Brügge spürt Folgen von „Footballgate“

Selbst Brügge-Trainer Ivan Leko wurde im Oktober von der Polizei für eine Nacht festgehalten. Während seine Unschuld schnell bewiesen war, gilt einer seiner Ex-Manager im Skandal um Bestechung, Geldwäsche und Spielmanipulation als einer der Hauptverdächtigen.

Dragan Siljanoski, einst Lekos Berater, ist wegen Geldwäsche angeklagt. Der mazedonische Ex-Nationalspieler befindet sich nach Untersuchungshaft mittlerweile aber gegen Kaution auf freiem Fuß.

Tabellenführung verspielt

Sportlich hat „Footballgate“, wie die Affäre in Belgien genannt wird, den Club aber in ein kleines Tief gestürzt. Brügge verspielte die Tabellenführung. Nach nur fünf Punkten aus den ersten vier Ligaspielen des Jahres 2019 beträgt der Rückstand des ersten Verfolgers auf Spitzenreiter KRC Genk bereits elf Zähler. Im Angesicht der Affäre ist der 16. Meistertitel für Brügge in weite Ferne gerückt.

Die Schlagzeilen dominierte in Brügge zuletzt aber das zerrüttete Verhältnis zwischen Leko und Kapitän Ruud Vormer. Der niederländische Nationalspieler zeigte sich mit den Entscheidungen des Trainers zusehends unzufrieden. Leko könnte den Machtkampf mit seinem Mittelfeldstar verlieren, urteilen viele Beobachter. Der Vertrag des 41-Jährigen läuft mit Saisonende aus.

Ruud Vormer (Brügge)

Reuters/Sergio Perez

Das Verhältnis von Kapitän Ruud Vormer zu Trainer Ivan Leko ist zerrüttet

Neben Vormer sind Brügges Schlüsselspieler der brasilianische Sturmtank Wesley sowie Offensivmann Hans Vanaken, der im Herbst im belgischen Nationalteam debütiert hat. Auch U21-Teamspieler Siebe Schrijvers hat zuletzt aufgezeigt. Der u. a. vom AC Milan umworbene Flügelspieler Arnaut Danjuma fehlt gegen Salzburg. Der 22-jährige Niederländer ist seit Oktober mit einem Ermüdungsbruch out.

Angespannte Stimmung

Die Stimmung ist angespannt, ein Erfolg gegen Salzburg im Europa-League-Sechzehntelfinale käme gerade recht. Leko sieht sein Team mit den Bullen auf Augenhöhe. „Unsere Chancen sind 50:50“, sagte der Kroate über das Los. „Wir haben eine gute Champions-League-Saison gespielt und wollen das Gleiche auch in der Europa League schaffen.“

Tatsächlich überzeugte Belgiens Meister im Herbst in der Königsklasse, ließ dort als Gruppendritter hinter Borussia Dortmund und Atletico Madrid immerhin AS Monaco deutlich hinter sich. Vier Europacup-Spiele ist Brügge ungeschlagen, gegen Dortmund und Atletico gab es zum Abschluss der Champions-League-Gruppe jeweils ein 0:0.

„Wir haben sicher die Chance, weiterzukommen“, meinte Leko. Die Basis gelte es im Hinspiel am Donnerstag (21.00 Uhr) zu legen. Vor dem Rückspiel eine Woche später in Salzburg steht für Brügge am Sonntag im eigenen, 29.000 Zuschauer fassenden Jan-Breydel-Stadion auch noch der Ligaschlager gegen Genk auf dem Programm.

Freund warnt vor Brügge

Sportchef Christoph Freund warnte unterdessen aus Salzburger Sicht davor, die Aufgabe Brügge zu locker zu nehmen. „Viele gehen davon aus, dass das eine klare Sache wird. Wir wissen aber, was auf uns zukommt. Brügge ist ein richtig schwerer, heimstarker Gegner, der auch im Rhythmus drinnen ist. Es wird eine 50:50-Partie und ist keine g’mahte Wiesen“, meinte Freund.

Christoph Freund (RBS)

GEPA/Mathias Mandl

Salzburg-Sportchef Christoph Freund warnt vor dem „richtig schweren, heimstarken“ Gegner aus Brügge

Für die gestiegenen Erwartungen auf Salzburger Seite ist man mit dem Erreichen des EL-Halbfinales im Vorjahr selbst verantwortlich. Freund erinnerte freilich daran, dass man beim sensationellen Lauf neben Klasse auch das Schicksal auf seiner Seite hatte.

„Gegen Real Sociedad haben wir im Hinspiel in der 92. Minute das 2:2 geschossen, und zu Hause gab es zwei, drei Situationen, die auch in eine andere Richtung kippen hätten können“, sagte Freund exemplarisch im Rückblick auf das Sechzehntelfinale gegen die Spanier.