemäß mit einer Auszeit reagierte, schien sich genau der Spielverlauf einzustellen, den man im Vorfeld erwartet hatte. Die 46ers gingen nach der überzeugenden Vorstellung gegen Ulm (99:90) mit breiter Brust in die Partie, die Hausherren warten indes seit dem 3. November auf einen Sieg – und müssen sich weiter gedulden (14 Niederlagen in Folge). Mit dem Wörtchen “Pflichtsieg” wollte sich 46ers-Cheftrainer Freyer vorab zwar nicht anfreunden und verwies darauf, dass “es sehr schwer ist, hier zu gewinnen. Bremerhaven ist ein denkbar unbequemer Gegner, zudem haben sie eigentlich nichts zu verlieren. Sie können die Überraschung schaffen, sie haben sehr gute Einzelspieler und ein gut zusammengestelltes Team”. Doch davon war in der mit 1568 Zuschauern sehr überschaubar besetzten Halle zunächst nicht viel bis gar nichts zu sehen.

Weil die 46ers genau die dominante Vorstellung auf das Parkett brachten, die sich Freyer gewünscht hatte. Aus einer weitgehend stabilen Defensive heraus, setzten die Mittelhessen ihren Gegner unter Druck, zwischenzeitlich schnürten sie den Eisbären mit einer Ganzfeldverteidigung noch effektiver die Luft ab. Nach zehn Minuten führten die Gäste deutlich mit 30:17, bis dato acht Assists, sechs Dreier bei neun Versuchen und eine klare Überlegenheit im Rebound unterstrichen Gießens Dominanz. Und diese ebbte nicht ab, im Gegenteil. Bis zum 40:22 von Bell in der 13. Minute.

Schon zwei Tage vor dem Spiel hatte unter anderem 46ers-Geschäftsführer Heiko Schelberg vor den Comeback-Qualitäten der Nordlichter gewarnt. “Wenn man denkt, dass sie weg sind…”, hatte er gesagt. An der Seitenlinie versuchte Freyer, das kleinste Aufflammen einer Aufholjagd mit Auszeiten oder Wechseln zu löschen, doch die Eisbären wurden nun bissiger. Das, was bei den 46ers gut lief, lief nun nicht mehr. Die Quote sank bei Gießen, Bremerhaven erwachte indes – auch wenn reichlich spät. Beim 35:40 (16.) war ein 13:0-Lauf perfekt. Ein von hinter der Mittellinie abgefeuerter Dreier von Jared Jordan, der letztlich mit 15 Punkten und neun Assists knapp ein Double-Double verpasste, sorgte lediglich für eine kurze Verschnaufpause. Zwei Dreier von Anthony Canty und Durrell Summers in der Schlussminute, und Bremerhaven war auf 47:50 dran. Der 18-Punkte-Vorsprung war futsch, 30 Gegenpunkte setzte es für die Gäste im zweiten Viertel.

“Gießen wird sehr motiviert sein, sie wollen nicht zwei Spiele gegen ein Team aus dem Keller verlieren”, hatte Eisbären-Coach Panaggio kurz vor dem Sprungball gesagt, doch das Momentum zum Kabinengang lag klar bei seinen Farben. In dieser Klarheit blieb es dort nicht, Bremerhaven ließ sich aber nicht noch einmal abschütteln – und übernahm beim 67:66 (28.) sogar für einen kurzen Augenblick die Führung. Jedoch nur kurz (72:75/30.).

Gießens in dieser schwierigen Phase möglicher Schlüssel zum Sieg: Den Ball bewegen, den Rebound kontrollieren – und damit das Geschehen bestimmen, so wie in der Anfangsviertelstunde; sprich, einem Gegner, der seit dreieinhalb Monaten auf einen Sieg wartet, durch Druck und hohes Tempo direkt das Gefühl nehmen, dass diesmal etwas gehen könnte.

Und das Spiel der “Sechsundvierziger” gestaltete sich schließlich wieder souveräner. Über 86:74 (35.) marschierte Gießen zum 101:92-Auswärtssieg. “Wir haben in der zweiten Halbzeit unsere Stärken wieder besser ausgespielt”, sagte Freyer, der sich mit seinem Team eine sehr ordentliche Ausgangsposition im Playoff-Rennen verschafft hat.