Schleier-Verbot: Uni Kiel handelt konsequent

Stand: 13.02.2019 17:41 Uhr

Die Kieler Universität hat nach einem Konflikt mit einer muslimischen Studentin eine Vollverschleierung des Gesichts in Lehrveranstaltungen verboten. Auf dem Campus könnten Studentinnen aber etwa eine Niqab, die nur einen Augenschlitz zulässt, tragen. In der Richtlinie wird das Verbot mit dem Hinweis begründet, es brauche in Forschung und Lehre die offene Kommunikation, die nicht nur auf dem gesprochenen Wort, sondern auch auf Mimik und Gestik beruhe. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) will auch das Schulgesetz in Schleswig-Holstein entsprechend ändern.

Ein Kommentar von Florian Breitmeier, NDR Redaktion Religion und Gesellschaft

Bild vergrößern

Eine Schülerin muss im Unterricht klar erkennbar sein, damit die Lehrkraft die Antworten eindeutig zuordnen kann, meint Florian Breitmeier.

In einer freien Gesellschaft kommt es immer wieder vor, dass wir auf Meinungen, Positionen und Glaubensgrundsätze treffen, die uns persönlich nicht gefallen – das gilt selbstverständlich auch für religiöse Überzeugungen. Die Religionsfreiheit ist ein hohes Gut und fest im Grundgesetz verankert. Ein generelles Burka- oder Niqabverbot in der Öffentlichkeit wird deshalb auch schwer umzusetzen sein.

Nachvollziehbare Entscheidung in Kiel

Im konkreten Kieler Fall sieht die Lage jedoch anders aus. Die Entscheidung der Universität, der Studentin das Tragen eines Gesichtsschleiers in einer Lehrveranstaltung zu verbieten, ist nachvollziehbar. Konsequent ist auch die Ankündigung der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Karin Prien (CDU), die Vollverschleierung künftig auch in den Schulen untersagen lassen zu wollen. In Niedersachsen gilt dies übrigens schon seit 2017.

In Schulen und an Universitäten soll nicht nur stur Wissen vermittelt werden. Es sind Orte der Offenheit, der demokratischen Meinungsbildung, der Integration. Es wäre deshalb nicht einfach hinnehmbar, wenn die wissenschaftliche Forschung und die Vermittlung ihrer Erträge einfach persönlichen religiösen Ansprüchen unterworfen werden könnte. Zum Beispiel wenn Vorlesungen unterbrochen würden, weil Gebetszeiten einzuhalten sind.

Kiel: Uni verbietet Vollverschleierung

NDR//Aktuell – 13.02.2019 14:00 Uhr

Bei Lehrveranstaltungen an der Universität Kiel ist es künftig nicht gestattet, vollverschleiert zu erscheinen. Zu einer offenen Kommunikation gehöre Gestik und Mimik, so die Begründung.

Individuelle Religionsfreiheit hat ihre Grenzen

Sicher, mit Blick auf die Niqab-Entscheidung in Kiel könnten Kritiker einwenden: Es findet sich im Grundgesetz kein Artikel, der vorschreibt, das Gesicht bei der Kommunikation zu sehen. Es gibt aber gerade an einer Universität, in einer Schule und in Behörden sehr gute Gründe dafür. Die individuelle Religionsfreiheit findet dort ihre Grenzen, wo sie zum Beispiel den allgemeinen Schulfrieden gefährden kann.

Eine Schülerin muss im Unterricht klar erkennbar sein, damit die Lehrkraft die Antworten eindeutig zuordnen kann. Theoretisch könnte ja eine Niqab-tragende Schülerin in der großen Pause das Schulgelände verlassen, und jemand anderes könnte vollverschleiert am Unterricht teilnehmen. Und ob das Heben des Schleiers vor jeder Stunde praktikabel ist, zumal wenn ein Lehrer die Schülerin dazu auffordert, muss auch bezweifelt werden. Schule und Universität kommen hier an organisatorische Grenzen, die dem sozialen Frieden nicht gut tun.

Klare Regeln sind nötig

Keine Frage: Religiöse Überzeugungen sollen in einer offenen Gesellschaft auch zum Ausdruck kommen. Die Universität Hamburg hat übrigens mit der Einführung eines eigenen Verhaltenskodex zur Religionsausübung seit mehr als zwei Jahren gute Erfahrungen gemacht. Es gibt klare Regeln. Die Hochschule hat aber auch einen gewissen Handlungsspielraum. So ist zum Beispiel bei Prüfungen die Vollverschleierung untersagt, auf dem Campus kann der Schleier hingegen getragen werden. So soll es auch in Kiel sein.

Man mag einwerfen, es handle sich bei dem zusätzlich geplanten Schulgesetz in Kiel um reine Symbolpolitik. So ist in den rund 800 Schulen Schleswig-Holsteins nach Ministeriumsangaben bislang keine Schülerin mit Burka oder Niqab erschienen. Aber Schulleiterinnen und Schulleiter brauchen dennoch Rechtssicherheit. Das Vorhaben ist daher nicht kleinkariert, sondern konsequent.

Weitere Informationen

Dieses Thema im Programm:

NDR Info |
Kommentar |
13.02.2019 | 17:08 Uhr