Italo-Western in München: Andreas Dresen inszeniert Puccini

“Ich finde, das sind sehr ambivalente und von ihrer Liebessehnsucht getriebene Gestalten”, sagte Andreas Dresen im Interview mit dem BR, “die sich in einem extremen Umfeld behaupten müssen. Das interessiert mich, ehrlich gesagt, an dieser Oper. Die drei Protagonisten sind total interessant in ihrer Zerrissenheit, und die Männnerwelt, von der sie umgeben sind, die ist davon geprägt, dass diese Leute alle am sozialen Abgrund leben. Das sind, auch historisch gesehen, die Ärmsten der Armen gewesen, die da in diese Goldgräber-Camps gezogen sind. Und man kann schon heutige Migrations-Bewegungen damit assoziieren: Leuten gehen an einen anderen Ort, an einen Un-Ort. Damals war da wirklich nichts, in Kalifornien.”

Die Gegend ist jedenfalls sozial total verwahrlost: Die Goldgräber gönnen sich gegenseitig nichts, auch der Sheriff denkt nur an sich, und der aasige Banker von Wells Fargo sowieso. Ausstatter Mathias Fischer-Dieskau und Kostümbildnerin Sabine Greunig hatten sich gemeinsam mit Andreas Dresen optisch von einem Dokumentarfilm aus dem Jahr 2005 inspirieren lassen, “Workingman´s Death”. Dessen Autor Michael Glawogger zeigt darin Malocher in aller Welt, Schwerstarbeiter, die teils unter Tage schuften. Ihre Welt ist auf der Bühne der Bayerischen Staatsoper von Stacheldraht abgesperrt, schemenhaft ausgeleuchtet. Ein schwarzer Himmel dräut darüber, außer ein paar Kisten als Sitzgelegenheit und einem schäbigen Tresen zur Ausgabe von Whisky ist nichts geboten. Sarkastisch ragt eine metallene “Show-Treppe” in diese Arena der Hoffnungslosigkeit. Nicht auszuhalten, und deshalb dreht gleich zu Beginn einer der Minen-Arbeiter durch und wird mit ein paar Münzen nach Hause geschickt.