Gordon Banks war einer der grössten Fussballgoalies der Geschichte – doch

Gordon Banks war einer der wichtigsten Spieler in den Reihen der englischen Fussballnationalmannschaft, die 1966 unter denkwürdigen Umständen den Weltmeistertitel gewann. Sein Status als Goalie-Legende beruht aber auf einer einzigen Parade, die er vier Jahre später an der Weltmeisterschaft in Mexiko im Gruppenspiel gegen Brasilien zeigte. Der grosse Pelé traf eine Flanke perfekt mit dem Kopf und spedierte den Ball wuchtig in die untere rechte Torecke.

Banks schaffte es nicht nur, den Schuss richtig einzuschätzen und die Hand goldrichtig zu platzieren, sondern auch den Ball über die Latte zu lenken. Pelé hatte bereits «Gol!» geschrien. Brasilien sollte den Match schliesslich gewinnen, doch England rückte später in den Viertelfinal vor. Banks verpasste den Viertelfinal, weil er an Magenkrämpfen litt. England verlor 2:3 gegen Deutschland.

Verschwörungstheoretiker sind überzeugt, der Torwart sei vergiftet worden. Dass Banks wegen einer einzigen Parade in die Geschichtsbücher eingegangen ist, verzerrt das Bild gewaltig. Zwischen 1963 und 1972 spielte er 73-mal für das englische Nationalteam, hielt in 35 Partien den Kasten rein und ging nur 9-mal als Verlierer vom Platz. Von 1966 an kürte ihn der Weltfussballverband Fifa sechsmal in Folge zum Welt-Torhüter des Jahres.

Gordon Banks, geboren am 30. Dezember 1937 in Sheffield, erlebte eine merkwürdige Laufbahn mit Höhen und Tiefen. Seine internationale Karriere florierte, auf Klubebene verpasste er jedoch den Sprung zu einem grossen Verein. Banks war in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, verliess die Schule mit 15 Jahren. Er verdiente sein erstes Geld, indem er Kohlesäcke abfüllte. Mit 16 Jahren stiess er zum Nachwuchsteam des Drittligaklubs Chesterfield. Es fehlte ein Torhütercoach; Banks musste sich seine Technik autodidaktisch aneignen. Nach nur 23 Spielen in der ersten Mannschaft wurde er 1959 für 5000 Pfund zu Leicester transferiert. Die acht Saisons, die er dort verbrachte, beendete das Team mehrheitlich in der unteren Tabellenhälfte der obersten Spielklasse. Immerhin gewann es 1964 den Ligacup.

Obwohl der Torwart ein damaliger Weltmeister war, legten ihm die Klubchefs von Leicester City im Sommer 1967 nahe, sich einen neuen Klub zu suchen. Banks’ beste Zeiten seien vorbei, sagten sie in Leicester – und zogen ihm den jungen Peter Shilton vor. Sie weigerten sich gar, die übliche Treueprämie für die geleisteten Dienste zu überweisen. Banks wartete wochenlang auf ein Angebot von Liverpool, das laut Gerüchten eintreffen sollte. Es blieb aus, die Reds waren nicht gewillt, für einen Goalie den verlangten Transferpreis von 50000 Pfund aufzubringen. Der Klub aus Stoke war es schliesslich, der Banks engagierte. Ein Klub, der damals permanent in der unteren Tabellenhälfte platziert war.

Ein neunter Platz in der ersten Division, dazu der Ligacup-Gewinn im Jahr 1972: Es waren die einsamen Höhepunkte in der Karriere des weltbesten Goalies bei Stoke. Banks erblindete nach einem Autounfall im Oktober 1972 auf einem Auge. Dies bedeutete das Ende seiner seriösen Karriere; er spielte noch jeweils für kurze Zeit bei den Fort Lauderdale Strikers in den USA und bei St. Patrick’s Athletic in Irland. Ein Versuch, sich beim Regionalligisten Telford als Trainer zu etablieren, scheiterte. Bei der Entlassung wurde ihm angeboten, er könne noch ein paar Batzen als Losverkäufer verdienen. Das habe ihm das Herz gebrochen, sagte Banks später. Danach war er hinter den Kulissen im Klub von Stoke sowie in anderen Funktionen im Fussballbetrieb tätig.

In der Nacht auf Dienstag ist Banks 81-jährig verstorben. Die Todesursache ist offen. In den letzten Jahren war Banks zweimal wegen Nierenkrebs behandelt worden. Eine lange Reihe von alten und jungen Fussballern zollten Banks Respekt. «Ich habe meinen Helden verloren», twitterte Peter Shilton. Gary Lineker schrieb: «Ein absoluter Held von mir und zahllosen anderen Menschen.» Und der City-Spieler Raheem Sterling schrieb: «Natürlich gab es da diese Parade. Aber wir trauern heute um so viel mehr als das.»