„Eklig und giftig“: Leverkusens Herausforderung in Südrussland

Köln –

Gestapelt auf einem Tresen lagen dutzende Reisepässe im Check-in-Bereich des Köln-Bonner Flughafens. Ein Malheur, wie es Borussia Dortmund am Tag zuvor unterlaufen war, wollte Bayer 04 Leverkusen unbedingt vermeiden. Beim BVB hatten Jadon Sancho und Abdou Diallo ihre Papiere vergessen, mussten vom Flughafen noch einmal zurück nach Hause – der Start der Maschine zum Champions-League-Spiel nach London verzögerte sich um eine halbe Stunde. Der durchorganisierte Leverkusener Tross konnte am Mittwochmorgen aber pünktlich abheben. Am Nachmittag landete die Maschine nach dreieinhalbstündigen Flug im südrussischen Krasnodar, wo am Donnerstagabend (18.55 Uhr/Dazn) das Hinspiel der Europa-League-Zwischenrunde stattfindet. Nach den vergleichsweise souveränen Auftritten in der Vorrunde gegen den FC Zürich, AEK Larnaka und Ludogorez Rasgrad hatte sich Bayer 04 als Gruppenerster für die K.o.-Phase qualifiziert.

Simon Rolfes warnte vor dem Abflug vor der nun ungleich schwereren Aufgabe beim russischen Topklub. „Den Erfolg aus der Gruppenphase wollen wir natürlich gerne mitnehmen in die K.o.-Runde. Aber die Gegner, wie zum Beispiel Krasnodar, sind ein ganz anderes Kaliber  als die in der Vorrunde“, sagte der Sportdirektor. Allerdings ist auch Bayer 04 unter Trainer Peter Bosz ein anderes Kaliber als unter Heiko Herrlich im Jahr 2018, gerade in der Bundesliga mit den spektakulären Siegen gegen Mainz (5:1) und München (3:1). Das peinliche Pokalaus beim Zweitligisten Heidenheim (0:1) wird deshalb mehr als Betriebsunfall denn als Ausdruck anhaltend fehlender Konstanz betrachtet. „Wir haben zuletzt oft sehr gute Leistungen gezeigt. Dass auch mal Phasen dabei sind, die nicht so stark sind, ist in einem Entwicklungsprozess ganz normal“, sagte Rolfes.

Peter Bosz wird keine Leistungsträger schonen

Abwehrchef Sven Bender verbindet mit Krasnodar allerdings nicht viel Positives. „Diese Spiele sind eklig. Du hast eine lange Anreise, nicht die Hotels, die du gewohnt bist. Die ganzen Begleitumstände sind etwas anders. Wir müssen uns auf eine giftige Atmosphäre einstellen“, sagte der ehemalige Dortmunder. Mit dem BVB hatte er 2015/16 in der Gruppenphase der Europa League 0:1 in Krasnodar verloren. Anders als im Pokal, als Trainer Bosz großzügig durchrotierte, wird Sven Bender nun in der Startelf stehen – wie auch alle anderen Stammkräfte. Zu wichtig ist der Europapokal für Bayer 04, als dass Bosz eine Möglichkeit hätte, mit Blick auf die Bundesliga und das Heimspiel am Sonntag gegen Düsseldorf (18 Uhr/Sky) irgendwelche Leistungsträger zu schonen. Man habe auch schon vor dem Pokalaus Ambitionen in der Europa League gehabt, sagte Rolfes, aber nun sei der Wunsch, weit zu kommen, noch größer. Trainer Bosz hat auf diesem Gebiet Erfahrungen, 2017 kam er mit Ajax Amsterdam bis ins Finale, ehe er an Manchester United scheiterte (0:2).

Beim russischen Tabellenzweiten Krasnodar, dessen letztes Pflichtspiel aufgrund der Winterpause zwei Monate zurückliegt, muss Leverkusen auf Kapitän Lars Bender (Muskelfaserriss) verzichten.  Julian Baumgartlinger steht trotz Nasenbeinbruchs zur Verfügung. Der Österreicher könnte mit einer Gesichtsmaske auflaufen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen

Krasnodar: Krizjuk – Fjóluson, Martynowitsch, Spajic, Wanderson – Gazinski, Claesson, Pereyra – Kaboré, Ignatjew, Petrow. – Leverkusen: Hradecky – Weiser, Tah, S. Bender, Wendell – Aranguiz, Havertz, Brandt – Bellarabi, Volland, Bailey. – Schiedsrichter: Massa (Italien).