Zwei japanische Studentinnen entdecken Wuppertal

Die Bergische Universität Wuppertal pflegt auf der ganzen Welt Partnerschaften zu verschiedenen Hochschulen. Immer wieder verschlägt es Studierende aller Kontinente in die Stadt mit der Schwebebahn – so auch die beiden japanischen Studentinnen Kyoko Naruse (23, Master in Chemie) und Ikuko Hiraga (23, Master in Informatik) aus der Millionenstadt Tokyo. Über das International Training Program (ITP), das Studentinnen von MINT-Fächern fördert, sind sie für ein Semester nach Deutschland gekommen.

In Japan besuchen beide die Frauenuniversität Ochanomizu in Tokyo, die seit 2002 Partner-Uni der Universität Wuppertal ist. Hier leben sie in einem Wohnheim des Hochschul-Sozialwerks an der Max-Horkheimer-Straße. Beide fühlen sich wohl und willkommen, mussten sich aber erst zurechtfinden und einige Unterschiede kennenlernen.

Die Studienkosten betragen
600 statt 4000 Euro pro Jahr

Überrascht waren sie von den niedrigen Kosten, die im Zusammenhang mit dem Studium anfallen. Während sie in Japan umgerechnet rund 4000 Euro pro Jahr aufbringen müssen, werden hier etwas mehr als 600 Euro fällig – ein NRW-weit gültiges Semesterticket inklusive. In Japan gebe es lediglich ein vergünstigtes Ticket, das nur die Strecke von zu Hause zur Universität beinhaltet. Außerdem empfinden sie das Mensa-Angebot als besonders günstig und lecker. Während Kyoko die Mettwurst favorisiert, hat Ikuko die Currywurst für sich entdeckt.

Weitere Unterschiede finden sich im Uni-Alltag, zum Beispiel in Seminaren, wie Kyoko und Ikuko berichten: „Deutschland gilt in Japan als sehr streng, dabei geht es hier wesentlich lockerer und offener zu. Einerseits gibt es mehr englischsprachige Kursangebote und andererseits wird in den Seminaren viel lebhafter diskutiert. In Japan schweigt man hingegen lieber, bevor man etwas Falsches sagt.“ Beide finden es gut, dass mehr Beteiligung und Aktivität gefragt sind, was sie zu Beginn allerdings vor eine Herausforderung gestellt hat. Ungewohnt für sie war es ebenfalls, dass die Uni nicht rund um die Uhr geöffnet ist. Positiv aufgefallen ist beiden das umfangreiche Angebot des Uni-Sports. Ikuko ist im Aerobic-Kurs angemeldet, während Kyoko beim Mountain-Biken ihre Leidenschaft fürs Zweirad ausleben kann und dazu regelmäßig auf der Nordbahntrasse unterwegs ist.

Natürlich durfte zum Studienstart eine Fahrt mit der Schwebebahn nicht fehlen, so beispielsweise zum Wuppertaler Zoo. Dort bestaunten sie die großen Tiergehege: „Die sind vor allem bei den Löwen viel größer als bei uns.“ Besonders lustig fanden Ikuko und Kyoko die Pinguine. Auch haben sie schon die Nachbarstädte Wuppertals erkundet. Sie besuchten den Dom und verschiedene Museen in Köln, probierten nicht nur Kölsch, sondern auch Glühwein auf den Weihnachtsmärkten und verbrachten zudem die Silvesternacht dort. Ein Stück kulinarische Heimat haben sie in Düsseldorf, im Japan-Viertel, gefunden. Fehlen durfte auch ein „Klassiker“ nicht: Der Besuch des Schlosses Neuschwanstein im Allgäu. „Wir würden auch gerne den Karneval im Rheinland und das Oktoberfest in München besuchen“, lauten ihre weiteren Reisewünsche.

Angenehm empfanden sie die Zugfahrten, da die Bahnen nicht so überfüllt seien wie in Japan. Doch muss die Deutsche Bahn aus internationaler Perspektive einige Punktabzüge hinnehmen: „In Japan ist Pünktlichkeit absolut wichtig. Kommt ein Arbeitnehmer wegen der Bahn nur wenige Minuten zu spät zur Arbeit, hat der Arbeitgeber Anspruch auf Schadensersatz von Seiten des Verkehrsbetriebes.“ In Deutschland hingegen ist jeder selbst dafür verantwortlich, pünktlich zur Arbeit zu kommen.

Für die Deutsche Bahn haben die beiden kein Lob übrig

Bis Ende des Semesters werden beide in Deutschland bleiben, bevor es für Ikuko zurück nach Japan und für Kyoko weiter nach Frankreich geht. Sie kann sich vorstellen, beruflich in die Bundesrepublik zurückzukehren. Das Fazit ihres Auslandsaufenthaltes konnten beide, die sich primär auf Englisch verständigen, perfekt auf Deutsch: „Wir lieben Deutschland!“