Herzschrittmacher zurückgerufen – Hunderte Patienten betroffen

Der Medizinprodukte-Hersteller Medtronic ruft nach Recherchen von „NDR 1 Niedersachsen“ und „Hallo Niedersachsen“ in Hannover Hunderte Herzschrittmacher zurück. Allein vom Klinikum Siloah hätten 590 Patienten einen Brief bekommen, der sie über einen „möglichen Funktionsverlust“ informiere und zur Kontrolle einbestelle, teilte der NDR mit. Auch die „Hannoversche Allgemeine“ berichtet darüber.

An der Medizinischen Hochschule Hannover seien 70 Patienten betroffen, am Klinikum Oldenburg 25. Dort gehe man davon aus, dass alle Herzzentren in Deutschland die fehlerhaften Medtronic-Geräte eingesetzt haben.

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Es geht den Recherchen zufolge um verschiedene Herzschrittmacher-Modelle des Herstellers, die zwischen März 2017 und Januar 2019 implantiert worden sind. Der Chefarzt des KRH Klinikums Siloah, Andreas Franke, sprach gegenüber dem NDR von der größten Rückrufaktion, die er bisher erlebt habe. Er gehe aber davon aus, dass in den meisten Fällen eine neue Software ausreiche und die Patienten nicht operiert werden müssten.

In einer schriftlichen Stellungnahme des Herstellers Medtronic heißt es: „In sehr seltenen Fällen und nur unter bestimmten Voraussetzungen kann es zu einer Stimulationspause kommen.“ Medtronic arbeitet laut NDR derzeit an einem Software-Update.

Vermutlich sei es nur in wenigen Fällen nötig, den Herzschrittmacher durch eine Operation auszutauschen. Wie viele Patienten sich bundesweit untersuchen lassen müssen, ist den Angaben zufolge unklar. Der Hersteller wolle keine Zahlen nennen, heißt es vom NDR.

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Zudem gebe es kein bundesweites Register. Ein solches hält die Niedersächsische Ärztekammer für dringend erforderlich. Ärztekammer-Sprecher Thomas Spieker plädierte gegenüber dem Sender dafür, dass „staatlich zertifizierte Prüfunternehmen wie der TÜV diese Medizinprodukte dann kontrollieren und testen“. Bislang könnten sich die Hersteller ihre Gutachter europaweit aussuchen.

Weltweit seien 157.000 möglicherweise fehlerhafte Medtronic-Herzschrittmacher verkauft worden, hieß es. Bisher gebe es laut dem US-amerikanischem Hersteller vier gemeldete Fälle bei zwei Patienten, in denen die Geräte nicht richtig funktioniert hätten. Die Folge sei jeweils eine Ohnmacht gewesen.

Von RND/epd