Jagd auf Problemwolf "GW924m": Ministerium schickt anonymes Abschusskommando

In Schleswig-Holstein: Jagd auf Problemwolf “GW924m”: Ministerium schickt anonymes Abschusskommando

In Schleswig-Holstein ist seit Ende 2018 immer wieder ein Wolf auffällig geworden. Das Tier mit der Bezeichnung GW924m hat nun erneut Schafe auf der Weide hinter einem Herdenschutzzaun gerissen. Jetzt wird er von einer anonymen Gruppe von Jägern gejagt. Ziel: Abschuss.

Im schleswig-holsteinischen Kreis Pinneberg hat der Wolf mit der Kennzeichnung GW924m erneut einen Herdenschutzzaun überwunden und Schafe dahinter gerissen. Das berichtet die „Bild-Zeitung“. Weil er mehr als einmal auffällig wurde, ist der junge Wolf seit Ende Januar zum Abschuss freigegeben. Doch nicht jeder darf ihn jagen. Das Umweltministerium Schleswig-Holstein wählte hierzu ein anonymes Abschusskommando aus.

„Der Wolf ist mehrfach hinter wolfssichere Zäune gegangen“, erklärt Joschka Touré, Sprecher des Ministeriums – und damit handelt es sich bei ihm um einen Problemwolf. Einen Abschuss kann die zuständige Naturschutzbehörde immer dann in Erwägung ziehen, wenn ein Wolf mehrmals, mindestens zweimal, einen Herdenschutzzaun überwunden hat.

Bis Ende Januar soll der Wolf mit der Kennzeichnung GW924m mindestens acht Risse hinter Herdenschutzzäunen im Kreis Pinneberg verursacht haben, wie der NDR berichtet. Am vergangenen Dienstag kam dann der erneute Angriff auf Schafe in Rethwisch (Kreis Pinneberg) hinzu.

Ministerium schickt anonymes Abschusskommando

Der Problemwolf “GW924m” wird nun gejagt – von einer Gruppe, über die nicht viel bekannt ist. Um den Schutz der Jäger zu garantieren, bleiben sie anonym. Weiter ist auch nicht bekannt, um wie viele Personen es sich handelt.  Denn die Diskussion zwischen Landwirten und Naturschützern um den Schutzstatus des Wolfs kocht mittlerweile hoch.

Dass es sich immer wieder um den gleichen Wolf gehandelt hatte, ist indes sicher. „Wir wissen es durch die Proben der letzten Monate“, sagt Touré. Denn wenn es zu Rissen, beispielsweise von Schafen, kommt, wird immer eine Probe entnommen, an das Senckenberg-Institut in Frankfurt am Main geschickt und dort genetisch untersucht.

Der Rüde mit der Kennzeichnung GW924m kommt vermutlich aus Dänemark und hält sich seit Mitte 2018 in der Region um Pinneberg in Schleswig-Holstein auf.  

Wölfe sind gegenüber dem Menschen scheu

In Schleswig-Holstein leben laut Touré mittlerweile drei bis vier Wölfe – alles Einzeltiere. Es wird davon ausgegangen, dass es sich um Jungtiere handelt, die sich von ihrem Rudel getrennt haben, um eigene Territorien zu finden. Nicht alle Tiere sind „problematisch“. Im Kreis Segeberg sei etwa mehrfach eine Wölfin gesichtet worden, die sich bisher völlig unauffällig verhalte.

„Wölfe sind scheue Tiere, gerade gegenüber Menschen“, erklärt Joschka Touré. Dass von den Tieren eine akute Gefahr für den Menschen ausgehe, glaubt der Sprecher des Umweltministeriums Schleswig-Holstein daher nicht. Es sei bisher deutschlandweit sehr selten vorgekommen, dass sich Wölfe Menschen genähert hätten.

Nach deutscher Rechtslage sind Wölfe durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders streng geschützt und dürfen nicht gefangen oder getötet werden. Wer einen Wolf dennoch ohne Genehmigung erschießt, muss laut dem mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro und einer dreijährigen Haftstrafe rechnen. 

“Der Wolf hat keine natürliche Scheu vor dem Menschen”

Deutschlandweit hatte das Bundesamt für Naturschutz zuletzt 73 Wolfsrudel und 30 Paare bestätigt, sowie einige sesshafte Einzeltiere. Für den Artenschutz sind das positive Nachrichten – für Landwirte nicht unbedingt, denn in Deutschland kommt es immer wieder zu Wolfsattacken, bei denen dutzende Nutz- und Weidetiere umkommen. Daher werden Forderungen laut, den hohen Schutz, unter dem Wölfe stehen, zu lockern.

Torsten Reinwald, der Sprecher des Deutschen Jagdverbands, hält es etwa für sinnvoll, den strengen Schutzstatus, den der Wolf in Deutschland hat, aufzuweichen, um schneller und unbürokratischer reagieren zu können. “Kein Land hat eine so hohe Bevölkerungsdichte und so viele Wölfe wie Deutschland”, sagt Reinwald.

Und das Zusammenleben von Mensch und Wolf funktioniere nur dann, wenn beide Respekt voreinander hätten. “Der Wolf hat keine natürliche Scheu vor dem Menschen, man muss ihm beibringen, sich fernzuhalten, und schnell eingreifen, wenn ein Wolf verhaltensauffällig wird.”

Eine Gefahr für den Menschen, die vom Wolf ausgeht, sieht Reinwald generell aber nicht – zumindest solange nicht, wie der Mensch akzeptiert, dass der Wolf ein Wildtier ist und sich so verhält. Werden Wölfe zum Beispiel angefüttert, verlieren sie schnell die scheu.

Für die Weidewirtschaft sind die Wölfe dennoch eine Herausforderung. Schleswig-Holsteins Schäfer fürchten die Tiere. Bei einer Demonstration in Dithmarschen machten sie am Mittwoch auf ihre Probleme durch den grauen Jäger aufmerksam. Nach Angaben des Ministeriums wurden seit der Rückkehr des Wolfs im Jahr 2007 bis Anfang Januar insgesamt rund 98 Attacken auf Schafe, Kälber und Ponys registriert. “75 der nachgewiesenen Wolfsrisse stammen aus dem Jahr 2018”, sagt Touré. Dazu kommen noch die vielen toten Tiere der vergangenen Wochen.

Im Video: Video zeigt streunenden Wolf in Magdeburg – Stadt spricht jetzt eine Warnung aus

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FOCUS Online/Wochit
Video zeigt streunenden Wolf in Magdeburg – Stadt spricht jetzt eine Warnung aus