Herthas Ibisevic wirft sich zum Rot-Rekord

Er hat es wieder getan. Vedad Ibisevic sah bei der Berliner Niederlage gegen Borussia Dortmund (2:3) in der Nachspielzeit die Rote Karte. Es war die gerechte Bestrafung für eine ebenso kuriose wie unsportliche Aktion des Hertha-Stürmers. Berlins Trainer versuchte die Szene nach dem Schlusspfiff humorvoll zu sehen.

Im Olympiastadion lief die Nachspielzeit, Marco Reus hatte kurz zuvor das 3:2 für die Gäste aus Dortmund geschossen – es schien der würdige Schlusspunkt eines mitreißenden Spiels gewesen zu sein. Doch Ibisevic hatte in den letzten Zügen der Partie seine Nerven einmal mehr nicht im Griff.

Als Dortmunds Roman Bürki sich für einen Freistoß einen zweiten Ball auf den Rasen holte, statt die bereitliegende Kugel zu nehmen, explodierte der bosnische Stürmer. Erst brüllte Ibisevic den BVB-Torwart wegen seines – offensichtlichen – Zeitspiels zusammen, um dann einen der Bälle in Richtung Bürki zu schleudern.

Ibisevic löst Rudelbildung aus

Der 34-Jährige Stürmer traf seinen Gegenspieler voll am Kopf. Absicht ist Ibisevic dabei schwer zu unterstellen, da er den Ball halbhoch warf, als Bürki noch aufrecht stand. Nur weil der Schweizer Keeper sich direkt danach duckte, bekam er den geworfenen Ball direkt ins Gesicht.

Es folgte eine hitzige Gruppendiskussion, bei der auch Dortmunds Marcel Schmelzer eifrig mitmischte. Der 31-Jährige war von der Auswechselbank aufgesprungen und gleich zu Ibisevic gestürmt. Schiedsrichter Tobias Welz nahm daraufhin die Hilfe seiner Videoassistenten in Anspruch.

Hertha BSC - Borussia Dortmund 2:3

Herthas Vedad Ibisevic (M.) versucht, Schiedsrichter Tobias Welz von seiner Unschuld zu überzeugen

Quelle: dpa/Soeren Stache

Nachdem der Unparteiische sich die Szene selbst in der Review Area angesehen hatte, griff er sich in die Hosentasche und zückte nachvollziehbarerweise glatt Rot für Ibisevic. Der Sünder beteuerte derweil noch auf dem Weg ins Stadioninnere lautstark seine Unschuld. Schmelzer kam mit einer Gelben Karte davon.

Dardai witzelt und entschuldigt sich

Berlins Trainer Pal Dardai versuchte die Unsportlichkeit seines Stürmers nach dem Spiel mit Humor aufzuarbeiten: „Wenn das Absicht war, dann muss er wirklich Handball spielen. Der Wurf war richtig platziert.“ Kurz darauf wich sein Lächeln allerdings einer entschuldigenden Geste: „Den Ball muss er freilich nicht dahin werfen, auch wenn das nicht mehr spielentscheidend war. Wir entschuldigen uns natürlich für diesen Vorfall.“

Für Ibisevic war es bereits die fünfte glatt Rote Karte seiner Bundesliga-Karriere; dazu kommt eine Gelb-Rote Karte. Damit liegt Ibisevic jetzt bei Roten Karten gleichauf mit dem früheren Karlsruher und Leverkusener Jens Nowotny. Ganz an die Spitze der Platzverweiskönige hat es der Herthaner allerdings noch nicht geschafft. Nowotny (fünfmal Rot, dreimal Gelb-Rot) und Luiz Gustavo (einmal Rot, siebenmal Gelb-Rot) sammelten insgesamt acht Feldverweise.