Im TV: Frauen am Bauhaus – Eigensinn und Kreativität

Es war eine völlig neue Idee, auf der Architekt Walter Gropius seine Kunstschule, das Bauhaus, begründete: Die Kunst sollte sich wieder auf das Handwerk rückbesinnen, forderte er – und Frauen sollten auf Augenhöhe mit männlichen Kollegen studieren können. Im Gründungsjahr 1919 war seine Ankündigung, „keine Unterschiede zwischen dem schönen und starken Geschlecht“ zu machen, nahezu revoluzzerisch. Aber Gropius konnte seine Forderung nicht gänzlich in die Tat umsetzten: der gesellschaftliche und politische Widerstand war zu groß. Bald ruderte er zurück und versuchte, die weiblichen Studierenden hinter den Webstuhl zu verbannen. Das einzige Fach, das man den Damen landläufig zutraute . . .

Einige haben sich dennoch in anderen Fachgebieten behauptet – Marianne Brandts schnörkellos elegante Teekanne zeugt davon, auch Alma Buscher, deren Kinderzimmer-Möblage und Bauklötzchen-Schiff zum Aushängeschild der Universität werden sollten. „Lotte am Bauhaus“ erzählt fiktiv die Geschichte einer Studentin, die an Buscher erinnert. Lotte studiert gegen den Willen des Vaters am Bauhaus, weil sie nicht nur das Talent hat, sondern auch den Mut, sich zu widersetzen, und weil sie ihre Visionen nicht einer aufgezwungenen Ausbildung zum Büromäuschen opfern will. Eine Emanzipationsgeschichte aus den 1920er Jahren, die auch die Geschichte der Bauhaus-Bewegung erzählt – von den Anfängen in Weimar über die Übersiedlung nach Dessau bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten 1933. Alicia von Rittberg („Charité“) ist die so neugierige wie eigensinnige Lotte, die sich gleich für „die Bauhäusler“ interessiert, als sie sie das erste Mal nackt durch den Wald und in den See flitzen sieht. Noah Saavedra („Egon Schiele“) ist „einer von den Irren“ (wie die Leute sagen), Lottes Partner – und ein Mann. Er streift oft Lorbeeren ein, die eigentlich seiner Partnerin gebührten, und hat es auf dem Weg nach Oben viel leichter.

Jörg Hartmann („Tatort“-Kommissar Peter Faber) gibt Architekt Gropius als akkurat gekämmten Kreativen mit Neigung zum Wendehals. Regisseur Gregor Schnitzler stattet den Film mit überzeugendem 20er-Jahre-Charme aus – von der Farbgebung über die Darstellung der gesellschaftlichen Milieus bis zur Musik und den Kostüm-Partys. Gedreht wurde an Originalschauplätzen, auch die Schicksale der Figuren sind sehr nah an der historischen Realität. Das zeigt der zweite Teil dieses Themenabends – eine Doku über die „Bauhausfrauen“.

Themenabend am 13. 2.:  „Lotte am Bauhaus“ (20.15 Uhr) und „Bauhausfrauen“ (22 Uhr) im Ersten.