Der Gewinnsprung der Commerzbank hat einen Haken

Die Bank hat ihre Jahreszahlen für 2018 vorgelegt. Quelle: Reuters
Commerzbank

Die Bank hat ihre Jahreszahlen für 2018 vorgelegt.



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FrankfurtDie Commerzbank hat im abgelaufenen Geschäftsjahr unter dem Strich 865 Millionen Euro verdient. Das ist fast sieben Mal so viel wie im Vorjahr, als Restrukturierungskosten das Ergebnis belastet hatten. Aber die Jahreszahlen, die das Kreditinstitut am Donnerstagmorgen vorlegte, zeigen auch: das einst starke Mittelstandsgeschäft lahmt.

  • Der operative Gewinn der Commerzbank ist um knapp zehn Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gestiegen, das Nettoergebnis auf 865 Millionen Euro. Das lag vor allem daran, dass die Risikovorsorge für faule Kredite mit 446 Millionen Euro deutlich unter dem Vorjahreswert blieb.
  • Auf den ersten Blick sind die Erträge des Instituts leicht auf 8,6 Milliarden Euro gesunken. Rechnet man Sondereffekte heraus – im Vorjahr hatte das Institut noch von Beteiligungs- und Immobilienverkäufen profitiert – sind sie allerdings um fünf Prozent gestiegen.
  • Die Verwaltungskosten lagen mit 6,9 Milliarden Euro zwar ein wenig über dem Vorjahresniveau, blieben damit aber noch immer unter dem angepeilten Kostenziel für das Gesamtjahr von 7,1 Milliarden Euro.

Das fällt positiv auf:

Mit den Altlasten der Vergangenheit hat die Commerzbank mittlerweile fast abgeschlossen. Die Bank hat ihre Abbauportfolios aus Schiffs- und gewerblichen Immobilienkrediten um weitere 5,1 Milliarden Euro senken können.

Das besonders kritische Portfolio aus Schiffskrediten ist mit weniger als 500 Millionen Euro auf ein mittlerweile überschaubares Niveau geschrumpft.

Beim Kundenwachstum kann die Commerzbank liefern. Trotz der Delle, die das frühe Ausscheiden der Fußballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft beim Marketing der Bank verursachte, hat die Commerzbank ihr Zwischenziel von einer Million neuer Privatkunden erreicht. Die Firmenkundensparte hat mittlerweile knapp 9000 Kunden gewonnen und das Zwischenziel von 7000 weit hinter sich gelassen.

Auch wenn die Ertragsentwicklung unter dem Strich verhalten ist: Rechnet man Sondereffekte heraus, steigen die Bruttoerträge trotz niedriger Zinsen, im vergangenen Jahr um immerhin fünf Prozent. Hier zahlt sich das Kundenwachstum aus.

Das fällt negativ auf:

Die Commerzbank hat bislang sehr stark von der enorm niedrigen Risikovorsorge profitiert. Ein wichtiger Teil ihres Gewinnanstiegs geht auf diesen Faktor zurück. Doch mittlerweile schwächt sich die günstige Konjunkturentwicklung ab und die Commerzbank beginnt, das auch in ihrem Geschäft zu spüren.

Im Geschäftsjahr 2018 sind die Risikokosten für faule Kredite Quartal für Quartal gestiegen – und im kommenden Jahr rechnet das Institut mit Risikokosten „nicht weniger als 550 Millionen Euro“. Im vergangenen Jahr waren es noch 446 Millionen Euro.

Die Entwicklung der Firmenkundensparte bleibt unerfreulich: Weniger Erträge, weniger Gewinn im Jahr 2018 lautet das Resümee. Im vierten Quartal hat das Institut operativ zwar mehr verdient als im Vorjahresquartal. Aber das ist allein der geringeren Risikovorsorge zu verdanken.

Die Bruttoerträge sind, auch bereinigt um Sondereffekte, auch im Schlussquartal geringer ausgefallen. Das gilt vor allem das Mittelstandsgeschäft, einst die größte Stärke der Bank. Die Bank begründet das mit dem beinharten Wettbewerb und dem geringen Interesse der Kunden nach Kapitalmarktprodukten.

Die harte Kernkapitalquote, also das Eigenkapitalpolster der Bank in Relation zum Geschäftsvolumen, ist auf 12,9 Prozent gesunken. Ein Grund dafür ist allerdings das Kreditwachstum des Instituts.

Was kommt:

Die Commerzbank hat für das laufende Jahr höhere Erträge und niedrigere Kosten versprochen. Die Verwaltungsausgaben für 2019 sollen unter 6,8 Milliarden Euro bleiben. Wie deutlich die Erträge steigen sollen, sagte die Commerzbank aber nicht.

Dafür soll die Dividende für das laufende Geschäftsjahr ähnlich hoch ausfallen wie die für 2018, die 20 Cent je Aktie beträgt. Mit Blick darauf, dass dies erst die zweite Dividende seit der staatlichen Rettung des Instituts in der Finanzkrise ist.

Seinen Umbau will das Institut beschleunigen. Denn die erste Halbzeit der im Herbst 2016 ausgerufenen Ziele zeigt nach Worten von Vorstandschef Martin Zielke, „dass wir angesichts des herausfordernden Umfelds noch schneller werden müssen“. In der Frankfurter Zentrale sollen gemeinsame Teams von IT- und Produktexperten zum Beispiel neue Angebote schneller an den Markt bringen.