Parteitag in Chorweiler: Jäger als erste Frau an die Spitze der Kölner SPD gewählt

Köln –

Christiane Jäger (55) ist als erste Frau an die Spitze der Kölner SPD gewählt worden. Beim Parteitag im Bürgerzentrum Chorweiler erhielt sie am Samstag 85 Prozent der abgegebenen Stimmen. 239 Delegierte stimmten für sie, es gab 27 Nein-Stimmen und 15 Enthaltungen.

Das Ergebnis sei „besser als erwartet“, freute sich Jäger. Zu ihrer Wahl bekam sie von ihrem Vorgänger Jochen Ott (44) und Gastredner Martin Schulz (63) ein kleines hölzernes Steuerrad geschenkt. Sie wolle gemeinsam mit der Partei das Schiff durch die Sturmfluten steuern, rief sie den knapp 300 Delegierten zu. In einer ruhig vorgetragenen, aber inhaltlich kämpferischen Rede hatte Jäger zuvor an die Genossen appelliert, jetzt „geschlossen und gemeinsam voran zu gehen”.

SPD will mit Gewerkschaften gegen soziale Spaltung kämpfen

Aus ihrer Tätigkeit in der Kölner Stadtverwaltung wisse sie: “Wir müssen dringend ins Rathaus zurück!” Die SPD habe in der Vergangenheit viele wichtige Projekte angestoßen, wie das Programm Starke Veedel. Diese Erfolge müsse man den Bürgern aktiv vermitteln und deutlich machen, dass die SPD die Partei sei, die sich um die drängenden Themen Bildung, Wohnen, Daseinsvorsorge und Zukunft der Arbeit kümmere. „Dann werden wir wahrgenommen, dann kommt man an uns nicht vorbei”, unterstrich Jäger.

Ziel der SPD werde sein, im starken Schulterschluss mit den Gewerkschaften gegen die zunehmende soziale Spaltung zu kämpfen. „Ich will mit euch die Stadt des Zusammenhalts gestalten, nicht die Stadt der Ausgrenzung.” 45 Prozent der Kölner hätten Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein, doch die Wohnungen dafür fehlten. Allein bei der GAG stünden 10 000 Wohnungssuchende auf der Warteliste. „Diesen Menschen wollen wir ein Gesicht geben.”

Die neue Vorsitzende, die von ihrer Familie begleitet wurde, gab auch Einblicke in ihre persönliche Gefühlslage. Dass sie als erste Frau an der Spitze der Kölner SPD stehe, „erfüllt mich mit Ehrfurcht”. Viele hätten sie gefragt, ob sich ihre Arbeit als Abteilungsleiterin im Amt für Stadtentwicklung mit dem SPD-Vorsitz unter einen Hut bringen lasse. Ihre Antwort? „Ja, das geht, unbedingt.” Sie habe jedes Recht, sich demokratisch zu engagieren, und das werde sie „kraftvoll und klar“ tun – „auch wenn ich unter einer unglaublichen Beobachtung stehen werde”.

Jäger will keine bequeme Vorsitzende sein

Sie sei überzeugt, so Jäger, dass die SPD bei der Kommunalwahl 2020 die Wähler nicht damit gewinnen werde, dass man ständig über Oberbürgermeisterin Henriette Reker schimpfe, sondern indem man „mit klaren Konzepten und Lösungen und glaubwürdigen Kandidaten“ antrete. Damit hob sie sich ein Stück weit von Jochen Ott ab, der Reker zuvor scharf kritisiert hatte – ihr unter anderem Untätigkeit angesichts der Jobverluste bei Ford, Kaufhof und anderen vorwarf.

Jäger machte deutlich, dass sie keine bequeme Vorsitzende sein will, dass sie die Auseinandersetzung um Inhalte sucht. Den Delegierten rief sie zu: „Wenn ich euch so sehe, erahne ich, wie anstrengend es für mich mit euch sein wird. Aber es wird auch anstrengend für euch mit mir.” Zu stellvertretenden Parteivorsitzenden wurden Kathi Letzelter (26), Fabian Stangier (31) und Susana dos Santos Herrmann (50) gewählt. Sebastian Bucher (34) bleibt Schatzmeister, Sarah van Dawen-Agreiter (31) ist neue Schriftführerin.

In einer emotionalen Rede zog Jochen Ott auf dem Parteitag Bilanz seiner 18 Jahre als Parteivorsitzender. Er zitierte BAPs “Verdamp lang her”, erinnerte an die große Tradition der SPD. „Wir sind die größte Partei in Köln und wir sind die, die immer wiederkommen.” Die Delegierten feierten ihn mit minutenlangem Applaus. Viel Beifall bekam auch der frühere SPD-Bundesvorsitzende Martin Schulz, der mit Blick auf die Europawahl im Mai ein leidenschaftliches Plädoyer für den Kampf gegen rechte Hetze abgab: „Die SPD muss das Bollwerk zur Verteidigung der Demokratie in Europa sein“, betonte Schulz.