Missbrauchs-Vorwurf gegen Gifhorner Ehepaar: Diakonie will jahrelang nichts gewusst haben

Sexueller Missbrauch und Misshandlungen von Kindern zwischen sechs und 16 Jahren in einer Wohngruppe: Am Freitag hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass Haftbefehle gegen das beschuldigte Ehepaar aus dem Raum Gifhorn erlassen wurden, welches die Gruppe geleitet hat. Jetzt wurden weitere Einzelheiten bekannt. Das Ehepaar, beide ausgebildete Pädagogen, hatte die Wohngruppe für teilweise schwer traumatisierte Kinder 25 Jahre lang geführt, bis 2007 in Trägerschaft der Diakonie. Nach Informationen des NDR hatte sich die Diakonie wegen pädagogischer Differenzen damals von dem Ehepaar getrennt, einen Verdacht auf Missbrauch und Misshandlungen habe es zu dem Zeitpunkt nicht gegeben. Erst die Strafanzeige einer ehemaligen Bewohnerin der Wohngruppe im Januar gegen das Ehepaar setzte die Ermittlungen in Gang.

Opfer sind Schutzbefohlene

Ermittelt wird nun wegen elf Fällen von sexuellen Missbrauchs und fünf Fällen von Misshandlung Schutzbefohlener gegen den Ehemann, wegen fünf Fällen von Misshandlung gegen die Ehefrau, die laut Staatsanwaltschaft von den Straftaten ihres Mannes Kenntnis gehabt haben muss, sie jedoch nicht verhindert hat. Beide sitzen seit Freitag in Untersuchungshaft.

In der Wohngruppe waren im Regelfall vier bis fünf Kinder zeitgleich untergebracht, zum Zeitpunkt der Strafanzeige im Januar lebten dort drei Betreute. Die Polizei versucht jetzt, alle früheren Bewohnerinnen und Bewohner der Wohngruppe ausfindig zu machen und als Zeugen zu befragen.

Weitere Straftaten möglich

Da Akten von Kindern in Wohngruppen zehn Jahre nach dem Verlassen der Gruppe vernichtet werden, müsse auch auf Daten der Jugendämter zurückgegriffen werden. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Ermittlungen Hinweise auf weitere Straftaten der Beschuldigten zutage fördern werden“, hatte Oberstaatsanwalt Christian Gottfriedsen mitgeteilt.

Von Christina Rudert