Klinikärzte drohen mit Warnstreiks

Klinik-Patienten müssen mit Warnstreiks von Ärzten rechnen. Nachdem die Tarifverhandlungen für die Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern gescheitert sind, droht die Ärztegewerkschaft nun mit Warnstreiks.

Die Tarifverhandlungen für die rund 55.000 Ärzte an den mehr als 500 kommunalen Krankenhäusern sind gescheitert. Das erklärte die Tarifkommission des Marburger Bundes. Sie wies das Angebot der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) als “nicht akzeptabel” zurück. Der Marburger Bund werde nun Vorbereitungen für Arbeitskampfmaßnahmen in kommunalen Krankenhäusern treffen: “Ab sofort sind Warnstreiks möglich”, kündigte der erste Vorsitzende der Gewerkschaft, Rudolf Henke, an.

“In allen für uns entscheidenden Punkten standen die Arbeitgeber auf der Bremse”, kritisierte Henke. “Wir haben auf eine Einigung am Verhandlungstisch gesetzt, aber ein Angebot erhalten, das wir als den Versuch verstehen müssen, uns die Selbstachtung zu nehmen.” Deshalb müsse jetzt der Druck erhöht werden.

Der Marburger Bund bereite die Urabstimmung unter seinen Mitgliedern vor. “Über den Umfang der Auseinandersetzung werden wir dann zu gegebener Zeit entscheiden”, kündigte Henke an. “Auf jeden Fall wird es genügend Notdienstvereinbarungen geben.”

Entlastung der Mediziner gefordert

Die Tarifverhandlungen waren im Januar gestartet. Der Marburger Bund fordert fünf Prozent mehr Gehalt bei einer einjährigen Vertragslaufzeit sowie eine Entlastung der Mediziner. Die Gewerkschaft will unter anderem eine exakte Erfassung der Arbeitszeit und die Einführung von Höchstgrenzen für Bereitschaftsdienste und vor allem Nachtdienste erreichen.

Die VKA boten nach eigenen Angaben 5,4 Prozent mehr Gehalt für die Ärzte, das in zwei Stufen jeweils Mitte 2019 und 2020 erhöht werden soll. Zudem solle es Verbesserungen bei der Wochenendarbeit und Entlastung bei Bereitschaftsdiensten geben.

Nach Angaben der Gewerkschaft würde das Arbeitgeberangebot bei einer Gesamtlaufzeit von zweieinhalb Jahren lediglich 1,4 Prozent Gehaltserhöhung für 2019 und 0,83 Prozent für 2020 bringen. Dies mache die Ärzte “zu bloßen Bittstellern”. Die geforderte Begrenzung der Bereitschaftsdienste werde völlig ignoriert.

2006 war der Marburger Bund teils fast täglich in den Schlagzeilen, als die Klinikärzte mit einem Streik für mehr Geld und bessere Bedingungen kämpften. Es war der erste Ärztestreik in Deutschland seit Jahrzehnten.