Nach nur 31 Tagen – Mimi Kraus trifft auf den Ex-Club

Er will zwar keine große Sache daraus machen. Eines dürfte Michael Kraus aber nicht leugnen können: Die Partie gegen den TVB Stuttgart in der Handball-Bundesliga an diesem Sonntag (16.00 Uhr) wird für den Weltmeister von 2007 eine besondere. Beim Anpfiff ist es gerade einmal 31 Tage her, dass der 35-Jährige zuletzt das blauweiße Stuttgarter Trikot trug.

Jetzt empfängt der prominente Neuzugang der SG BBM Bietigheim seinen Ex-Club als Gegner – und würde seine ehemaligen Mannschaftskollegen allzu gerne zurück in den Abstiegskampf ziehen. “Ich werde in der Vorbereitung sicher auch Insider raushauen”, sagte Kraus im Interview des Internetportals handball-world.com. “Aber auch in diesem Spiel wird gelten, dass wir uns auf uns konzentrieren müssen.” Das Band zwischen ihm und Stuttgart sei ohnehin nicht so dick gewesen wie etwa zu seinem früheren Arbeitgeber Frisch Auf Göppingen.

Turbulente Wochen für Michael Kraus

Eine besondere Note hat das schnelle Wiedersehen für beide Seiten aber auf alle Fälle. Hinter Kraus liegen turbulente Wochen. Am Montag, 11. Februar, hatte der TVB zunächst bekanntgegeben, dass Kraus den Verein am Saisonende verlassen werde, da man seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängere. Drei Tage später holte Kraus mit den Stuttgartern im Abstiegskampf einen wichtigen 25:23-Heimsieg gegen den TBV Lemgo. Wiederum zwei Tage danach, am Samstag, wurde sein sofortiger Wechsel nach Bietigheim verkündet.

Und etwas mehr als 24 Stunden später warf er bei der 24:31-Niederlage gegen die MT Melsungen seine ersten sechs Tore für den Aufsteiger. “Es war dann wirklich sehr, sehr schnell”, gab Kraus jüngst im Podcast der Handball-Bundesliga zu. Selbst für den Routinier, dessen Karriere nicht gerade arm an kuriosen Anekdoten ist, waren das ungewöhnliche Tage. Er sei während dieser Zeit öfter in seinem “sogenannten Folterkeller gewesen”, berichtete Kraus scherzhaft. Diesen Raum habe er sich in seinem Haus eingerichtet, “wenn es mal zu viel wird. Dann bin ich für eineinhalb Stunden da unten und tobe mich aus”, sagte der Rückraumspieler. “Kreuzheben, Bankdrücken, Kniebeugen.”

Training neben dem Training

Das Training neben dem Training zahlt sich aus. Denn trotz seines fortgeschrittenen Handball-Alters ist Kraus topfit. Kurz vor der Winterpause hatte er für den TVB so beeindruckende Leistungen abgeliefert, dass sogar über ein Comeback in der Nationalmannschaft zur Heim-WM spekuliert wurde. Wenige Tage vor der Nominierung des erweiterten WM-Kaders verletzte er sich dann aber an der Hand. “Ich weiß nicht, ob tatsächlich eine Nominierung erfolgt wäre”, sagte Kraus. “Aber ich war schon traurig, weil ich mir sicher war, dass ich dem Team hätte helfen können.” Abgehakt hat er das Thema Nationalmannschaft nicht. Denn Kraus ist noch längst nicht fertig mit seiner Karriere. Über einen Wechsel ins Ausland denkt er schon länger nach, vielleicht könnte es nach seinem Engagement in Bietigheim im Sommer so weit sein. Frankreich würde ihn reizen. Aber zunächst mal würde er mit dem Tabellenvorletzten gerne den Klassenerhalt schaffen. Und seinem Ex-Club weh tun.