Daniil Medvedev: Weniger Ausraster, mehr Weltklasse

Daniil Medvedev hat sich in der Wahrnehmung der Next Gen mit Leistung nach vorne katapultiert. Längst sprechen Experten nicht mehr nur über seine Ausraster, sondern loben sein unorthodoxes, flaches Spiel.

Text: Bennet Kemper

Er kann durchaus als Mann der Stunde bezeichnet werden. Daniil Medvedev gewann in der vergangenen Woche bereits sein viertes ATP-Turnier mit dem Sieg beim 250-Event im bulgarischen Sofia. Im Endspiel besiegte er Marton Fucsovics aus Ungarn in zwei Sätzen mit 6:4, 6:3.

Bereits bei den Australian Open hatte der 23-Jährige seine starke Formkurve unter Beweis gestellt. Er erreichte das Achtelfinale und war im gesamten Turnierverlauf der einzige, der einen Satz gegen Novak Djokovic gewinnen konnte. Momentan belegt der Russe den 16.Platz in der Weltrangliste, was zugleich sein Career High ist. Und bei der unorthodoxen Spielweise des Russen längst nicht das Ende bedeuten muss.

Der Davis Cup-Spieler, der in Moskau geboren ist, zieht mit seiner Größe von 1,98 Metern das Aufsehen häufig auf sich. Seine Spielweise ist gewöhnungsbedürftig, da er sowohl die Vorhand als auch die Rückhand sehr gerade und flach spielt. Sein erstes Match auf der ATP-Tour bestritt er 2016 in Nizza – erst mit 20 Jahren. Aber: Er hat nicht lange gebraucht, um in die Weltspitze vorzudringen.

In dieser Woche schlägt Daniil Medvedev beim ATP-Tour-500-Turnier in Rotterdam auf. Ein Erfolg wie in Sofia scheint nicht weit weg. Sein Erstrundenmatch hat er am Mittwochmittag mit 7:6, 6:2 gegen Jeremy Chardy für sich entscheiden können. Im Achtelfinale trifft Medvedev auf den extrovertierten Spanier Fernando Verdasco.

Disqualifikation, Wortgefecht und Geldstrafe in Wimbledon

Der auf den Courts oft stoisch wirkende Medvedev hat allerdings auch eine extrovertierte Seite an sich. Ein Wortgefecht lieferte er sich im vergangenen Jahr mit Konkurrent Stefanos Tsitsipas beim ATP-Masters-1000-Turnier in Miami nach seinem Dreisatzsieg, was nicht gerade für einen kühlen Kopf spricht. Im Jahr zuvor hat er beim Wimbledon-Turnier mit Geld um sich geworfen, da er mit einer Entscheidung der Stuhlschiedsrichterin nicht einverstanden war. Dafür kassierte er eine Geldstrafe.

Die größte Kontroverse um Medvedev gab es 2016 beim ATP-Challenger-Turnier in Savannah, als er wegen angeblicher rassistischer Beleidigung disqualifiziert wurde. Der Grund „Schwerwiegendes unsportliches Verhalten, als er die Unparteilichkeit der Stuhlschiedsrichterin wegen ihrer Hautfarbe in Frage stellte”. Könnten ihm solche Aussetzer auf dem Weg nach oben möglicherweise im Weg stehen?

Im Moment scheint es, als hätte er sein Gemüt im Griff. Gilles Cervara, sein Coach, hat in gefordert und gefördert. Eine weitere Hilfestellung: Die Russen-Verbindung mit Karen Khachanov und Andrey Rublev. Khachanov verriet im exklusiven tennis MAGAZIN-Interview (Lesen Sie HIER mehr), dass das Trio gut befreundet ist und sich sehr unterstützt.

Ob aus Daniil Medvedev ein Top 3-Spieler oder ein Grand Slam-Sieger werden kann, bleibt abzuwarten. Doch mit seiner Topform kann er zurzeit jedem gefährlich werden. Kurzfristig ist der nächste Titel in Rotterdam möglich.