Tschüss alter "Lappen": Die alten Führerscheine müssen früher weg als gedacht

Die Bundesländer wollen den bereits beschlossenen Umtausch von alten Führerscheinen drastisch vorziehen: Statt erst im Jahr 2033 sollen die ersten Autofahrer ihre alte Fahrlizenz bereits bis spätestens Januar 2022 gegen eine neue eintauschen – also schon in knapp drei Jahren. Das betrifft alle Führerscheinbesitzer die zwischen 1953 und 1958 geboren sind. In den Jahren darauf sollen gestaffelt die jüngeren Jahrgänge folgen. Nur wer vor 1953 auf die Welt gekommen ist, hat weiterhin Zeit bis Anfang 2033. Eine entsprechende Regelung wollen die Länder am Freitag im Bundesrat beschließen.

Der Umtausch wird nötig, weil Führerscheine aufgrund einer zwölf Jahre alten EU-Richtlinie nur noch befristet ausgestellt werden dürfen, für höchstens 15 Jahre. Seit 2013 ist das auch in Deutschland bei neuen Fahrerlaubnissen der Fall – doch die vor Jahrzehnten ausgegebenen grauen und rosa “Lappen” sind nach wie vor im Umlauf und gültig. Sie müssen daher ebenso bis spätestens 2033 ersetzt werden wie die vor 2013 unbefristet ausgestellten Scheckkarten-Führerscheine. Weil Deutschland mit der Umsetzung der Richtlinie zu lange zögerlich geblieben war, hatte Brüssel sogar ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet.

15 Millionen graue und rosa Lappen sind noch im Umlauf

Nun machen die Länder sogar mehr Tempo als nötig. Mit dem Abrücken von der langen Umtauschfrist bis Anfang 2033 und der Staffelung der Umtauschtermine wollen sie verhindern, dass alle Autofahrer auf den letzen Drücker ihren geliebten alten Führerschein auswechseln wollen und die Behörden dann unter dem Ansturm zusammenbrechen. Allein 15 Millionen graue und rosa Lappen sind noch im Umlauf. “Wir brauchen die Staffelung, weil wir sonst im Jahr 2032 und Anfang 2033 ein Riesenproblem bekommen”, sagt Schleswig-Holsteins Bundesbevollmächtigter Ingbert Liebing.

Bewusst ausnehmen vom vorgezogenen Umtausch wollen die Länder diejenigen Autofahrer, die vor 1953 geboren sind, also 67 Jahre und älter sind. “Damit soll ihnen erspart werden, ihren Führerschein vorzeitig umtauschen zu müssen, obwohl altersbedingt nicht sicher ist, ob sie nach dem Stichtag des 19. Januar 2033 von ihrer Fahrerlaubnis Gebrauch machen möchten”, heißt es in der Begründung der Länder.

Befristete Führerscheine als Mittel gegen Fälschungen

Der Grund für die Einführung befristeter Führerscheine durch die EU ist vor allem der Kampf gegen Fälschungen. Zudem würden so regelmäßige ärztliche Untersuchungen zur Überprüfung der Fahreignung möglich, heißt es in der EU-Richtlinie. In Deutschland allerdings sind die bisher nicht geplant. Auch sonst entstehen den Führerschein-Inhabern hierzulande außer der Gebühr für das neue Dokument keine Nachteile durch den Zwangsumtausch. Vor allem müssen sie keine erneute Prüfung ablegen.

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