Ganz oder gar nicht

Münster-“Tatort” : Ganz oder gar nicht

„Wir haben schon so lange Verbrecher hinter Gitter gebracht…”: Der Münster-„Tatort“ wird vom Serienmörder heimgesucht – und verwundert beim Blick auf die Besetzungsliste.

Zum Verwechseln ähnlich: Jan Josef Liefers ist im neuen Münster-„Tatort“ nicht der Einzige, der eine Doppelrolle zu spielen hat.

Zum Verwechseln ähnlich: Jan Josef Liefers ist im neuen Münster-„Tatort“ nicht der Einzige, der eine Doppelrolle zu spielen hat.Foto: WDR/Thomas Kost

An den Anblick von Leichen sollte sich Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) gewöhnt haben. Seit seiner Versetzung von Hamburg nach Münster vor 17 Jahren hat der Fan des FC St. Pauli zusammen mit dem Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) bereits in 33 Fällen zum Teil äußerst skurrile Mordfälle gelöst. Doch was ihn in seinem 34. „Tatort“ erwartet, ist zunächst ein gehöriger Schock.

Hinter dem Münsteraner Dom liegt eine Tote, bei der es sich offenbar um Staatsanwältin Wilhelmine Klemm handelt. Doch der Schein trügt, ein Ehepaar erkennt in der Leiche zweifelsfrei eine Freundin, mit der es noch kurz zuvor einen netten Abend verbracht hat. Thiel lächelt erleichtert, nicht wissend, dass ein Foto dieser Szene bald in den Sozialen Medien und den Zeitungen erscheint – was die gar nicht so tote Staatsanwältin erbost, bis sie den Grund für seine Erleichterung versteht.

Drei „Tatorte“ aus Münster wird es in diesem Jahr geben, nachdem die Fans dieses Teams sich 2018 nur einmal an dem schrägen Humor von Boerne und Thiel erfreuen konnten. Das ist gut zu wissen, denn bei einem Blick auf die Besetzungsliste von „Spieglein, Spieglein“ an diesem Sonntag stellt sich heraus, dass Thiels Assistentin Nadeshda Krusenstern – gespielt von Friederike Kempter – fehlt.

An sich kommt es auch im „Tatort“ immer mal wieder vor, dass eine Figur gegen eine andere ausgetauscht wird. An Krusensterns Stelle wird Thiel nun von Kommissar Mirko Schrader (Björn Meyer) unterstützt – der überdies einen wunderbaren Kaffee macht. Doch in Münster liegen die Dinge anders. Als im Herbst 2016 Gerüchte aufkamen, Thiel und Liefers könnten genug vom „Tatort“ haben, wurden diese zwar dementiert. Zugleich stellten die beiden Schauspieler jedoch klar, dass jeder in diesem Ensemble gleich wichtig ist.


Doppelgänger, die im Zentrum stehen

Anders gesagt: Der „Tatort“ aus Münster läuft in der bestehenden Besetzung oder gar nicht. Zum Glück handelt es sich bei Schrader/Meyer nur um eine Urlaubsvertretung, Friederike Kempter kehrt zurück – und wird in der Weihnachtsfolge eine ganz besondere Rolle spielen. In der Episode an diesem Sonntag sind es hingegen Doppelgänger, die im Zentrum stehen.

Benjamin Hessler, der das Drehbuch geschrieben hat, weiß aus eigener Erfahrung, dass solche Ähnlichkeiten gar nicht so selten sind. Seine Brüder und er ähneln sich ebenfalls stark.

Die aus solchen Ähnlichkeiten resultierenden Verwechslungen werden in Romanen und Filmen schon seit jeher gerne aufgegriffen, nun also auch im „Tatort“. Als am Tag nach dem Mord an der Klemm-Doppelgängerin auch noch eine kleinwüchsige Frau umgebracht wird, die starke Ähnlichkeiten mit Boernes Assistentin „Alberich“ (Christine Urspruch) hat, müssen der Kommissar und der Gerichtsmediziner befürchten, dass in Münster ein Serienmörder sein Unwesen treibt.

Und dass dessen Opfer etwas mit den Fällen von Thiel und Boerne zu tun haben. „Wir haben schon so lange Verbrecher hinter Gitter gebracht, dass die ersten schon wieder auf freiem Fuß sind“, ist den beiden bewusst.

Matthias Tiefenbacher, der bei „Spieglein, Spieglein“ Regie führte, lässt früh durchblicken, wer hinter den Morden stecken könnte. Spannend bleibt gleichwohl die Frage nach den Motiven – und wer die nächsten Opfer sind. Und einige gelungene Dialoge wurden ebenfalls eingebaut, auch wenn diese Episode nicht zu den allerbesten aus Münster gehört.

„Tatort: Spieglein, Spieglein“, ARD, Sonntag, 20 Uhr 15

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