Düsseldorf – haben die Taxifahrer recht mit ihrer Kritik an Uber?

Der weltweite Wettlauf um die Marktführerschaft bei der Mobilität der Zukunft findet auch auf deutschen Straßen statt. Ein Unternehmen steht dabei besonders im Fokus: Der US-Fahrdienstvermittler Uber, der auch in Düsseldorf aktiv ist. Speziell die Taxi-Branche sieht Uber kritisch. Warum eigentlich?

Was hat die Taxi-Branche gegen Uber?

Viele Taxi-Unternehmer fürchten um ihre Existenz. „In Berlin berichten die Kollegen, dass sie durch Uber bereits Umsätze verlieren – speziell nachts und im Umkreis von Diskotheken“, sagt Thomas Grätz, Geschäftsführer des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands. Bislang ist der Taxi-Markt streng reguliert und die Lizenzen lokal gedeckelt. Nun wird dieses Beförderungsmonopol von Uber und Co. aufgebrochen. Zwei Uber-Angebote wurden in der Vergangenheit gerichtlich verboten, die Branche fürchtet, dass sich Uber auch jetzt nicht an die Regeln hält. Uber bestreitet das.

Welche Regeln gelten für Anbieter wie Uber?

Uber vermittelt Fahrten an Mietwagenfirmen. Für diese gilt laut Personenbeförderungsrecht eine Rückkehrpflicht an den Betriebssitz nach jeder Fahrt – mit einer Ausnahme. Fahrer dürfen auf dem Rückweg zum Betriebssitz neue Fahrgäste aufnehmen, wenn der Auftrag am Betriebssitz eingegangen ist und dort in ein Betriebsbuch eingetragen wurde. Für die städtischen Mitarbeiter ist es schwierig, dies in jedem Einzelfall nachzuprüfen – speziell wenn es um auswärtige Unternehmen geht.

Wie geht Düsseldorf mit auswärtigen Mietwagen-Unternehmen um?

Die Stadt muss als Aufsichtsbehörde auf Amtshilfe der anderen Kommunen bzw. Kreise hoffen, in denen die Firmen gemeldet sind. „Das ist unser großes Dilemma“, sagt der Düsseldorfer Dezernent Andreas Meyer-Falcke: „Jede Stadt legt ihre eigenen Prioritäten fest.“ Fragt man ihn, welche nächstgelegene Stadt die Fahrer so streng kontrolliert wie Düsseldorf, sagt er: „Hamburg.“

Was sagt Uber dazu?

„Vorwürfe, dass Rückkehrpflichten nicht eingehalten würden, nehmen wir sehr ernst“, sagt Uber-Deutschland-Chef Christoph Weigler: „Wir gehen weiter als alle anderen Unternehmen am Markt, um solche Verstöße zu verhindern.“ Nachdem es zuletzt Vorwürfe gab, ein Mietwagenunternehmen aus Bonn würde Rückkehrpflichten bei Fahrten für Uber nicht einhalten, informierte Meyer-Falcke seine Kollegen per Brief. Auch Uber hat offenbar reagiert: In Düsseldorf arbeitet das Unternehmen aktuell nach eigenen Angaben mit keinem Partner aus Bonn zusammen.

Könnte Uber nicht anhand der eigenen Daten sehen, ob Rückkehrpflichten eingehalten werden?

Das ist laut Weigler nicht so leicht. „Uber-Fahrten machen bei vielen der Mietwagen-Unternehmen nur einen kleinen bis mittleren Teil der Aufträge aus. Wenn ein Fahrer dann zum Beispiel einen Uber-Fahrgast am Flughafen absetzt und dort wartet, weil er eine Vorbestellung von einem Stammkunden hat, gehört es zum völlig normalen Mietwagengeschäft, dass er vor Ort wartet. Nur wenn man diese ganze Bandbreite der Auftragslage kennt, kann man beurteilen, ob sich Fahrer an die Rückkehrpflicht halten oder nicht.“

Viele Kunden kritisieren, die Taxi-Preise in Düsseldorf seien zu hoch.

Verglichen mit anderen Großstädten im Rheinland sind die Tarife tatsächlich teurer. In Bonn kostet die Grundgebühr 2,80 Euro, in Köln 3,90 Euro und in Düsseldorf 4,50 Euro. Für eine Fahrtstrecke von fünf Kilometern würden in Bonn 9,81 Euro fällig, in Köln zehn Euro und in Düsseldorf elf Euro. Gleichzeitig herrscht in Düsseldorf ein größerer Konkurrenzkampf. Köln hat bei rund 1,1 Millionen Einwohnern 1184 Taxi-Lizenzen, in Düsseldorf sind es bei rund 610.000 Menschen knapp 1400.

Ist Uber günstiger als das Taxi?

Häufig liegen die Preise in der Uber-App unterhalb der örtlich geltenden Taxi-Preise. Allerdings setzt Uber auf sogenannte dynamische Preise. Wenn die Nachfrage besonders hoch ist, steigen auch die Preise. Laut Uber-Chef Weigler diene das dazu, die Nachfrage zu regulieren. Im Zweifel könne man auch ein Limit setzen. Der Kunde könne den Preis vorab sehen und dann entscheiden, ob er noch warten und später zu einem niedrigen Preis fahren wolle. „2019 lag der höchste Preisausschlag bislang bei 40 Prozent über dem Standardtarif, obwohl es in Düsseldorf mit der ,Boot‘ auch eine große Messeveranstaltung und damit eine hohe Nachfrage gab.“