Coach Doll und Referee Gräfe: Keine besten Freunde

Stand: 17.03.2019 11:46 Uhr

96-Coach Thomas Doll (M., im blauen Pullover) diskutierte nach dem Spiel in Augsburg aufgebracht mit Referee Manuel Gräfe.

Dass Trainer und Schiedsrichter nicht immer einer Meinung sind – es kommt nahezu an jedem Spieltag der Fußball-Bundesliga vor. Man wirft sich dann während oder nach der Partie ein paar Nettigkeiten an den Kopf und teilt seine Meinung der Öffentlichkeit mit. Der Böse ist immer der Andere. Im Falle des Übungsleiters Thomas Doll von Hannover 96 und des Unparteiischen Manuel Gräfe aus Berlin nahm deren Zwist nach der Partie der “Roten” beim FC Augsburg (1:3) allerdings eine bedenkliche Dimension an. Beide Seiten vergriffen sich im Ton. Doll bezeichnete den Spielleiter unter anderem als “gockelig”, Gräfe warf dem Coach vor, sich “arrogant” verhalten und “höhnisch und ironisch” auf die Niederlage seines Teams reagiert zu haben.

“Deinetwegen haben wir verloren”

Doll suchte unmittelbar nach dem Schlusspfiff das “Gespräch” mit Gräfe. Man musste kein sonderlich großes Talent in der Interpretation von Körpersprache und Mimik haben, um zu erkennen, dass sich beide nicht zu ihrer jeweiligen Leistung beglückwünschten. “Er kam zu mir und sagte: Deinetwegen haben wir verloren, deinetwegen haben wir verloren”, erklärte der Schiedsrichter. Später habe Hannovers Coach in den Katakomben des Stadions auch noch mit Augsburgs Co-Trainer Jens Lehmann abfällig über ihn gesprochen, sagte der 45-Jährige. “Das ist arrogant”, beklagte Gräfe, der sich gewünscht hätte, “vernünftig miteinander zu reden”.

Referee muss als Blitzableiter herhalten

Doll: “So was muss ich mir nicht anhören”

17.03.2019 10:28 Uhr

Coach Thomas Doll von Hannover 96 war nach dem 1:3 in Augsburg nicht gut auf Referee Manuel Gräfe zu sprechen. Er warf dem Schiedsrichter vor, sich im Ton vergriffen zu haben.

Davon waren beide Seiten nach dem Spiel aber so weit entfernt wie 96 derzeit von einem Nichtabstiegsplatz (neun Zähler). Gewiss gründete Dolls harsche Kritik an dem Referee auch auf diesem Umstand. Ein Stück weit musste einer der besten deutschen Schiedsrichter schlichtweg als Blitzableiter herhalten, als Doll im Interview mit dem NDR Rundfunk sagte: “Meine Jungs waren total aufgebracht – da muss man keinen Freistoß geben. Und der stellt sich dann dahin und erzählt irgendwas davon, dass die gleiche Entscheidung vor Wochen mal in Bremen war. So etwas muss ich mir nicht anhören. Und dann bin ich als arrogant betitelt worden. Dann kann ich natürlich nicht nachvollziehen.”

“Hatte den Laden voll von ihm”

Doch damit hatte der 52-Jährige noch nicht genug Luft abgelassen. Ziemlich deutlich sprach er auch noch an, dass Gräfe aus seiner Sicht aus dem Dialog einen Monolog gemacht habe: “Ich hatte irgendwann nach zwei Minuten auch den Laden voll von ihm, weil er ja immer weiter gesabbelt hat. Und er betitelt mich als arrogant, das kann ich nicht nachvollziehen.”

Freistoßpfiff bringt Coach auf die Palme

In Anbetracht des öffentlich ausgetragenen Zankes geriet beinahe ein wenig in Vergessenheit, warum Doll nach der Partie so schlecht auf Gräfe zu sprechen war. Der Coach störte sich am Freistoßpfiff vor dem wohl spielentscheidenden 2:1 der Augsburger durch einen Schuss von Jonathan Schmid. Dazu passte dem 52-Jährigen die Auslegung einer Vorteilsregel nicht. Gräfes Vortrag fand er insgesamt misslungen. “Irgendwann habe ich mich abgedreht, mir war das auch zu viel”, sagte Doll. Ein Schiedsrichter solle sich nicht so “aufplustern”, als ob er den Fußball erfunden hätte, legte der Übungsleiter nach.

Kritik bleibt für Doll ohne Folgen

Einen Eintrag von Gräfe in den Spielbericht gab’s für Doll nicht. Schließlich habe es ja keine Beleidigungen gegeben, wiegelte der Unparteiische ab. “Ich will es nicht höher hängen als es ist, das sind Emotionen. Wenn man absteigt oder gegen den Abstieg kämpft, ist man frustriert.” Die Sache sei abgehakt, das gehöre zum Geschäft dazu.

Weitere Informationen

Dieses Thema im Programm:

Sportclub |
17.03.2019 | 23:00 Uhr