Der Hüftschwung klappt noch

Musik


Der Rock ’n’ Roll-Pionier Peter Kraus wird 80 Jahre alt. Zum Geburtstag gibt es eine große Party – und eine TV-Dokumentation.

Von Gunther Matejka



14. März 2019

12:50 Uhr

Seit mehr als sechs Jahrzehnten steht Peter Kraus auf der Bühne. Im Oktober plant er eine große Konzertreise. Foto: Bodo Schackow/dpa
Seit mehr als sechs Jahrzehnten steht Peter Kraus auf der Bühne. Im Oktober plant er eine große Konzertreise. Foto: Bodo Schackow/dpa

München.Auch Teenie-Schwärme werden älter. Sogar Rock ’n’ Roll-Helden. Diese Erfahrung macht
gerade Peter Kraus. Der Sänger, Schauspieler und Moderator feiert am 18. März seinen
80. Geburtstag. Die hohe Zahl mache ihm schon zu schaffen, das gibt er zu. Doch bisher
habe er es geschafft, sich gedanklich damit kaum zu befassen. Außerdem ist er ein
„guter Verdränger“, wie er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur gut aufgeräumt
bekennt.

Party mit Frank Elstner

Eine richtig große Party ist geplant. „Mit Freunden und mit lieben Kollegen, die ich
schon seit langem nicht mehr gesehen habe“, sagt Kraus und gewährt einen kleinen Einblick
in die Gästeliste: Moderator Frank Elstner, Ex-Rennfahrer Hans-Joachim Stuck, die
Kessler-Zwillinge sowie die Musiker Günther Sigl (Spider Murphy Gang), Mary Roos und
Paola. „Das wird toll. Dabei bin ich als bescheidener Mensch gar kein richtiges Feierbiest“,
verrät er. Udo Lindenberg und Otto Waalkes mussten aus terminlichen Gründen absagen.
Das sei schade, doch die beiden hätten bei der anlässlich seines Geburtstages in der
ARD geplanten TV-Doku mitgewirkt. Lindenberg und Peter Kraus? Auf den ersten Blick
scheint die beiden mehr zu trennen als sieben Lebensjahre. „Das stimmt schon, aber
wir zwei respektieren und verehren uns gegenseitig.“

Überwältigender Erfolg

Der als Peter Siegfried Krausenecker geborene Sohn des österreichischen Regisseurs
Fred Kraus und einer Münchnerin war ein Pionier: Bereits Mitte der 1950er Jahre holte
er mit seiner Debüt-Single „Susi-Rock (Bluejean Bop)“ den Rock ’n ’Roll ins Nachkriegs-Deutschland.
Mit überwältigendem Erfolg: In seinen ersten vier Karriere-Jahren veröffentlichte
Kraus 36 Titel – die sich über zwölf Millionen Mal verkauften.

Inspiriert war der heute am Luganersee lebende Österreicher anfangs – natürlich –
von Elvis Presley. „Er war mein Ideengeber“, sagt Kraus, „ich habe von ihm erstmal
nur in der Zeitung gelesen: Dass es da einen Typen gibt, der sich unanständig auf
der Bühne bewegt, der wilde Musik macht, der eine Haartolle hat und bei dem die Mädchen
reihenweise in Ohnmacht fallen. Da habe ich mir gedacht: Das wäre doch auch was für
mich.“

Musikalisch hat sich Kraus allerdings recht schnell von seiner Inspirationsquelle
entfernt. Er avancierte zum Schmusesänger, war gefragter Duett-Partner (unter anderem
mit Connie Francis, Alice und Ellen Kessler und Gus Backus) und versierter Interpret
von klassischem Blues. Daneben befeuerte der seit 1969 mit dem ehemaligen Fotomodell
Ingrid verheiratete Künstler seit Mitte der 1950er Jahre seine Schauspieler-Karriere:
Über 30 Kino- und Fernsehfilme machten Peter Kraus zum Star im deutschen Film. Heute
böten ihm Filmemacher stets die gleiche Rolle an, erzählt Kraus: „Ein alter Schlagersänger,
der jung geblieben ist. Da lach ich mich doch tot. Etwas anderes kommt einfach nicht.“

Malen, Oldtimer und Musik

Er kann’s verschmerzen. Schließlich sei sein Leben auch ohne Filmdrehs ausgefüllt
– mit Malen (seine neue Leidenschaft), mit Oldtimer-Rallyes und natürlich mit Musik.
Im Oktober will sich Peter Kraus zum letzten Mal auf große Konzertreise begeben. Die
am 23. Oktober startende „Jubiläumstour“ soll das Beste des Rock ’n’ Roll-Zeitalters
bereithalten. „Das wird eine tolle Show, mit Songs von Chuck Berry, Frank Sinatra,
Little Richard, Jerry Lee Lewis und natürlich Elvis.“ Ob mit 80 der Hüftschwung noch
klappt? „Aber ja“, lacht Peter Kraus sein unverkennbares Lausbuben-Lachen, „dafür
sorgt schon meine Frau. Sie hält mich fit.“

Die TV-Doku „Immer in Bewegung“ läuft am Sonntag um 16.25 Uhr im Ersten. Die Sendung
zeichnet die Karriere von Peter Kraus nach – vom Kinderstar in „Das fliegende Klassenzimmer“
über das Teenie-Idol als „deutschsprachiger Elvis“ bis hin zum Entertainer in Film
und Fernsehen.

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